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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 02:47 Uhr

Wenig Hoffnung für die Villa Bade

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hier wohnte mit Dr. Peter Bade einst ein Medizin-Pionier, der zugleich mit einer Schenkung Verdienste an der Ortsgestaltung erwarb

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 16:17 Uhr

Eingeschlagene Fenster, morscher Balkon, eine Grundstückseinfriedung mit schwerer Schlagseite – Spuren des Verfalls, wohin man blickt: Der einstige Stolz der Villa Bade lässt sich nur noch erahnen. Der Zahn der Zeit hat dem Gebäude in der Hindenburgallee arg zugesetzt. Die letzte Bewohnerin, Dr. Ilse Hahn, war schon vor einigen Jahren ausgezogen. Nachdem die Medizinerin am 6. April 2015 im Alter von 82 Jahren in einem Pflegeheim in Plön gestorben war, verkauften die Erben das Grundstück, das rund 8500 Quadratmeter groß sein soll. Jetzt bestimmt Immobilien-Runge über die Liegenschaft in prominenter Lage direkt an der Schwentine, auf dem gegenüberliegenden Ufer der Gremsmühle.

Gefragt nach der Zukunft der Villa Bade gibt sich die Firmeninhaberin Birgit Runge zurückhaltend: „Wir haben noch keine konkreten Pläne“, erklärte sie dem OHA. Doch getan hat sich schon etwas auf dem Grundstück. Die üppige Vegetation, darunter mächtige Bäume, wurde gerodet – mit Genehmigung der Behörden, wie Birgit Runge betont.

Es dürfte sich kaum rechnen, die Villa wieder in Schuss zu bringen. Nach OHA-Informationen ließe sich auf dem Grundstück eine Bebauung entlang der Hindenburgallee mit einem knappen Dutzend Wohneinheiten verwirklichen. Das spräche für einen Abriss der Villa, die von den Behörden nicht als schutzwürdig angesehen wird. Sie stehe nicht unter Denkmalschutz, erklärte die Pressesprecherin des Kreises, Carina Leonhardt.

Die Villa trägt den Namen des Großvaters der letzten Bewohnerin: Dr. Peter Bade (1872-1956). In seiner Chronik von Malente-Gremsmühlen hat Hans Joachim Bartels ihm mehr als eine Seite gewidmet. Der in Gremsmühlen geborene Orthopäde führte über vier Jahrzehnte eine orthopädische Klinik in Hannover und gilt als Pionier der wissenschaftlichen Orthopädie, wie dem Hannoverschen Biographischen Lexikon zu entnehmen ist. Schon 1901 war er Gründungsmitglied der Orthopädischen Gesellschaft, deren Geschichte er 1939 veröffentlicht hat. Als seine Wohnung und seine Klinik durch Bombenangriffe während des 2. Weltkriegs zerstört wurden, kehrte Bade im Herbst 1943 nach Malente-Gremsmühlen zurück – in die Villa Bade.

Bade – als urwüchsiger Niederdeutscher und zugleich Bürger der internationalen Gelehrtenrepublik beschrieben – gehörte zu den wissenschaftlichen Pionieren, die dank ihres Forschergeists nicht nur neue Erkenntnisse gewannen, sondern dafür auch einen gesundheitlichen Preis zahlten. Durch den ungeschützten Umgang mit der Röntgen-Strahlung entwickelten sich auf seinen Handrücken Geschwüre, nacheinander wurden ihm mehrere Finger abgenommen.

Geboren wurde Bade im (1908 abgebrannten) „Hotel Gremsmühlen“ am Bahnhof, das seinem Vater Friedrich Bade gehörte. Der Hotelier richtete im Juli 1874 eine Postagentur im Hotel ein, die 1878 in die spätere Villa Bade verlegt wurde. Dort blieb sie bis zur Eröffnung des Postamts in der Bahnhofstraße am 31. Oktober 1894.

Einst gehörten der Familie die gesamten Ländereien links und rechts der Hindenburgallee, wie einem Zeitungsbericht zu Bades 80. Geburtstag zu entnehmen ist. Noch damals war er Eigentümer des Restaurants „Dieksee-Terrassen“, dort, wo nun seit einigen Jahren die „Villa Colonial“ steht.

Sollte die Villa Bade eines Tages verschwunden sein, wird die Erinnerung an ihren einstigen Bewohner doch nicht ganz aus dem Bewusstsein der Malenter verschwinden. Denn bereits im Jahre 1936 hatte Bade ein Grundstück an der Hindenburgallee, das bis an die Schwentine reicht, der Gemeinde Malente geschenkt. Er erwarb damit ein wesentliches Verdienst an der Gestaltung des Ortsbildes und der Entwicklung Malentes zum Luftkurort. Noch heute trägt dieser Teil der Uferpromenade den Namen ihres Stifters, Dr. Peter Bade.

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