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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 21:44 Uhr

Wald-Kita: Kampf um die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Elterninitiative will Sozialausschuss-Entscheidung für „Pädiko“ als neuen Träger nicht klaglos hinnehmen und wirbt weiter für den ASB

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erstellt am 17.Mai.2017 | 17:58 Uhr

Setzt sich die Gemeinde Malente bei der Suche nach einem neuen Träger für den Wald-Kindergarten gegen den erklärten Willen von Eltern und bisherigem Trägervereins hinweg? Der Verein „Waldkindergarten Malente“ will die Anfang Mai getroffene Entscheidung des Sozialausschusses jedenfalls nicht klaglos hinnehmen. Dieser hatte sich für den Kieler Verein „Pädiko“ als Träger der Wald-Kita ausgesprochen und damit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) das Nachsehen gegeben.

Zur Erinnerung: Seit zwölf Jahren führt eine als Verein organisierte Elterninitiative den Waldkindergarten „Kleine Räuberbande“. Eine Erzieherin und ein sozialpädagogischer Assistent kümmern sich um derzeit 18 Kinder. Die mit dieser Aufgabe stetig gestiegenen Anforderungen lassen sich mittlerweile kaum noch ehrenamtlich bewältigen. Deshalb will der Verein die Trägerschaft abgeben, die Kita aber „in gute Hände“ legen.

Mit einem ausführlichen Schreiben hat sich die Vereinsvorsitzende Dr. Ruth Sindt inzwischen an die Fraktions- und Parteivorsitzenden gewandt. „Unsere beiden Mitarbeiter waren ebenso wie wir Vorstandsmitglieder entsetzt über die Entscheidung für Pädiko“, berichtet sie. „Das war ein Schlag ins Gesicht.“ Der Sozialausschuss habe sich genau für den Anbieter entschieden, der entscheidende Punkte nicht erfülle, um die Kita erfolgreich weiterzuführen.

Annekatrin Stoltenberg leitet die Wald-Kita. Die Erzieherin fragt sich, warum es nicht möglich ist, gemeinsam eine gute Lösung für die Kita und damit auch für die Gemeinde zu finden. Gut für die Gemeinde ist aus ihrer Sicht ein Kindergarten mit zufriedenen Kindern, Eltern und Mitarbeitern – Mitarbeitern, die auch gewillt seien, etwas für den Kindergarten zu tun. Annekatrin Stoltenberg warnt: „Diese Bereitschaft geht schnell verloren, wenn so über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.“

Der Sitzungsverlauf habe sie geschockt und enttäuscht, sagt Ruth Sindt. Mehrfach sei der Vorstand von der Gemeindeverwaltung schon seit 2016 ausdrücklich ermuntert worden, sich selbst mit der Auswahl eines Trägers zu beschäftigen. Doch als es ans Eingemachte gegangen sei, habe der Ausschuss auf die Expertise des Vereins verzichtet, die Sitzung hinter verschlossenen Türen fortgesetzt und ohne weitere Diskussion entschieden.

Der Verein fühlt sich übergangen: „Wir haben viele Stunden in eine genaue Analyse der Trägerlandschaft gesteckt“, betont Ruth Sindt. Mit drei Anbietern, die sich im Interessenbekundungsverfahren der Gemeinde gemeldet hatten – neben Pädiko und dem ASB-Landesverband der Kinderschutzbund Ostholstein – habe man jeweils rund fünfstündige Gespräche geführt. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Vorstand will den ASB. Diese Entscheidung hätten die Mitglieder einstimmig geteilt.

Ob es um das Vertretungskonzept, die Mitarbeiter oder die Bauwagenproblematik gehe, in keinem der drei Bereiche biete Pädiko überzeugenden Lösungen, kritisiert Ruth Sindt. Der Pädiko-Vertretungspool in Kiel sei zu weit entfernt. „Wir sind auf Pünktlichkeit in Vertretungssituationen ohne Ausnahme angewiesen.“ Von vornherein Eltern zur Überbrückung einzuplanen, funktioniere nicht.

Bereits in der Vergangenheit habe die Wald-Kita mit immensem zeitlichen Aufwand von Annekatrin Stoltenberg ein allseits anerkanntes Konzept erarbeitet. Pädiko wolle der Kita künftig aber sein eigenes Konzept überstülpen. Dieses sei, anders als es die Pädiko-Vertreterin in ihrem Vortrag versichert habe, mit einem sehr aufwendigen Dokumentationswesen verbunden. Das laufe dem bisherigen Konzept zuwider und werde auch der Erzieherin nicht gerecht, der es zu verdanken sei, dass sich die ehemals kleine „Naturkindergruppe“ zu einem ernstzunehmenden, konzeptionell besonderen Bestandteil der Malenter Kita-Landschaft entwickelt habe.

Als einziger Anbieter habe der ASB eine Lösungsmöglichkeit für die Bauwagenproblematik aufgezeigt. Damit könnten die Kinder sich künftig an nasskalten Tagen aufwärmen oder ihre Kleidung trocknen, was bislang nicht möglich sei, da der Bauwagen nur im Notfall genutzt und nicht beheizt werden dürfe. Von Pädiko habe es in dieser Hinsicht nur vage Versprechungen gegeben.

Der Verein fürchtet, dass allein finanzielle Gründe zur Entscheidung des Sozialausschusses geführt haben. Doch aufgrund der Gespräche mit Pädiko habe man große Zweifel an der Kalkulation dieses Anbieters, sagt Ruth Sindt. Hinzu komme, dass Pädiko unabhängig vom sozialen Status der Familien monatlich drei Euro pro Kind zusätzlich „für besondere Zwecke“ einsammele. „Das ist aus unserer Sicht inakzeptabel und eine verdeckte Erhöhung des Elternbeitrags.“

Für Ruth Sindt ist die Sache klar: „Aus unserer Sicht ist und bleibt der ASB der einzige der drei Träger, der alle Kriterien erfüllt.“ Der Trägerverein sei in Sorge um das Personal, die Eltern seien aufgeschreckt und dächten über weitere Schritte nach. Sie wünschten sich eine geräuschlose Überführung der Wald-Kita zu einem professionellen Träger, bei der die Qualität erhalten bleibe.

Bürgermeisterin Tanja Rönck wartet nun, ob es aus den Fraktionen Signale gibt, das Thema noch einmal zu überdenken. Voraussichtlich am Donnerstag, 13. Juli, wird dann die Gemeindevertretung endgültig über die Zukunft der Wald-Kita beschließen.

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