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Gerichtsverfahren in Plön : Wenn „Daddeln“ zur Sucht wird

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

27-Jähriger stand wegen Unterschlagung von Einnahmen einer Fastfood-Kette über rund 21 000 Euro vor dem Amtsrichter.

Ein „Krimineller“ ist der 27-jährige Angeklagte, der sich wegen Unterschlagung in fünf Fällen vor dem Plöner Amtsgericht verantworten muss, sicherlich nicht. Er ist spielsüchtig, wie er mittlerweile selbst von sich sagt. Und diese Sucht hat ihn nun vor den Amtsrichter gebracht.

Angefangen hat alles mit „harmlosen“ Daddeln aus Neugier am Automaten, schildert der voll geständige Angeklagte seinen gefährlichen Weg in die Sucht. Erst waren es kleine Beträge, die er gewann und verlor. Dann gewann er zweimal hohe Beträge, 650 und 800 Euro. Das entfachte die Sucht in ihm erst richtig.

Zunächst konnte er die Verluste ja noch ausgleichen aus seinem Gehalt, doch oft war er pleite, das Konto überzogen. „Irgendwann kam mir dann die Idee, dass ich mit den Einnahmen aus der Burger-Stube, in der ich als Schichtleiter arbeitete, spielen könnte, statt das Geld in der Bank einzuzahlen.“ Die ersten Beträge konnte er noch ausgleichen, ohne dass das auffiel. Als dann die Beträge immer größer wurden, musste er sich Geld leihen. „Ich spielte, bis ich pleite war“.

Er nahm einen Bankkredit auf, spielte aber weiter. Doch schon bald konnten die Automaten die Einsätze durch Gewinne nicht mehr ausgleichen, in der Kieler Spielbank setzte der Angeklagte nun auf Roulette und Black Jack. „Aber es klappte nicht“, gibt er heute unumwunden zu. Er war längst spielsüchtig geworden.

Fünf Mal, wirft ihm die Anklage vor, habe er Tageseinnahmen der Burgerketten-Filiale, die er als Verantwortlicher zur Bank bringen sollte, zwischen November und Dezember 2013 für das Spiel verwendet, statt sie einzuzahlen. 21  025 Euro listet der als Zeuge vernommene ehemalige Arbeitgeber laut den Belegen auf. „Die EC-Karte der Freundin habe ich gestohlen, ihr Konto leergeräumt“, gibt der Angeklagte auch zu. Als er die Versicherung für sein Auto nicht mehr zahlen konnte, sollte es stillgelegt werden. Er tauchte erst einmal ab, hatte Selbstmordgedanken – und fand den Weg zu einem Geständnis gegenüber seiner Familie und seinem Arbeitgeber und einen Weg zur Suchthilfe.

Natürlich möchte sein früherer Arbeitgeber, eine Burger-Kette, ihr Geld zurück, andere auch. „Ich möchte mich nicht entschuldigen, ich weiss, dass es ein Fehler war, aber ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr anders“, beschreibt der Angeklagte seine Sucht. „Ich wusste, dass ich spielsüchtig war und dass ich das nicht zurückzahlen kann.“ Das Verlangen, die Sucht, war stärker.

Das Urteil der Amtsrichterin ist letztlich in Einvernehmen mit dem Staatsanwalt und der Verteidigung. Ein Urteil, das dem Angeklagten helfen soll. Es ist eine Verurteilung unter Vorbehalt zu 90 Tagessätzen zu 15 Euro, die keine Eintragung in das Zentralregister erfordert. Erst einmal ist die Strafe zur Bewährung ausgesetzt worden. Sie ist vorbehaltlich – vorausgesetzt, der Angeklagte leistet für die nächsten beiden Jahre eine monatliche Wiedergutmachung des Schadens von 450 Euro und nimmt weiter an der Therapie der Kieler Stadtmission teil.

Sollte er in der Zwischenzeit wieder spielen, die Therapie unterbrechen oder die Zahlungen einstellen, würde die Verurteilung wegen Unterschlagung mit voller Härte greifen. „Spielsucht ist eine Erkrankung“, begründet die Richterin ihr Urteil. Damit hat der Angeklagte, der heute in einer festen Anstellung in der Gastronomie mit 1400 Euro brutto im Monat arbeitet, noch eine Chance, seine letzte Chance, die er nicht verspielen sollte.

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erstellt am 12.Feb.2015 | 04:30 Uhr

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