Eutin : Wege für Überschuldete

Ines Lingner leitet die Schuldnerberatung der Awo in Eutin. Mit ihren Kollegen hilft sie Ratsuchenden aus deren Misere.
Ines Lingner leitet die Schuldnerberatung der Awo in Eutin. Mit ihren Kollegen hilft sie Ratsuchenden aus deren Misere.

Heute beginnt die Aktionswoche der Schuldnerberatung: Die Awo in Eutin bietet am 8. Juni vertrauliche Beratung ohne Termin an

shz.de von
03. Juni 2018, 17:20 Uhr

„Weg mit den Schulden“ ist das Motto der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung, die vom 4. bis 8. Juni stattfindet. Deutschlandweit machen die Beratungsstellen darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass jeder Überschuldete, unabhängig von seinem Wohnort und seinem Einkommen, Zugang zu einer sozial ausgerichteten Schuldnerberatung erhält.

Das Motto „Weg mit den Schulden“ sei doppeldeutig, sagt Ines Lingner. Gemeint sei vor allem Der Weg mit den Schulden, aber natürlich ebenso der Abbau der Forderungen. Lingner leitet die Schuldner- und Insolvenz-Beratungsstelle der Awo in Eutin.

Anlässlich der Aktionswoche bietet die Fachfrau am Freitag, 8. Juni, eine offene Sprechstunde an. In persönlichen Gesprächen können sich Betroffene von 9 bis 12 Uhr vertraulich und kostenfrei von Lingner und ihren Kollegen beraten lassen. Eine Voranmeldung ist an diesem Tag nicht erforderlich.

Überschuldung sei kein Einzelfall, sagt Lingner. Jeder zehnte Erwachsene im Kreis Ostholstein könne nach einer Studie der Creditreform (Schuldner-Atlas 2017) seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Somit seien ungefähr 17 000 Ostholsteiner betroffen. Die Awo-Beratungsstelle in Eutin registrierte im vergangenen Jahr 707 Ratsuchende, davon die Hälfte Neuberatungen.

Als Hauptursachen für eine Überschuldung nannten die Neu-Ratsuchenden 2017 Erkrankung und Sucht (29 Prozent), gefolgt von Arbeitslosigkeit (16 Prozent), niedrigem Einkommen (11 Prozent), Scheidung/Tod (11 Prozent) und mangelnder Haushaltsführung.

Wenn Menschen in finanzielle Not gerieten, brauchten sie Unterstützung, sagt Lingner. Der Zustand destabilisiere die Betroffenen in vielfacher Weise – nicht nur durch oft ungeklärte rechtliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sondern auch in psychischer und gesundheitlicher Hinsicht. „Die Menschen fühlen sich ohnmächtig, manche öffnen ihre Post nicht mehr und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.“

Ohne professionelle Hilfe sei es kaum möglich, aus der Schuldenspirale herauszukommen. Die Schuldnerberatung helfe den Betroffenen, die Finanzen in den Griff zu kriegen. Blicke der Mensch wieder durch, stabilisiere ihn das schon. Die Berater zeigten einen Weg mit und aus den Schulden heraus auf. Ziele könnten je nach Sachlage eine Stundungsvereinbarung mit Gläubigern, Ratenzahlungen oder als letztes Mittel eine Privatinsolvenz sein.

Hilfe helfe, umso mehr bedauert die Sozialpädagogin, dass Überschuldung immer noch mit viel Angst und Scham verbunden sei. Sich die Notlage einzugestehen, ist laut Lingner ein wesentlicher Schritt. Er ermögliche es, Hilfe anzunehmen.

Wer Rat sucht, erreicht die Awo ab 8 Uhr telefonisch mit 04521/702114, per E-Mail an schuldnerberatung-eutin@ awo-sh.de oder an der Lübecker Landstr. 3 in Eutin.


Mehr Information im Internet unter www.awo-sh.de.


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