„Wenn die Begeisterung ansteckt ...“

Beim Thema Mission sieht Pastor Michael Hanfstängl seine Aufgabe darin, Menschen für Gott zu begeistern.
Beim Thema Mission sieht Pastor Michael Hanfstängl seine Aufgabe darin, Menschen für Gott zu begeistern.

Michael Hanfstängl ist Pastor für Mission, Ökumene, Gerechtigkeit und Weltverantwortung / Viele Erfahrungen und Pläne

shz.de von
20. März 2017, 17:30 Uhr

Pastor für Mission, Ökumene, Gerechtigkeit und Weltverantwortung – es klingt nicht nach einer leichten Aufgabe, die Pastor Michael Hanfstängl (57) vor einigen Wochen im Kirchenkreis Ostholstein übernommen hat. Gerechtigkeit und Weltverantwortung sind Ziele, die schon auf Ebene der Staatengemeinschaft als kaum erreichbar erscheinen. Was kann da in einem Kirchenkreis bewegt werden?! Und wie sieht es mit der Ökumene und Mission aus? Michael Hanfstängl sieht seine Aufgabe nicht darin, das ganz große Rad zu drehen, sondern ein Scharnier zu bilden zwischen den größeren kirchlichen Organisationen „und dem was vor Ort möglich ist“, wie er sagt.

Der gebürtige Essener war zehn Jahre als Afrika-Referent für das damalige Nordelbische Missionszentrum (heute Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche) tätig und hat in dieser Zeit – 1994 bis 2004 – viele Male Afrika bereist. Immer wieder brach er für mehrere Wochen nach Tansania, Kenia oder nach Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) in Zentralafrika auf. Es waren ganz unterschiedliche Erfahrungen, die er hier sammelte. Afrikanische Gastfreundschaft lernte der Pastor ebenso kennen wie die aus Armut und maroden Staatsstrukturen erwachsende Korruption. Wobei es große Unterschiede zwischen den Staaten gibt. In Tansania zum Beispiel werde das Miteinander groß geschrieben. „Man denkt von der Gemeinschaft her“, so Hanfstängl. Denn der Fremde ist immer auch ein wichtiger Informant. Er weiß vielleicht, ob eine wichtige Brücke noch passierbar ist oder wie sich die Preise für Getreide in der Stadt gerade entwickeln. Das Miteinander gilt auch für die Religion: Obwohl in Tansania Christen und Muslime jeweils einen etwa gleich großen Anteil an der Bevölkerung stellen, leben sie relativ einträchtig miteinander. „Sie haben es geschafft, dass es noch nie einen Bürgerkrieg dort gab“, sagt Michael Hanfstängl. Doch es gibt auch das korrupte Afrika, wie man es im Kongo häufig erlebt. Mit dem früheren nordelbischen Bischof Hans-Christian Knuth saß er sogar mal im Niemandsland zwischen Sambia und der Republik Kongo fest – weil die Grenzer auf beiden Seiten versuchten, Schmiergelder zu erpressen.

Auch die sechs Jahre als Direktor des evangelisch-lutherischen Missionswerks Leipzig (2005 bis 2010) haben dazu beigetragen, dass Hanfstängl – dessen Frau übrigens ebenfalls seit vielen Jahren im Bereich kirchlicher Entwicklungsarbeit tätig ist – bei den Themen Gerechtigkeit und Weltverantwortung auf eine gewachsene Erfahrung bauen kann.

Eines hat er dabei immer wieder gelernt, nämlich „dass es sich lohnt, auch dicke Bretter zu bohren“, wie er sagt. Und manchmal kommt die Weltpolitik ja sogar vor die eigene Haustür – wie beim G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg, den die Nordkirche mit eigenen Veranstaltungen kritisch begleiten wird.

In den nächsten Wochen und Monaten will Michael Hanfstängl vor allem die Gemeinden im Kirchenkreis kennenlernen und sich über bereits vorhandene ökumenische Partnerschaften und interreligiöse Kontakte – Stichwort Flüchtlingsarbeit – informieren. Im Jahr des Reformationsjubiläums und angesichts der Offenheit, mit der Papst Franziskus das Thema Reformation begleitet, sieht der Theologe besonders viele Entwicklungschancen für die Ökumene. Darüber hinaus will sich Hanfstängl ein Bild davon machen, was es an internationalen Erfahrungen und Kontakten in den Gemeinden gibt und wo Partnerschaften mit Projekten oder Gemeinden in anderen Ländern existieren. Der Kirchliche Entwicklungsdienst der Nordkirche, der soziale Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika fördert, ist dabei ein wichtiger Partner.

Beim Thema Mission sieht der Pastor seine Aufgabe darin, Menschen für Gott zu begeistern. „Wenn die Begeisterung ansteckt, dann wirkt Gottes heiliger Geist“, sagt er. Er will vor allem „als Christ auskunfts- und dialogfähig sein“, wie er es zuletzt schon als Pfarrer in Sörup in Angeln war. Beim Taufunterricht für Muslime hat er allerdings auch schon ausgeholfen. Im Wahljahr, in dem sowohl das Parlament in Kiel als auch der Bundestag neu gewählt werden, will sich Michael Hanfstängl überdies noch einem Gerechtigkeitsthema widmen, das die Menschen auch in Ostholstein besonders betrifft: bezahlbarer Wohnraum für alle. Er hat sich also einiges vorgenommen.

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