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Altlasten in Nord- und Ostsee : Weltkriegsmunition bleibt Dauerbelastung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experte war zu Gast beim Nautischen Verein Neustadt und sagt: „Das Thema geht uns alle an“.

Neustadt | Es sind beängstigende Zahlen, die im Rahmen eines Vortrages beim Nautischen Verein Neustadt auf den Tisch kamen: Bis zu 1,6 Millionen Tonnen konventioneller und chemischer Munition wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Nord- und Ostsee versenkt.

Jens Sternheim (kl. Foto), Leiter des Expertenkreises „Munition im Meer“ des Bund-Länderausaschusses Nord- und Ostsee beim Umweltministerium Schleswig-Holstein, wollte in seinem Vortrag jedoch nicht „dramatisieren, sondern dazu beitragen, sich dem Problem bewusst zu werden.“

Denn die mittlerweile rostenden Altlasten seien eine ernstzunehmende Gefahr. Sprengstoff werde ausgewaschen und teilweise an den Strand gespült, so Steinheim. „Die Reste sehen aus wie Steine und sind nur vom Fachmann zu unterscheiden“, so der Munitionsexperte. Gefahr drohe durch Selbstentzündung, sobald die Funde mit Luft in Kontakt kämen, so Steinbach.

Über das Problem, dass sich die giftigen Inhaltsstoffe in der Nahrung anreichern, informierte Steinheim ebenfalls. Aber er beruhigte die mehr als 30 Zuhörer auch: Seefisch sei bedenkenlos zu essen. Und Segler könnten sorglos die Gewässer befahren. Nur beim Ankern sollte man vorsichtig sein, so Steinheim.

Die Sorge, Touristen könnten angesichts der Munition im Meer die Region meiden, sah Steinheim als unbegründet. „Touristen wollen auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Dann bleiben sie auch nicht weg.“

Problematisch gestaltet sich indes die Suche nach der Munition: Die genaue Lage sei trotz teilweiser Markierung in Seekarten unklar. Durch Strömungen seien Minen, Bomben, Granaten und Torpedos oft kilometerweit verdriftet. Und eine Bergung sei schwierig, denn die Sprengstoffe seien inzwischen gealtert und könnten an der Luft von selbst detonieren, so Steinheim. Sprengungen seien wiederum mit hohen Kosten verbunden: So kostete kürzlich die Sprengung einer einzelnen Mine in der Kieler Förde 800000 Euro. Zurzeit arbeite man an einem Munitionskataster, so dass festgestellt werden kann, wo was liegt. Und an welchen Stellen der größte Handlungsbedarf bestehe, so Steinheim, der Hoffnung machte auf neue Technologien: So werde bereits an der Entwicklung von Robotern gearbeitet, die unter Wasser den Sprengstoff aus der Munition saugen. Auf Schiffen solle das explosive Erbe dann nahezu rückstandslos verbrannt werden.

„Die enorme Belastung der Meere ist keine Sache einer einzelnen Partei“, sagt Sternheim. Es gelte Allianzen zu bilden. „Das Thema geht uns alle an – egall welcher Hautfarbe oder Religion.“

Weitere Infos gibt es unter www.munition-im-meer.de und bald in dem neuen Buch „Gefährliche Strandfunde“ von Frank Rudolph (erscheint im Mai). Preis: 7,90 Euro; ISBN: 978-3-529-05476-1.

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erstellt am 11.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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