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Weniger Flüchtlinge im Kreis – Integration umso wichtiger

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 00:12 Uhr

Es kommen in diesem Jahr bisher deutlich weniger Flüchtlinge nach Ostholstein als erwartet: Gerade einmal 46 Personen sind dem Kreis bis Anfang Mai zugewiesen worden, darunter 24 Männer und 22 Frauen, nur acht von ihnen waren minderjährig. Eines sei damit klar, sagte Katharina Euler von der zuständigen Koordinierungsstelle des Kreises, „die Prognose des Landes, wonach der Kreis Ostholstein 840 Personen in diesem Jahr zu erwarten hat, wird wohl nicht eintreten.“

Kamen zu Spitzenzeiten Ende 2014 und 2015 etwa 40 Flüchtlinge in der Woche, so sind es laut Katharina Euler, aktuell durchschnittlich sieben, die im Monat kommen. Insgesamt waren Ende März 1435 Flüchtlinge im Kreis Ostholstein registriert.

Im Vergleich zu den beiden Vorjahren lasse sich auch feststellen, dass der Frauenanteil unter den Flüchtlingen deutlich angestiegen ist. „Aus dem Verhältnis 60 zu 40 ist jetzt 53 zu 47 geworden“, sagte Katharina Euler. Fast die Hälfte der im Kreis Ostholstein lebenden Flüchtlinge ist zwischen 28 und 60 Jahre alt. Im vergangenen Jahr gab es ebenso noch die große Gruppe der jungen Männer zwischen 18 und 27 Jahren, doch diese Gruppe habe prozentual deutlich abgenommen. Zum einen, so Euler, liege das an den Familienzusammenführungen, zum anderen an den einreisenden Armeniern, die hauptsächlich älter seien und aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung in ihrem Land in Deutschland eine Zuflucht suchten.

„Schleswig-Holstein ist als Bundesland zuständig für die Armenier“, sagte Katharina Euler. Entgegen der medialen Wahrnehmung seien im vergangenen Jahr unter den Flüchtlingen 60 Prozent Familien und 40 Prozent Einzelpersonen eingereist. 2017 hat die Zahl der Einzelpersonen (55 Prozent) im Kreis Ostholstein zugenommen. Wer ist zum Familiennachzug berechtigt? „Ehepartner und minderjährige Kinder können nachziehen auch die Eltern von minderjährigen Kindern sowie deren minderjährige Geschwister. Allerdings nur, wenn die Antragsteller in Deutschland anerkannte Asylsuchende oder die Flüchtlingseigenschaft anerkannt bekommen haben“, sagte Euler.

Das Land Schleswig-Holstein finanziere und unterstütze die Koordinierungs- und Beratungsstellen für die Flüchtlinge, ebenso die Staff-Kurse („Starterpaket für Flüchtlinge“) mit 120 Stunden Sprachunterricht, die derzeit von der Arbeiterwohlfahrt und den Volkshochschulen angeboten würden. Das Land habe auch einen sogenannter Restrukturierungsfonds gegründet, um die Kommunen bei der Finanzierung des Leerstandes zu unterstützen, unter dem einige litten, die wegen der Prognosen Wohnraum angemietet hätten, sagte Euler.

War in den beiden vergangenen Jahren die Unterbringung eine große Aufgabe, geht es jetzt, und das merken besonders die Ehrenamtler, um die Integration in den Alltag, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Eulers Tipp: „Es bringt nichts, getrennte Angebote für die Flüchtlinge auf die Beine zu stellen, dann sind sie wieder nur unter sich.“ Flüchtlinge müssten in die Vereine, in Gruppen, in denen auch die Menschen, die da sonst wohnen, Mitglied seien.

Ein wichtiger Fokus liegt ebenso bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, berichtete im jüngsten Sozialausschuss des Kreises von Erfolgen: „Insgesamt konnten bis Anfang April 52 anerkannte Flüchtlinge in Arbeit vermittelt werden.“ Das klinge zwar nicht nach viel, sei aber der zweithöchste Integrationswert im Land nach Stormarn. Derzeit würden 1309 anerkannte Flüchtlinge vom Jobcenter betreut. Davon seien rund 950 in Sprachklassen. Unter den übrigen rund 360 Arbeitslosen seien aber auch Mütter mit kleinen Kindern oder ältere und kranke Menschen.

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