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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 17:38 Uhr

Weg zur Wahrheit braucht Zeit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ermittlungen wegen Verdachts des Kindesmissbrauchs werden noch dauern / Rechtsmedizin verneint Kerze als Ursache für Brandblasen

von
erstellt am 21.Apr.2017 | 10:52 Uhr

Keine falsche Hoffnungen sollte sich machen, wer bei den vor einer Woche öffentlich gewordenen Vorwürfen gegen Erzieherinnen des Eutiner Waldorf-Kindergartens eine schnelle Aufklärung erwartet hatte: „Das Gutachten der Rechtsmedizin wird uns frühestens in zwei, eher in drei Wochen vorliegen“, sagte Christian Braunwarth, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, dem Ostholsteiner Anzeiger.

Von dem kompletten Gutachten werde die weitere Vorgehensweise bei den Ermittlungen abhängen. Dazu zähle auch die Frage, ob das dreijährige Kind polizeilich vernommen werden soll, das nach Überzeugung seiner Mutter in der Kita körperlich durch Anschreien, Ohrenziehen, Zehenkneifen und Verbrennungen an der Hand mittels eine Kerze misshandelt worden sei.

Ein Detail habe die Rechtsmedizin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage schon mitgeteilt, sagte Braunwarth weiter: Die Brandwunden an den Fingern des dreijährigen Kindes könnten nicht durch eine Kerzenflamme entstanden sein. Eine mögliche Erklärung über die Entstehung der Brandblasen an den Fingern sei aber auch nicht geliefert worden. Vielleicht komme die mit dem Gutachten.

Die Mutter bleibt unterdes bei ihrer Darstellung, die sie auf die Schilderungen ihres Sohnes stützt. Die seien von einem Kinderpsychologen als glaubhaft bewertet worden.

Der Vorstand des Trägervereines der Kindertagesstätte hat vergangene Woche nach dem Erscheinen des Berichtes im Ostholsteiner Anzeiger eine umfangreiche Stellungnahme verfasst. Darin wird erläutert, dass die angeschuldigte Pädagogin unmittelbar von der Arbeit freigestellt worden sei, weil das dem eigenen, verpflichtenden Präventionskonzept der Kita entspreche. „Mit der Freistellung soll eine ungehinderte Klärung von Vorgängen herbeigeführt werden. Die Dienstbefreiung der Pädagogin diente auch dazu, das Vertrauen der Eltern in die Kita weiterhin zu erhalten und zugleich die betreffende Mitarbeiterin – bis zur endgültigen Klärung – vor möglicherweise ungerechtfertigten Vorwürfen zu schützen.“ Die Freistellung der Pädagogin sei keine Schuldzuweisung gewesen, was in im OHA-Bericht nicht zum Ausdruck gekommen sei.

Als „besonders auffällig“ wird in der Stellungnahme bezeichnet, dass die Mutter die angeschuldigte Pädagogin nicht angesprochen habe und die Anschuldigungen ohne Gespräch angezeigt worden seien. Der Kita-Mitarbeiterin habe so von der Mutter keine Möglichkeit bekommen, sich zu den Anschuldigungen zu äußern. Weiter betont der Vorstand, dass allen Eltern der Vorfall umgehend nach Bekanntwerden mitgeteilt worden seien, aber vor Befragungen der Polizei keine Details genannt worden seien. Einzelgespräche des Kita-Vorstandes mit Eltern vor den polizeilichen Ermittlungen habe es nicht gegeben.

Eine andere Mutter habe der Polizei Kinder genannt, die ebenfalls zu Schaden gekommen sein sollen. Die betroffenen Eltern seien daraufhin von der Polizei befragt worden, niemand habe diese Behauptungen bestätigt. Im Gegenteil: An dem Elternabend hätten sich alle Eltern bestürzt über solche Aussagen einer fremden Mutter zu deren Kindern und sie mit Empörung zurückgewiesen.

Außerdem habe eine zweite Mutter den Vorwurf erhoben, eine weitere Mitarbeiterin habe ihre Tochter geschlagen. „Diesen Vorwurf hatte die Mutter wenig später
zurückgenommen.“ Nachdem diese Frau in der Vergangenheit mehrfach gegen Mitarbeiterinnen Vorwürfe erhoben habe, sei ihr die Kündigung des Betreuungsvertrages wegen unhaltbarer Anschuldigungen angekündigt worden. Die Hintergründe dieser Kündigung seien aber im OHA nicht angesprochen worden, stattdessen der Verdacht geweckt worden, die Kita wolle durch eine Kündigung die Kommunikation der Eltern kontrollieren.

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