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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 00:54 Uhr

Warnrufe, die auch jeder kapiert

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wie beim Hahn im Hühnerhof, so gibt es auch bei Vogelschwärmen in der freien Natur beim Auftauchen von Feinden ein „Notrufsystem“

von
erstellt am 14.Okt.2014 | 18:14 Uhr

Charakteristisch für Kleinvögel wie Stieglitze, Erlenzeisige, Stare, Haus- und Feldsperlinge – um nur einige Vogelarten zu nennen – scheint es zu sein, sich außerhalb der Brutzeit gerne mit gleichartigen Individuen gesellig zu treffen. Aus diesen Gruppen erklingt aus vielen Kehlen ein beständiges Rufen und „dahinplätscherndes Dauergeschwätz“ – Kontaktrufe, die eine vor überraschenden Feinden gesicherte Nahrungsaufnahme oder Gefiederpflege garantieren, da immer ein Individuum im unorganisiertem Wechsel „aufmerkt“.

Nur ein plötzlich aufkreuzender Sperber, der einem aus der Schar einen scharfen Warnlaut entlockt, lässt die sich bis dahin sicher fühlende Gruppe mit einem Schlag verstummen, mitten in der Bewegung erstarren oder in die nächste Efeuwand zu flüchten.

Im Hühnerhof geht es nicht anders zu als in der freien Natur. Wenn der Hahn plötzlich einen fremden Hund erspäht, registriert er diesen – wie wir Kinder immer aus Spaß behaupteten – mit einem erregten, klanglich durchaus nachzuvollziehenden „ochGottochGott“. Die Hennen eilen davon, und die Spatzenschar sucht Schutz in der Hecke. Wenn sich ein anderer Kleinvogelfeind, der Habicht, anmeldet, geht nach einem bezeichnenden, anders harten Ruf alles in Deckung oder drückt sich auf den Boden.

Die Warnrufe des Hahnes und die „Habachtrufe“ in anderen Vogelschwärmen werden allgemein von allen Individuen richtig verstanden und mit entsprechenden Sicherungsreaktionen beantwortet. Auch im Wald vergrämt das Rätschen des Eichelhähers dem Jäger das gesamte Feder- und Haarwild.

Da isoliert gehaltene Vögel in gleicher Weise warnen, auch wenn es niemand hört, liegt die Deutung nahe, in diesen Signalen Schrecklaute zu hören, die den Betroffenen unwillkürlich entfahren und ihre angstvolle Erregung verraten. Das rasche Verständnis der Kameraden für solche Affektäußerungen ist nicht verwunderlich; denn soweit sie nicht selber erschrecken und ähnlich reagieren, übernehmen die Kameraden die Angst, und der Funke springt zündend und allseitig über, so dass der Schwarm flüchtend auffliegt – genau so wie in einer von Panik ergriffenen Menschenmenge.

In ähnlich reflexartig ausgelösten Schrecklauten macht sich auch die Stimmfühlung innerhalb eines Vogelschwarmes ständig Luft; sie ist laut gewordenes Anschlussbedürfnis, das für alle geselligen Tieren lebensnotwendig ist und den Zusammenhalt des Kollektivs garantiert. Alle gemeinsamen Unternehmungen der Gesellschaft müssen einheitlichen Stimmungen entsprechen, damit sie zustande kommen. Die Lust dazu ist aber nicht immer gleich bei allen Individuen vorhanden, sondern erwacht zunächst in einzelnen, die sich nun bemühen, die Mehrheit anzustecken und mitzureißen. Dafür stehen ihnen arttypische Lautäußerungen zur Verfügung, die zuletzt im Chor erklingen, wenn die Masse zur Tat schreitet, zu gemeinschaftlichem Start oder Heimflug, zu Ruhepausen oder Kurswechsel. So rollt ein Vogelalltag von Stimmung zu Stimmung weiter, und ein umfangreiches Repertoire steht zur Verfügung, sich tönend abzureagieren.

So ist es auch zu verstehen, wenn sich auf Fehmarn anlässlich des Besuchs der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente 3000 bis 6000 Goldregenpfeifer und große Schwärme von Kiebitzen und Staren plötzlich in die Luft erheben und das herrliche Bild dieses gemeinschaftlichen Fluges zeigen, ohne dass sich ein Wanderfalke oder Sperber als Verursacher zeigt ...

Weitere Infos unter www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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