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Grosser Eutiner See : Was macht ein Landvermesser im Wasser?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zwei Mitarbeiter und ein Peilboot des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz waren eine Woche auf dem Großen Eutiner See unterwegs.

von
erstellt am 14.Apr.2014 | 13:36 Uhr

Gelb, orange, rot und tiefrot – die Linie auf dem Monitor zeigt an, dass es nun wirklich langsam zu flach wird für das Boot. Schlubber, schlubber – der aufgewirbelte Schlamm bestätigt das.

Jürgen Gertz schaltet in den Leerlauf, während sein Kollege Heiko Nissen den gelben Rucksack schultert, den zwei Meter langen GPS-Antennenstab in die Hand nimmt und über eine kleine Aluleiter aussteigt. Mitten im Großen Eutiner See.

Jürgen Geertz legt den Rückwärtsgang ein. Heiko Nissen in der grünen Wathose, dem das Wasser hier nur knapp bis übers Knie reicht, schiebt ein bisschen mit an, und die „Hafenlot“ schwimmt wieder.

Das kleine Peilboot des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) ist für eine Woche nach Eutin verholt worden.Der Große Eutiner See soll hydrographisch vermessen werden. „Wir erstellen eine Höhenkarte des Seebodens“, erklärt Nissen, der als Vermessungstechniker beim Landesbetrieb arbeitet. Die Untiefe, markiert durch einen Stab mit einem verblichenen rosa Fender daran, kann selbst das flache zweikielige Spezialboot nicht ausloten, deshalb muss der 37-Jährige zu Fuß weitermessen. „Meine Ausstattung ist im Prinzip die gleiche wie auf dem Boot“, sagt er und zeigt auf den gelben Rucksack: Funk- und GPS-Empfänger, dazu ein so genannter Controller – ein digitales Handgerät, das ihm seine Koordinaten anzeigt.

Während sich Nissen watend auf Datenfang macht, tuckert Messgehilfe Jürgen Gertz (53) mit der „Hafenlot“ weiter: noch ein paar Profillinien abfahren. Die gibt ihm das 50-Meter-Raster vor, das auf der Karte über den See gelegt wurde. Die Daten – Position und Wassertiefe – gehen automatisch in den Laptop ein, der ein buntes Strickmuster auf der Karte malt: Die Farben geben Aufschluss über die Wassertiefe (rot ist flach, blau tief), ein blauer Kreis zeigt an, wo sich das Boot gerade befindet. „Je mehr Daten man hat, desto genauer kann der Verlauf der Tiefenlinien sichtbar gemacht werden“, sagt Gertz und fährt noch eine kleine Extra-Schleife in Ufernähe. Draußen auf dem See winkt Kollege Nissen. Er möchte wieder an Bord.

Fünf Mitarbeiter arbeiten beim LKN-SH im Vermessungs-Außendienst. Ihr Dienstsitz ist Husum. Doch zuständig sind sie für die Flachwasserhydrographie an Nord- und Ostsee und den Gewässern im ganzen Land. Dank der satellitengestützten Messtechnik können sie heute an einem Tag mehr Daten erfassen als früher in einer Woche.

Nissen erklärt die Technik: Für die dreidimensionale Positionsbestimmung werden die Satelliten zweier globaler Ortungssysteme genutzt – die des US-amerikanischen Global Positioning System (GPS) und die des russischen
Globalnaja nawigazionnaja sputnikowaja sistema (GLONASS). „Im Moment sind es 17 Satelliten, die uns vermessen“, sagt Heiko Nissen, „das ist schon übergenau“.

Eine Referenzstation an Land sendet per Funk noch Korrekturdaten. So kommen die Vermesser auf eine Genauigkeit von zwei bis drei Zentimetern. Das funktioniert auch bei Schietwetter.

„Nur zu starker Wind stört“, sagt Nissen. Sind die Wellen auf dem See zu hoch, funktioniert das zweite Messsystem an Bord nämlich nicht mehr ausreichend: das Echolot.
Der Vermessungstechniker erklärt: „Schallwellen werden runter geschickt und die Zeit gemessen, bis das Echo wieder empfangen wird. Dadurch weiß man, wie tief es ist.“ Schwankt das Boot zu sehr, wird die Ungenauigkeit – das so genannte „Messrauschen“ – zu groß, und die Daten sind unbrauchbar.

Doch heute ist das Wasser nur ganz leicht gekräuselt. Mit zehn Kilometer pro Stunde tuckert die „Hafenlot“ von einem Ufer zum anderen, wendet knapp vor der Böschung und tuckert wieder zurück. 74 Mal hin und wieder her, „und dann noch kreuz und quer“, sagt Nissen und lacht, „aber irgendwann ist man fertig.“ Tucker, tucker. „Hier: 14 Meter!“, sagt Nissen und zeigt auf den Monitor. Die Linie ist blau. „Das ist bis jetzt die tiefste Stelle.“

Warum interessiert die Vermesser vom Küstenschutz überhaupt, wo der Große Eutiner See wie tief ist? Nissen und Gertz lachen. „Das interessiert uns eigentlich gar nicht, wir machen das als Dienstleistung für ein anderes Amt, das LLUR.“ Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume braucht die Daten für die Zustandsbestimmung und Überwachung der Gewässer. Zuletzt wurden die Seen vor 30 Jahren vermessen. Deshalb ist die „Hafenlot“ in den vergangenen Monaten schon etliche Male in Husum auf den Anhänger geladen worden, um im Holsteinischen über die Seen zu schippern.

Der Große Eutiner See ist für dieses Jahr der letzte. Danach geht es nach Sylt, wo Vorvermessungen für die Sandvorspülung warten. „Wir sind eigentlich jeden Tag woanders“, sagt Heiko Nissen, „aber das ist auch schön.“

Jürgen Gertz nickt. „Man bekommt viel zu sehen vom Land“, sagt er, die Hände locker über das Steuerrad gelegt. „Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass es so viele Seeadler gibt in Schleswig-Holstein.“

 

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