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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 00:40 Uhr

Eutin : Weber-Biograf an Weber-Schule

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schüler des Weber-Gymnasiums erfuhren in einer Podiumsdiskussion mit Christoph Schwandt neuste Erkenntnisse zum Komponisten.

von
erstellt am 06.Nov.2014 | 14:38 Uhr

Als Komponist des „Freischütz“, begnadeter Dirigent und Pianist zählt Carl Maria von Weber wohl zu den berühmtesten Söhnen Eutins. Aktuelle Erkenntnisse über das Leben Webers fasste Christoph Schwandt nun in der Biografie „Carl Maria von Weber in seiner Zeit“ zusammen, die er vergangenen Mittwoch in der Eutiner Landesbibliothek vorstellte. Abseits von den vielen Legenden, die sich um den Komponisten ranken, wollte Schwandt eine Biografie schreiben, die ein realistischeres Bild von Weber vermitteln sollte. „Es musste ihn mal jemand so darstellen, wie er vermutlich wirklich war“, fand er und nutzte die Vorteile des Internetzeitalters für seine umfassenden Recherchearbeiten.

Und wie der Namensgeber ihrer Schule denn nun wirklich war, das wollten auch die Schüler des Carl-Maria-von-Weber Gymnasiums erfahren. In einer offenen Podiumsdiskussion in ihrer Schule hatten die Schüler der Musikkurse des 12. und 13. Jahrgangs jetzt die Gelegenheit, ihre im Vorfeld vorbereiteten Fragen dem Biografen persönlich zu stellen und fachkundige Antworten zu erhalten.

Schwandt klärte die Schüler über Webers Werdegang auf und thematisierte auch, warum gerade seine Kindheit und Jugend sein Leben so sehr prägten. „Der frühe Verlust seiner Mutter, die Geldsorgen der Familie und die durch das häufige Umherreisen bedingte Heimatlosigkeit weckten den Willen in ihm, seiner zukünftigen Familie mehr bieten zu können, was ihm letztendlich auch gelang“, so Schwandt.

Weber sei zwar kein Wunderkind gewesen, wie es etwa Mozart gewesen war, sondern ein sich kontinuierlich entwickelnder Künstler, der mit seinen Stücken internationale Berühmtheit erlangen konnte und so seiner Ehefrau Caroline und den beiden gemeinsamen Kindern ein gutbürgerliches Leben ermöglichte.

Die zweistündige Diskussion machte beiden Seiten sichtlich Spaß und konnte alle Fragen der Schüler beantworten. Auch auf kreative Fragen – wie: Mit welchem Schauspieler sollte Weber besetzt werden, wenn sein Leben verfilmt werden würde? – bekamen die Schüler faktenreiche Antworten, mit denen sie so wohl gar nicht gerechnet hatten. „Weber hinkte, war nicht sehr groß, hatte einen kleinen Kopf und war eher schmächtig – ein Brad Pitt oder Justin Bieber, der ihn in jungen Jahren spielt, wären also wohl eher ungeeignet“, lachte Schwandt und stellte fest, dass Webers Charakter viel interessanter als sein Aussehen war. „Ein Schauspieler müsste die physische Schwäche und seinen eisernen Willen, die Familie ernähren zu können, authentisch widerspiegeln“, beantwortete er die Frage. Er sei außerdem ein Mann gewesen, der gerne gelebt und sich für alles interessiert habe. So reiste er im Laufe seines Lebens viel und lernte Sprachen wie Italienisch, Französisch und Tschechisch. „Weber war eben ein echter Europäer“, meinte Schwandt abschließend – somit lebte der Patron des Gymnasiums schon im 19. Jahrhundert den europäischen Gedanken, den die Europaschule heute weiterträgt.


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