Wenn der Mitarbeiter sein Wissen mitnimmt ...

Die Unternehmertagung der IHK bot im Haus von Cobobes in Eutin Vorträge und Workshops.
Die Unternehmertagung der IHK bot im Haus von Cobobes in Eutin Vorträge und Workshops.

shz.de von
29. Mai 2018, 14:20 Uhr

Wenn der Mitarbeiter sein Wissen mitnimmt, hat der Unternehmer das Nachsehen. Was er für den Erhalt von Wissen und Mitarbeiter im Betrieb tun kann, erfuhren die Teilnehmer einer Unternehmertagung in Eutin. Zu der hatte die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck eingeladen. Die Themen: Wissensvermittlung im Betrieb und die perfekte Besetzung von Schlüsselpositionen. 35 Unternehmer waren der Einladung der IHK-Arbeitsgruppe „Erfahrung“ gefolgt und hörten bei der Firma Cobobes die Vorträge, die in Arbeitsgruppen vertieft wurden.

Sabine Axt, Strategie-Beraterin aus Oldenburg, und Susanne Blaue, Personal-Managerin beim Pharma-Hersteller Aspen in Bad Oldesloe, referierten. Axt sprach über den Wissenstransfer, Blaue stellte ein Arbeitsmittel vor, mit dem besonders wichtige Positionen im Unternehmen erkannt werden, sogenannte kritische Stellen.

73 Prozent des Wissens einer Firma sei informell, führte Axt ins Thema ein. Es sei Wissen aus Erfahrung, das oft unzureichend bewertet werde. Das Unternehmen müsse Wissen unbedingt für Stellen-Nachfolger aufbereiten. Denn wenn der ausscheidende Kollege sein Wissen mitnehme, sei es für den Betrieb verloren. „Nur wenn wir Wissen teilen, kommen wir als Unternehmen weiter“, sagte Axt. Wissenstransfer könne mit Hilfe von entsprechenden Wissens- und Kontaktlandkarten gelingen, sagte die Oldenburgerin. Zudem bedürfe es eines ständigen Vermittlers. Besonders wertvoll sei das wertschätzende Feedback. Ins Gewicht fielen die Generationsunterschiede. Während „Alt“ noch in Hierarchien denke, wolle „Jung“ auf Augenhöhe mitreden und wegen der Nutzung sozialer Medien eine prompte Reaktion haben.

Um Mitarbeiter und ihr Wissen ging es auch bei Susanne Blaue. Die Human-Ressource-Managerin präsentierte das „Aspen-Modell“, ein Tool, mit dem ein Betrieb die Schüsselrollen und die besten Mitarbeiter ermitteln könne. Schlüsselrollen seien kritische, komplexe Positionen, die zum Kerngeschäft gehörten, wie vielleicht der Leiter der Verpackung oder der Werkstattleiter. Damit für solche Positionen die besten Mitarbeiter gefunden würden, arbeitet Blaue mit einer Matrix, die die Leistung und das Potenzial eines Mitarbeiters ins Verhältnis setzt. Ein Teilnehmer erkannte anhand der Präsentation, dass er seine Unternehmens-Assistentin künftig an Führungstreffen beteiligen wird, um ihre Fähigkeiten stärker zu würdigen und zu nutzen.

Mit kritischen Rollen seien grundsätzlich ein hohes Abwanderungsrisiko und die schlechte Verfügbarkeit am Arbeitsmarkt verbunden, wies Blaue auf den Nutzen des Tools hin. Das Arbeitsmittel gestatte, in Alternativen zu denken. Dafür empfehle sie den regelmäßigen Gebrauch. Ihr Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern mache das halbjährlich. Die Oldesloerin schloss: „Nur der Mitarbeiter, der weiß, dass seine Fähigkeiten geschätzt und entwickelt werden, ist motiviert und zeigt Engagement.“ Die Workshops moderierten der Psychologe Matthias Mickeleit aus Tremsbüttel und der Personalentwickler Christoph Mehrpahl aus Neustadt.

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