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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 22:37 Uhr

Weihnachten auf der anderen Seite der Welt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 31.Dez.2016 | 13:24 Uhr

Natürlich kennt man auch in China Weihnachten. Und natürlich weiß man auch, dass es in der westlichen Welt etwas sehr wichtiges ist. Und man will natürlich dem auch etwas nacheifern. Also findet man schon seit Anfang Dezember Weihnachtsdekoration vor und in vielen Kaufhäusern und Läden.

Und man kann in diesen Örtlichkeiten auch weihnachtliche Dekoration für sich selbst oder die Wohnung kaufen und sogar einen Plastiktannenbaum. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Die Chinesen haben sich eine ganz eigene Tradition zu Weihnachten geschaffen: Man verschenkt einen meist sehr überdimensional verpackten Apfel. Der Grund dafür ist ziemlich einfach: Apfel heißt auf Chinesisch „pingguo“ – die Silbe „ping“ kann aber auch Frieden und Glück bedeuten. Man wünscht also jemandem mit der Geste des Apfelschenkens auch Glück und Frieden. Für dieses Event haben viele zusätzliche Straßenstände Position bezogen, die nun diese verpackten Äpfel feilbieten.

Wir als Westeuropäer haben natürlich sofort verstanden, dass man hier missionarisch tätig werden kann, um den Chinesen den „Geist der Weihnacht“ und den Hintergrund dieses eigentlich christlichen Festes etwas näher zu bringen und es ein bisschen aus dem reinen Konsumsumpf zu ziehen. Also haben wir uns auch auf Anfrage der Universität daran gemacht, einen Weihnachtsmarkt für den 24. Dezember zu organisieren.

Zusammen mit einer riesen Meute an Studenten haben wir dann einen Plan aufgestellt: Es sollte Mutzen, gebrannte Erdnüsse, Apfelpunsch, eine Mistelzweigecke, ein paar Bastelstände und ein Krippenspiel samt Choreinlagen geben. Darüber hinaus fanden sich zwei Lehrkräfte, die als Weihnachtsmann oder Engel verkleidet durch die Mengen laufen sollten und Plätzchen verteilten. Und dann hatten wir uns noch in den Kopf gesetzt, ein Wichteln mit allen Studenten zu veranstalten, die Lust hatten.

An zwei Tagen wurden über 1000 Geschenke abgegeben. Diese Leute konnten sich dann am Weihnachtsmarkt ein anderes Geschenk gegen Vorlage einer kleinen Karte abholen. Die Studenten wurden für die verschiedenen Buden jeweils unter der Leitung von Nele oder Lea aufgeteilt und ich habe mich darangesetzt, für 16 freiwillige Chinesen ein Krippenspiel in leichtem Englisch zu schreiben, mit unserem schon gegründeten Chor sollten vier Lieder einstudiert werden – alles in vier Wochen. Für uns privat gab es ein wenig Fensterschmuck und sogar einen authentischen Sockenadventskalender und einen Adventskranz aus Pappe – besser als gar nix.

Der Höhepunkt der Vorbereitungen war dann am 17. Dezember erreicht, als wir parallel den ganzen Tag lang 1000 Plätzchen gebacken, für das Krippenspiel geprobt und mit dem Chor gesungen haben. Trotz einiger Schwierigkeiten wie spontaner Raumverlegungen und Nichterscheinen einiger Mitwirkender saßen am Ende des Tages die Texte, die Noten passten und die Kekse waren fertig eingepackt.

Dann kam auch schon der Heilige Abend und von 8.30 Uhr an war Aufbauaction angesagt: Die Buden (Schnellaufbauzelte, die uns gesponsort wurden) mussten aufgebaut und geschmückt, die Lebensmittel fertig vorbereitet und die Technik aufgebaut werden – womit wir bei dem wohl größten Hindernis des Tages angelangt waren: Die Technik war nämlich uralt, das Klavier ließ sich nur mit Müh und Not verbinden und die Mikrophone waren alles andere als zur Chorverstärkung geeignet geschwiege denn funktionierten überhaupt mal richtig.

Und als wir dann gerade anfangen wollten, fiel die gesamte Technik aus, weil die Herdplatten eingeschaltet wurden – und blieb auch für eine der zwei Stunden weg. Dementsprechend konnte dann auch die Show erst etwas später starten, und es war auch etwas leise.

Jedoch haben sich alle mächtig ins Zeug gelegt und man konnte mächtig stolz auf das Geleistete sein. Nach zwei Stunden war dann der ganze Spuk vorbei, die über 1500 Gäste waren wieder gegangen und mit einer rasanten Geschwindigkeit wurde alles abgebaut, sodass wir schon um 22.30 Uhr bei uns in der Wohnung mit fast allen deutschen Freiwilligen versammelt saßen und unser persönliches Wichteln durchziehen konnten – bei Weihnachtsmusik, original deutschem Lebkuchen, den mir meine Großeltern geschickt hatten, und fröhlicher Atmosphäre.

So endete der wohl stressigste und ungewöhnlichste Heilig Abend für uns alle. Am nächsten Tag durfte ich dann noch bei einer anderen Veranstaltung das traditionelle chinesische Lied „Molihua“ (Die Jasminblume) singen, was natürlich allgemeine Euphorie unter den Zuschauern ausgelöst hat. Und so endete dann auch unsere manchmal turbulente, aber selten auch mal sehr besinnliche, aber auf jeden Fall absolut einmalig tolle Weihnachtszeit in China.

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