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Wehren wollen nicht auch noch Polizei ersetzen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreisbrandmeister kritisieren Nachteile durch Polizeireform

von
erstellt am 18.Feb.2014 | 04:45 Uhr

Die Feuerwehren in Schleswig-Holstein fürchten Auswirkungen der Polizeireform. Weil das Land bei der Polizei immer weiter spart, sehen sie auch noch die Aufgabe auf sich zukommen, Unfallorte abzusichern. Plöns Kreisbrandmeister Manfred Stender hat seinem Ärger in einem Brief an Landrätin Stephanie Ladwig Luft gemacht.

Landesweit sollen bis Jahresende 35 kleine Polizeistationen geschlossen werden. Sechs davon sind im Kreis Plön. Dadurch vergrößerten sich zwangsläufig die Entfernungen zu den Einsatzorten, machte Stender klar. Doch die Feuerwehr müsse in einer Hilfsfrist von zehn Minuten vor Ort sein. Es gebe weder Zeit noch genügend Einsatzkräfte, um Aufgaben der Verkehrslenkung am Unfallort zu übernehmen. Doch: aus Gründen der Eigensicherung sei diese Aufgabe unerlässlich.

Dabei hätten die Feuerwehren im Kreis Plön gerade werktags Probleme, zusätzliche Einsatzkräfte für diese Aufgaben zu stellen. „Viele Feuerwehrangehörige arbeiten nicht in ihren Wohnorten“, sagte der Kreisbrandmeister. Und weiter: Die künftig noch enger werdende Personaldecke zwinge die Feuerwehren zur Konzentration auf die Kernaufgaben Löschen und Retten.

Das Problem kennen auch andere Wehren, bestätigt Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband. „Wir dürfen den Verkehr gar nicht lenken. Aus Gründen der Eigensicherung dürfen wir nur die Straße komplett sperren.“ Eine Teilsperrung sei problematisch, weil viele Autofahrer dann das Tempo nicht ausreichend reduzierten. „Und wenn etwas passiert haftet die Feuerwehr.“ Deswegen dürfe die Freiwillige Feuerwehr ja nicht einmal ohne Polizei einen Laternenumzug begleiten.

Eine Vollsperrung führe aber bei „Teilen der Bevölkerung zu Frust“, sagt Frank Raether, Kreiswehrführer in Steinburg. Das sei aber eben nicht die Schuld der Feuerwehren. „Wir können und wollen den Verkehr nicht regeln.“ Raether wünscht sich schneller mehr Polizisten, die den Einsatzort absichern.

Ostholsteins Kreisbrandmeister Ralf Thomsen sieht ebenfalls durch eine Konzentration von Polizeidienststellen die Gefahr, dass Polizei später zu Einsatzorten kommt und die Feuerwehr bis dahin die Verkehrsregelung übernehmen müsse. Die Bezirke der Zentralstationen seien mittlerweile sehr groß, wenn dann eine Streife am „anderen Ende“ sei, könne es schon länger dauern, bis Beamte einträfen.

Die neuen Strukturen könnten aber auch Vorteile haben: „Bei einem nächtlichen Großereignis vor zwei Wochen waren in kürzester Zeit 14 Polizeibeamte da.“ Thomsens Fazit zu den in Ostholstein geplanten Schließungen der Polizeistationen in Wangels und Heringsdorf: „Es ist nicht schön, aber dramatisch sehe ich es nicht.“

Eine personalarme Lösung hat Frank Raether im Angebot: „Auto quer stellen, Blaulicht an und fertig.“

 


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