Aus dem Gericht : Waffennarr verurteilt

Der Ratekauer Waffensammler hatte zwar einen Tresor voller Gewehre - aber keinen Waffenschein.

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21. März 2012, 10:50 Uhr

Eutin | Die Anklageschrift vorzulesen, dauerte länger als üblich im Amtsgericht. Knapp fünf Minuten brauchte der Staatsanwalt, um vorzutragen, wie viele Waffen im Haus eines 56-jährigen Ratekauer gefunden worden waren. Die Liste umfasste mehrere Gewehre der Marken Browning und Mauser mit unterschiedlichsten Kalibern und Unmengen von Munition. Das Problem: Der Mann hatte keinen Waffenschein.

Noch bevor Amtsrichter Jörg Fricke die Gelegenheit hatte zu fragen, was der Angeklagte mit diesem Waffenarsenal vor hat, zeigte sich der Mann geständig: "Ich bin leidenschaftlicher Waffen-Sammler." Das habe schon vor Jahren angefangen, wann genau erinnerte der Hausmann nicht mehr. Eines Tages habe er den Bestand eines Bekannten übernommen, vieles wurde ihm geschenkt und ab und zu habe er auch Waffen angekauft. Doch seinen Plan, eine Ausbildung zum Sportschützen zu absolvieren, habe er noch nicht verwirklichen können. Der seit 1982 Arbeitslose betonte: "Ich habe nichts Böses damit vorgehabt." Die Waffen seien alle ordnungsgemäß in Tresoren verschlossen gewesen.
Waffen sind bereits vernichtet

Trotzdem forderte der Staatsanwalt eine einjährige Freiheitsstrafe: "Sie waren unerlaubt im Besitz von halbautomatischen Schusswaffen. Dieses Vergehen will der Gesetzgeber aus gutem Grund hart bestrafen." Da der Angeklagte nicht vorbestraft sei, könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Damit er spüre, dass er etwas Unerlaubtes getan habe, sei allerdings auch eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro notwendig.

Die Waffen wurden bereits vernichtet. Die Verteidigerin argumentierte deshalb, die finanzielle Bestrafung sei zu hoch: "Wenn jemand seine Briefmarkensammlung verliert, ist das schon ein hoher Verlust. Mein Mandant hat viel in die Sammlung investiert."

Das war für Amtsrichter Fricke nicht überzeugend genug. Er verurteilte den Angeklagten zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. "Ihr Geständnis, die ordnungsgemäße Aufbewahrung der Waffen und deren Vernichtung haben sich strafmildernd ausgewirkt", sagte Fricke. Zusätzlich soll der Ratekauer noch 1000 Euro Strafe zahlen. Aufgrund seiner finanziellen Situation kann er eventuell auch Sozialstunden leisten.

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