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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 15:33 Uhr

Weihnachten in Greensboro

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Eutiner Paul Sprick erlebt in Nord Carolina ein deutsch-amerikanisches Fest – und steht am 26. Dezember auf dem Basketballfeld

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Weiße Weihnachten sind auch in Greensboro im US-amerikanischen Nord Carolina nicht in Sicht. „Für das Vorweihnachtswochenende waren über 20 Grad angesagt“, berichtet Paul Sprick. Der 18-Jährige Eutiner lebt seit September in den USA, geht zur „Private High School“ – und sieht einer amerikanisch-deutschen Weihnacht entgegen, denn über die Feiertage sind seine Eltern aus Eutin zu Besuch.

Sie haben sich mit ihrem Sohn ein Top-College-Basketballspiel der Universität von Nord Carolina angeguckt. „Wir haben drei Plätze direkt hinter der Trainerbank bekommen“, sagt Paul Sprick begeistert.

Er selbst hat im Mutterland des Basketballs spannende Erfahrungen gemacht. So beim Heimspiel vor 1300 Zuschauern, bei dem die Spieler einzeln durch das Spalier der Cheerleader aufs Spielfeld laufen und einzeln namentlich vorgestellt werden: „Da bekommt man Gänsehaut.“ Seinen Punktspieleinstand gab der Eutiner aber vor fremdem Publikum: „Auswärtsspiele sind hier schwer zu gewinnen.“ Zum Saisonstart reiste das Team aus Greensboro nach Ashville. „Wir waren dreieinhalb Stunden on the road“, blickt der Deutsche zurück. Und dann erlebte er die besondere Auswärtsstimmung. Das Publikum unterstütze das heimische Team sehr laut und dann sei da noch die „Student Section“: „Das ist ein Block, der nur für Schüler reserviert ist. Die rasten während der Spiele voll aus.“ Die Basketballer aus Greensboro ließen sich nicht aus dem Konzept bringen, sie gewannen ihr erstes Saisonspiel mit 20 Punkten Vorsprung.

Nach zwölf Spielen hat die Mannschaft zehn Siege und zwei Niederlagen auf dem Konto. „Die beiden Niederlagen waren unnötig, aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt“, stellt Paul Sprick fest. Die letzten vier Spiele wurden innerhalb von sieben Tagen ausgetragen, das Team aus Greensboro hat viermal gewonnen. Sprick stand sechsmal in der Startaufstellung, der „Starting Five“, saß dann zweimal zu Beginn auf der Bank und kämpfte sich dann in die Stammformation zurück. „Ich habe in einem Spiel die Leistung nicht gebracht“, räumt er ein.

Taktisch ist der 18-Jährige vom Shooter, der er in Eutin war, zum Vorbereiter und Distanzschützen geworden. „Ich werfe sehr, sehr wenig und wenn, dann meistens aus der Distanz.“ In seiner Statistik standen in drei Spielen mehr als zehn Assists zu Buche. Das Leistungsniveau sei deutlich höher, er sei auch schon an seine Grenzen gestoßen. Fehler werden knallhart per Video vor Augen geführt und analysiert, aber die Trainer zeigen auch Aufzeichnungen vom nächsten Gegner, stellen ihr Team minutiös auf die kommende Aufgabe ein. Eine Mannschaftssitzung dauere in der Regel eine Stunde, berichtet Paul Sprick.

In der Woche vor Weihnachten stand Paul Sprick unter Klausurstress. Am Montag standen zwei, am Dienstag und Donnerstag je eine Klausur auf dem Plan. Die meisten Antworten werden nach dem Mehrfach-Auswahl-Verfahren, dem „Multiple Choice“ und unter hohem Zeitdruck verlangt.

Die Schule macht bis zum 6. Januar Weihnachtsferien, Gastfamilie Ayecock fliegt zum Winterurlaub nach Florida – aber die Basketballer legen zwischen den Jahren schon richtig los, ehe die Saison in die entscheidende Phase geht. Am 23. Dezember hatten die Korbjäger ein Punktspiel, vom 26. bis 28. Dezember sind sie beim Einladungsturnier um den Timco-Cup am Ball. „Wir wollen die beste Mannschaft aus dem County sein“, hat sich Paul Sprick mit seinem Team vorgenommen, den in Greensboro alle nur „German Buckets“ nennen. Es gilt den Ruf als „Basketball-Hochburg“ zu verteidigen. Da bleibt für Müßiggang keine Zeit.

Das Leben in den USA sei grundsätzlich schneller. Abendessen dauere selten länger als zehn Minuten. Beeindruckend seien die Feiern. „Thanksgiving ist etwas sehr Besonderes. Das ist hier ein Riesen-Feiertag.“

Und vor Weihnachten glitzert und blinkt es überall. Die Straßen und Häuser sind hell erleuchtet. Der Tannenbaum der Familie Ayecock steht seit drei Wochen in voller Farbenpracht im Wohnzimmer. Paul Sprick hat seinen großen Gastbruder Grant (11) zur Weihnachtsaufführung der vierten bis sechsten Klasse begleitet. „Dort wurde viel gesungen, die Schüler haben Trompete und Violine gespielt“, blickt Paul Sprick zurück.

Am Wochenende sind seine Eltern in Nord Carolina angekommen. Am Heiligen Abend kocht Birgit Sprick deutsch, am 1. Weihnachtsfeiertag gibt es ein US-amerikanisches Gericht – und die typische Bescherung, zu der die Kinder am Morgen aus ihren Betten direkt ins Wohnzimmer stürmen, um die Geschenke auszupacken, die ihnen Santa Claus unter den Tannenbaum gelegt hat, nachdem er sich durch den Schornstein gequetscht hat. „Beim Feiern drehen hier alle durch“, sagt Paul Sprick mit verständnisvollem Lächeln – und freut sich auf sein erstes deutsch-amerikanisches Weihnachtsfest.

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