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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 03:28 Uhr

Was für ein Teamgeist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach vier Mal Training fuhr ich mein erstes Ruderrennen / Ein Erlebnisbericht

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 01:15 Uhr

„Klar, mach ich mit.“ Dieser Satz kurz vor Weihnachten hat mir eines der schönsten Erlebnisse mit Arbeitskollegen beschert und mich in das Ruderboot der „Druckmacher“ (Team des Ostholsteiner Anzeigers) „katapultiert“. Dass es so schön werden würde, kann ich erst rückblickend sagen. Der Weg dahin war eine Mischung aus Abenteuerlust und den typischen Sorgen eines Ruderneulings.

Normalerweise arbeite ich mit einem „Wirkungspuffer“ im „stillen Kämmerlein“, Änderungen sind bis Redaktionsschluss möglich. Die Reaktion der Leser ist in der Regel erst am Tag des Erscheinens oder später spürbar. Im Boot zählt der Moment. Fehler oder Erfolge können sofort gesehen und beurteilt werden, ungefiltert, unveränderbar – das ging mir durch den Kopf, als ich am Sonnabendvormittag an zahlreichen Teams vorbei aufs Grundstück des Rudervereins lief. Ich war nervös. Noch nervöser als am Vorabend.

Meine Ruderkollegen grinsten mir entgegen. Die Stimmung war gut, wie eigentlich immer. Ich glaube, wir waren alle nervös, die einen gaben es zu, die anderen scherzten mit den Landratten und Besuchern. Wir starteten als Mix – zwei Männer, zwei Frauen. Ich hatte Zeit, mir die ersten Rennen anzusehen. Keiner machte einen merklichen Fehler, zumindest nicht im vom Ufer gut einsehbaren Bereich. Ich wurde noch nervöser. Wenn keiner einen Fehler macht, fallen wenige mehr auf.

Unser Boot wurde gelost – Holzklasse, Skulls mit Holzgriffen. Und unser Pate des Germania Rudervereins organisiert die Regatta und kann uns als Steuermann nicht beistehen. „Wenn das mal gut geht.“ Für mehr Gedanken war keine Zeit. Stemmbrett einstellen, Füße festmachen, Dolben kontrollieren, abstoßen. Als wir die Bucht hinauf zum Start rudern, läuft es. Wir sind für uns. Draußen auf dem Wasser ist nichts von der aufgeregten Stimmung an Land zu merken. Die Menschen werden kleiner und leiser.


Der Vorlauf ließ nichts Gutes hoffen


Wir manövrieren uns in Startposition. Der Adrenalinpegel ist hoch. Gefühlt dauert es ewig, bis die anderen Boote bereit sind. „Konzentriert euch“, sagt Emely, unsere zugeloste Steuerfrau. Schon geht es los. Irgendwie zu früh, es holpert. Wir kämpfen. „So lang waren die 500 Meter noch nie“, denke ich. „Bloß durchhalten, nicht schlapp machen.“ Meine Arme sind Pudding, die Drehzahl ist zu hoch, aber wir wollen ran, unbedingt an den anderen dranbleiben. Doch wir haben uns vergebens ausgepowert. Es reichte nicht für die ersten zwei Plätze im Vorlauf, wir müssen in den Hoffnungslauf. Der läuft wesentlich besser. Das Finale ist greifbar, immerhin haben die „Druckmacher“ ihren Sieg vom Vorjahr zu verteidigen. Das Halbfinale, schon der dritte Lauf an diesem Tag, klappt richtig gut. Wir haben jetzt doch noch unseren Paten Christian Noel an Bord. Er feuert uns an, nimmt uns hart ran. So hart, dass ihm pünktlich zur Zieleinfahrt die Stimme versagt. Wir lachen, sind gelöst. Finale erreicht – mein persönliches Ziel. Für alles weitere, sagt Noel kurz vorm finalen Start, müssen wir jetzt richtig powern. Und das wird hart, richtig hart. Wir gegen drei andere. Ein Team hat die zweite Frau gegen einen Mann getauscht, einem weiteren werden ebenfalls gute Chancen vorausgesagt. „Zwischen zwei und vier ist alles drin“, sagt Noel optimistisch.

Start. Auch der ist holprig, das Zusammenfinden dauert länger als beim ersten Mal. Wir liegen auf dem vierten Platz. Das kann und darf nicht sein. Wir ziehen auf Befehl des Steuermanns, geben alles. Kämpfen uns ran, eineinhalb Bootslängen. Meine Augen suchen die Zielboje, lang schaffe ich die Schlagzahl nicht mehr. Dann passiert es. Mein linker Skull entgleitet mir, ich fange „einen Krebs“, wie Ruderer diese Art des „Verhedderns“ im Wasser nennen. Ich schaue nach rechts – zum Glück haben wir die weiße Boje schon passiert. Geschafft. Ein knapper Dritter. Richtig freuen können wir uns noch nicht. Ein technisch sauberes Finale wäre schöner gewesen für das eigene Gefühl. Mit den Glückwünschen an Land kommt die Freude dann doch. Wir haben es geschafft. Als Team. Direkt gesehen von allen. Das Publikum war großartig, ebenso wie die Erfahrung, im Team stark zu sein, sich Fehler zu verzeihen und sich über Erreichtes zu freuen. Danke „Druckmacher“-Kollegen!

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