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Warum es wichtig ist, über Tabuthemen zu berichten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rund 10  000 Menschen nehmen sich in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jährlich das Leben, 100  000 versuchen es. Alle 52 Minuten stirbt einer. Die Zahl der Toten durch Verkehrsunfälle, Mord, Totschlag oder illegale Drogen ist geringer. Dennoch sind Journalisten angehalten, sich in der Berichterstattung zurückzunehmen. Zu groß sei die Gefahr der Nachahmer, sagen Studien seit den 80er Jahren – für Journalisten gilt deshalb: Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Suizide.

Aber bei all der gebotenen Zurückhaltung bleiben die Angehörigen auf der Strecke – und die, die sich umentschieden haben und jetzt mit ihrem „neuen“ Leben umgehen wollen. Aus zahlreichen Recherche-Gesprächen für diese Doppelseite mit Freunden, Partnern und Betroffenen wurde immer wieder eines deutlich: Ein offener Umgang mit dem Thema Suizid fällt schwer, weil viele mit dem Tabu nicht umgehen können. Dem Suizid hängt immer noch der Makel an, mit dem Leben nicht zurecht zu kommen. „Dabei darf sich keiner anmaßen über Menschen zu urteilen, die er nicht kennt“, sagt Sophie. Viele ihrer früheren Bekannten und Freunde kamen nicht mit ihrer Offenheit klar. Angehörigen von vollendeten Suiziden erschwert das Tabu offen zu trauern, sich Hilfe zu suchen und danach nicht den Stempel der Gesellschaft zu bekommen à la „Irgendwas muss da ja falsch gelaufen sein“. Und Menschen, bei denen der Suizidversuch gescheitert ist, erschwert dieses Tabu ein Ankommen im Leben danach, das nie wieder so sein kann, wie dass was sie beenden wollten. Aber es sollte nicht noch schwerer werden.

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erstellt am 21.Nov.2015 | 00:33 Uhr

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