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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 22:58 Uhr

Walk e.V. geht heute in die Insolvenz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Werkstatt verlässt Dannau / Projektförderung über 2014 hinaus nicht gesichert / Verbindlichkeiten in fünfstelliger Höhe

von
erstellt am 01.Nov.2013 | 00:31 Uhr

Die Werkstatt für Arbeit, Landschaft und Kultur – kurz Walk e.V. – meldet heute beim Amtsgericht Plön Insolvenz an. Das kündigten Geschäftsführer Claus-Peter Nebendahl und Insolvenzverwalter Reinhold Schmidt-Sperber gestern in Dannau an. Der Grund für die Insolvenz ist der Wegbruch von Fördermitteln. Es gibt aber eine Lösung: Walk e.V. wird voraussichtlich ab 1. März als Walk gGmbH unter das rettende Dach der Horizonte Ostholstein schlüpfen. Bis dahin werden noch alle angenommenen Aufträge abgearbeitet.

Damit ist in Dannau nach 28 Jahren Schluss. „Der Pachtvertrag ist gekündigt, der Standort Dannau wird aufgegeben“, sagte Insolvenzverwalter Reinhold Schmidt-Sperber. Er muss jetzt die Insolvenz abwickeln und Geld für die rund 20 Gläubiger aus dem Verkauf der Maschinen und Geräte beschaffen.

Verbindlichkeiten schlagen in fünfstelliger Höhe zu Buche. Derzeit sind elf Mitarbeiter bei Walk beschäftigt. Drei oder vier können in die neue gGmbH mitgenommen werden. Die anderen würden freigesetzt. In drei Monaten versammeln sich die Gläubiger. Schmidt-Sperber rechnet mit der Abwicklung in einem oder zwei Jahren.

Besonders benachteiligte Jugendliche fanden in den vergangenen Jahren Arbeit bei Walk e.V. in Dannau. Zuvor widmete sich der Verein immer wieder mit großer Unterstützung des Jobcenters Plön Langzeitarbeitslosen oder beschaffte Menschen mit Behinderungen Arbeit. Doch die ab 2014 fehlenden Rahmenbedingungen für den nächsten Förderzeitraum bis 2020 sorgten am Ende für das Aus.

Gerhard Kerssen, Geschäftsführer vom Jobcenter Plön, rechnet damit, dass erst im Herbst 2014 neue Projekte realisierbar sind. So lange könne bestehende Projektarbeit allerdings nicht warten: „Ich befürchte nicht nur im Kreis Plön weitere Insolvenzen auf dem Sektor.“ Damit werde die Projektarbeit zum „Opfer bundesdeutscher Finanzpolitik“.

Der Walk-Geschäftsführer Claus-Peter Nebendahl ist seit Ende Juli um die Rettung der Einrichtung bemüht: „Die Banken stellten keine weiteren Kredite zur Verfügung.“ Der Schaden sei aber relativ gering. Nebendahl habe schon mit den Gläubigern gesprochen, die in den nächsten Tagen offiziell informiert werden. Er habe dabei viel Zuspruch erhalten.

„Walk e.V. ist projektfinanziert und kann keine Überschüsse erwirtschaften“, sagte Insolvenzverwalter Reinhold Schmidt-Sperber. Dennoch mussten drei Monate stets vorfinanziert werden, weil die Projektfinanzierung erst dann von den Geldgebern überwiesen werde.

Das neue Konzept steht auch schon: Drei bis vier Langzeitarbeitslose oder benachteiligte Menschen werden in die Landschaftspflege übernommen. Dazu schlüpft Nebendahl mit der neuen Walk gGmbH als „Tochter“ unter das Dach der Horizonte Ostholstein und der Ostholsteiner Dienstleistungsgesellschaft mit Café sowie Landschafts- und Gartenbaubetrieb aber auch Hausmeister- und Reinigungsbereich. Rund 100 Mitarbeiter – etwa 40 Prozent mit einer Schwerbehinderung – sind dort beschäftigt. Horizonte-Geschäftsführer Reinhard Sohns aus Eutin: „Natur und Menschen mit Behinderungen passen gut zusammen.“ Sie bieten langfristige Perspektiven. Walk werde am Markt wirtschaften und sich aus eigener Kraft am Leben halten.

„Der Kreis Plön begrüßt die neue Entwicklung von Walk“, sagte Jörg Fürstenau, Leiter des Kreissozialamtes. Der Bereich in der Natur sei für Menschen mit Behinderung eine ideale Basis.


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