Freiwillige Feuerwehr Scharbeutz : Warum Gerätewarte hauptamtlich Hilfe brauchen

Der Pönitzer Patrick Bönig (35) ist seit drei Jahren Gemeindewehrführer in Scharbeutz. Der Produktmanager freut sich über die baldige Entlastung seiner ehrenamtlichen Gerätewarte durch einen hauptamtlichen Kollegen.
Der Pönitzer Patrick Bönig (35) ist seit drei Jahren Gemeindewehrführer in Scharbeutz. Der Produktmanager freut sich über die baldige Entlastung seiner ehrenamtlichen Gerätewarte durch einen hauptamtlichen Kollegen.

Mehr als 400 Maschinen und Teile prüft die Feuerwehr Scharbeutz jährlich. Das sei zu viel für Ehrenamtler, sagt Gemeindewehrführer Patrick Bönig.

shz.de von
21. Januar 2019, 11:46 Uhr

Scharbeutz | Die Fahrzeuge der Feuerwehr sind üblicherweise sauber, transportieren Feuerwehrkräfte und Technik sicher zum Einsatzort, und bleiben – gut gepflegt – selten auf der Strecke. Das alles ist der Verdienst ehrenamtlicher Gerätewarte der Feuerwehren in Ostholstein. Den Ehrenamtlern geht aber so langsam die Puste aus, weil ihre Aufgaben immer mehr werden. Die Gemeinde Scharbeutz will gegensteuern und wird deshalb einen hauptamtlichen Gerätewart einstellen. Eutin, Malente, Neustadt und Bad Schwartau haben ihn bereits.

Seit wann gibt es hauptamtliche Gerätewarte in Ostholstein?

Neustadt arbeitet seit 1985 mit einem hauptamtlichen Gerätewart (80-Prozent-Stelle) und denkt bereits über zusätzliche Stunden nach. Eutin hat seit 2010 einen hauptamtlichen Gerätewart, Bad Schwartau seit 2012 und die Gemeinde Malente seit 2014.

„Der Aufwand durch Vorschriften ist riesig geworden“, sagt Patrick Bönig, Gemeindewehrführer in Scharbeutz. Die gebe es nicht nur für die 31 Fahrzeuge der sieben Ortswehren, sondern auch für Kleidung, Geräte und Einsatzmittel.

 

Alles müsste regelmäßig gewartet und technisch überprüft werden. „Das können die Ehrenamtler nicht mehr schaffen“, sagt Bönig, der auf baldige Entlastung der Freiwilligen hofft, zu denen auch Malte Kuchel gehört, der seit drei Jahren Maschinist bei der Freiwilligen Feuerwehr Gleschendorf ist.

Inzwischen müssten die Ehrenamtler schon mal einen Urlaubstag nehmen, sagt Bönig, um Fahrzeuge zur Werkstatt nach Reinfeld oder zur Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Lensahn zu fahren.

Sparpotenzial

Der hauptamtliche Gerätewart wird sich weniger um Fahrzeugwäsche und Glühbirnentausch kümmern, vielmehr wird die Person Fristen und Prüfzyklen von Fahrzeugen, technischem Gerät und Arbeitsmaterial überwachen. Bönig verspricht sich von einer zentralen Bestands- und Materialverwaltung mehr Effizienz und Sparpotenzial. Davon geht trotz der jährlich 48.000 Euro für die Stelle, auch die Gemeinde Scharbeutz als Dienstherr der Feuerwehr aus: „Die finanziellen Auswirkungen werden in einigen Jahren messbar sein“, ist Heiko Laskowski, Leiter des Ordnungsamts, zuversichtlich.

Die Entwicklung hin zum hauptamtlichen Gerätewart hält Kreiswehrführer Thorsten Plath (55) für einen Trend. Nicht nur die Überwachungspflichten für Geräte und Arbeitsmittel würden mehr. „Die Zahl der Einsätze hat durch die Brandmeldeanlagen zugenommen“, sagt Plath telefonisch.

Für die Existenz jeder Feuerwehr in Ostholstein will Kreisbrandmeister Thorsten Plath kämpfen.
OHA-Archiv
Kreiswehrführer Thorsten Plath

Außerdem müssten bei Einsätzen zusätzlich speziell geschulte Kräfte oder Fachleute dabei sein. Nicht förderlich sei da das Problem, tagsüber zu wenig Kräfte zur Verfügung zu haben. Noch fingen das die Ehrenamtler auf, die bei Bedarf benachbarte Wehren oder die an ihrem Arbeitsort unterstützten.

Da muss auch die Feuerwehr umdenken. Thorsten Plath

Ein wenig Hoffnung macht die Entwicklung im Jahr 2018, als die Feuerwehren in Ostholstein Plath zufolge 30 Neuzugänge nach Abzug der Austritte, plus 20 mehr in den Jugendfeuerwehren verzeichneten. Dennoch müsse überlegt werden, wie das System in zehn bis 15 Jahren geregelt werde.

Zwei Möglichkeiten

Thorsten Plath sieht zwei Möglichkeiten. Zum einen, ist die weitere Professionalisierung einzelner Funktionen wie der des Gerätewarts denkbar. Zum anderen könnten die Gemeinden einige ihrer Mitarbeiter neben deren eigentlicher Arbeit abstellen, im Einsatzfall als Feuerwehrkraft auszurücken. „Da muss auch die Feuerwehr umdenken. Ihre Aufgaben gehen jetzt schon über das Maß hinaus, dass sie nach Feierabend leisten können.“ Es gehe auch um ihre eigene Sicherheit.

Seit kurzem ist die Stelle ausgeschrieben. Gemeindewehrführer Patrick Bönig hofft, dass der hauptamtliche Gerätewart bald gefunden sein wird.

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