Weniger Autos, mehr Flair

Gespannt folgen Carsten Behnk (v.  l.) und Henning Schröter den Ideen von Jens Kröger.
Gespannt folgen Carsten Behnk (v. l.) und Henning Schröter den Ideen von Jens Kröger.

Geschäftstreibende geben Bürgermeister Ideen mit auf den Weg, wie der Rosengarten wieder attraktiver werden kann

Avatar_shz von
24. März 2018, 00:11 Uhr

Verkehrsberuhigte Flaniermeile oder Durchfahrtsstraße – wie soll sich der Rosengarten entwickeln? Ginge es nach Bürgermeister Carsten Behnk, sollte der Verkehr deutlich reduziert werden – wie einst geplant: „Es ist so eine schöne Straße, die lechzt danach, beruhigt zu werden.“ Dass der aktuelle politische Beschluss anders aussieht, habe ihn selbst verwundert.

Zur Erinnerung: Im Stadtentwicklungsausschuss gab es eine Mehrheit für zehn statt bislang drei geplanten Parkplätzen. Wie das realisiert werden kann, will Bauamtsleiter Henning Schröter in drei Varianten zur Bürgerinfo in den Schlossterrassen am Dienstag, 27. März, ab 19 Uhr vorstellen.

Vorab informierte Behnk gemeinsam mit Schröter und Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt gestern die Geschäftstreibenden in der Straße Am Rosengarten – und hörte eine Mehrheit, die sich für ein Plus an Aufenthaltsqualität aussprach und weniger als zehn Parkplätze. Allen voran überraschte Jan Thaysen von der gleichnamigen Bäckerei, der im Ausschuss wohl falsch verstanden oder wiedergegeben worden sei: „Ich möchte ein Plus an Außengastronomie, derzeit haben wir im Sommer 30 Prozent weniger Umsatz, wer setzt sich bei gutem Wetter auch schon gern rein“, sagt Thaysen. Parkplätze würden gebraucht, aber nicht direkt vor der Tür und auch keine zehn. Vieles können mit dem geplanten Parkleitsystem geregelt werden, so Thaysen. Die Verbesserung der Aufenthaltsqualität sei ihm wichtig – das zeigt auch ein Unterstützer-Plakat der Geschäftstreibenden, die gegen zehn Parkplätze im Rosengarten sind an seiner Scheibe.

Dieter Schönke, Hausbesitzer und einstiger Juwelier im Rosengarten: „Diese Straße ist so wunderschön mit den alten erhaltenen Häusern, aber der Lärm ist eine Katastrophe.“ Antonio de Vogtherr weiß, was Schönke meint, er hat selbst in seinem Haus gegenüber gewohnt und zeigt Behnk eine kleine Felskuppe im Fußboden: „Das ist unser Fundament auf einem Sumpf.“ Vor gut 200 Jahren fuhren hier Kutschen und keine Autos, er merke, wie auch andere Hausbesitzer, wie sehr die Gebäude unter dem vielen Verkehr leiden.“ De Vogtherr: „Ich hoffe, dass die Stimmen aus dem Rosengarten stärker sind, als die von anderen.“

Jens Kröger vom Sportgeschäft sprach sich für eine Innenstadtberuhigung aus. „Aber es geht doch noch um viel mehr als die Anzahl von Parkplätzen, wie will man sich in Eutin entwickeln? Was unternehmen, um von den Strandtouristen im Sommer welche herzulocken oder für Familien attraktiv zu sein?“, fragte der Geschäftsmann. Bei seiner Idee eines Hochseilgartens über der Stadtbucht musste Behnk lachen – „so etwas Ähnliches haben wir auch schon gedacht“, erklärt er. Das Parkplatzproblem könne mit einem Parkdeck gelöst werden, so Kröger. Und weil es nur so aus ihm heraussprudelte, verriet er Behnk auch noch seine Idee für den Sky-Leerstand: „Da würde ich einen Mercado reinmachen, eine Markthalle, wie in Hamburg Altona. Das ist heute ein Treffpunkt.“ Dagegen hielt Behnk, dass die Stadt nicht in städtische Geschäfte eingreifen könne. Überlegungen in diese Richtung habe es aber gegeben. „Dann muss man einen Investor suchen oder andere gute Lösungen. Wichtig ist, dass die Kaufkraft wieder steigen muss. Wir liegen bei 95“, betonte Kröger. „Und kamen mal von 104, ich weiß“, sagte Behnk, „aber ich hoffe, dass unsere Verbesserung der Infrastruktur und Aufenthaltsqualität irgendwann Früchte trägt.“

Große Sorgen beschäftigen Beate Stürmeyer, Inhaberin
des Optikers am Rosengarten. Nicht die Parkplatzfrage vor ihrer Tür allein, auch die Diskussion um das Einzelhandelskonzept mache ihr zu schaffen, sagte sie Behnk. „Wenn das Einzelhandelskonzept gekippt wird und im Gewerbegebiet ein Apollo ansiedelt, weiß ich nicht, wie viele der kleinen Optiker hier in der Stadt noch bleiben können. Ich wäre auch lieber im Gewerbegebiet, da gibt es kostenlose Parkplätze vor der Tür“, sagte Stürmeyer. Die „Stimmungsmache“ von der grünen Wiese finde sie übertrieben. Sollte das Einzelhandelskonzept gekippt werden, so Stürmeyer, blute die Stadt aus und sie vielleicht mit. Behnk beruhigte: „Da ist noch nichts entschieden.“ Und Bauamtsleiter Henning Schröter erinnerte: „Machen Sie bei der Fortschreibung des Konzeptes gern mit, Sie können sich beteiligen.“ Ob die Parkplatzreduzierung vor der Tür gut oder schlecht für ihr Geschäft sei, könne sie nicht einschätzen.

Buchhändler Jan Hoffmann sprach sich für eine Verkehrsberuhigung aus. Er habe bisher beobachtet, dass einerseits häufiger Wechsel auf der Parkfläche vor seiner Tür stattfinde, andererseits die Straße runter oftmals von den Geschäftsbetreibern selbst die Parkuhr weitergedreht werde. „Mehr Aufenthaltsqualität würde der Straße gut tun“, sagte Hoffmann.

Osman Telli vom Dönerladen gegenüber der Sparkasse sei abends auf Parkplätze angewiesen, sagt er: „Tagsüber habe ich Laufkundschaft, aber abends fahren sie alle schnell vor zum Essen-Holen.“ In der Zeit der Stadtgrabensanierung seien seine Einnahmen damals stark gesunken, so Telli.

Uwe und Bärbel Böttcher vom gleichnamigen Bestellshop hatten drei Parkplätze auf die Schattenseite vor die Sparkasse skizziert: „Da haben wir uns mit anderen in der Straße Gedanken gemacht – und am besten alles nur 30-Minuten-Parkplätze, dann gibt’s das Dauerparkproblem nicht.“

Auch Jonathan Pilz vom neuen Hifi-Laden würde sich über weniger Verkehr freuen: „Wenn die beim Fahrradladen sehen, das Grün ist, beschleunigen die und rasen hier vorbei.“ Dabei sei das so eine schöne Lage mit dem See am Ende der Straße, findet auch Karin Struck, „das müssen wir doch nutzen“. Behnk ist guter Dinge und ruft auf, am Dienstag zu kommen: „Damit die Politik alle Argumente hört, bevor im Ausschuss eine Entscheidung getroffen wird.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen