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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 19:26 Uhr

Wachwechsel in der Malenter Wehr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Kieler Berufsfeuerwehrmann Martin Guttchen kandidiert als Nachfolger von Jürgen Hansen. Er hatte das Amt 24 Jahre lang inne

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2016 | 15:07 Uhr

Er hat lange überlegt, ob er antreten soll. „Letzten Endes hat meine Frau gesagt: ,Eigentlich musst du es machen, da geht kein Weg dran vorbei‘“, sagt Martin Guttchen. Seit elf Jahren ist der 41-Jährige stellvertretender Ortswehrführer in Bad Malente-Gremsmühlen. Am Freitag, 12. Februar, um 19.30 Uhr will er sich zur Wahl stellen, wenn die Wehr bei der Jahresversammlung im Gerätehaus einen neuen Chef sucht.

Mit seiner Wahl würde Guttchen nicht nur Nachfolger von Jürgen Hansen, der fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Wehr stand. Es würde auch ein Berufsfeuerwehrmann an der Spitze einer ehrenamtlichen Feuerwehr stehen, was in Ostholstein vermutlich einmalig ist – ganz sicher ist man sich da beim Kreisfeuerwehrverband nicht. Guttchen ist seit 1998 bei der Kieler Feuerwehr, wo er als Zugführer dient und für Personalangelegenheiten zuständig ist. Im Landesfeuerwehrverband ist er Fachleiter für die Kinderfeuerwehren. In Malente wirkte er maßgeblich daran mit, eine Kinderwehr auf die Beine zu stellen.

„Ich habe lange überlegt, weil dieses Amt für eine Feuerwehr in dieser Größe eine sehr hohe Verantwortung mit sich bringt, nicht nur für den Ort, sondern die ganze Gemeinde“, sagt Guttchen, der seit 2000 Mitglied der Malenter Feuerwehr ist. Mit der zurzeit 31-köpfigen Kinderfeuerwehr laufe die Ortswehr auf 100 Mitglieder zu. „Das ist eine Riesenherausforderung.“ Die erste Bewährungsprobe muss Guttchen schon vor seiner Wahl meistern: Er braucht einen Stellvertreter. Derzeit führe er Gespräche, um einen Kandidaten präsentieren zu können.

Guttchen macht deutlich, dass er die Wehr mit ihren zurzeit 54 Aktiven nicht im Alleingang führen will: „Dass muss eine Gemeinschaftsaktion werden“, sagt er mit Blick auf die Führungskräfte. Denn die Aufgaben seien enorm. Das gehe schon bei der Brandschutzerziehung in den Kindergärten los, die nur geleistet werden könne, weil der betreffende Feuerwehrmann durch seinen Schichtdienst auch mal tagsüber Zeit habe. Daneben müssten das Gerätehaus modernisiert und die Kinderfeuerwehr integriert, neue Fahrzeuge beschafft und der Digitalfunk eingeführt werden.

Im Vordergrund stehe jedoch die Sicherung der Mitgliedszahlen: „Das wird ganz schwer“, weiß Guttchen. Eine Rolle wird aus seiner Sicht auch die Integration von Mitgliedern mit Migrationshintergrund spielen. Doch auch die Integration junger Menschen werde nicht einfacher. Kinder würden heute immer nervöser und hippeliger, sagt Guttchen, der selbst einen Sohn (10) und eine Tochter (13) hat.

Aus Sicht von Jürgen Hansen kann es keinen besseren Kandidaten für seine Nachfolge geben: „Martin Guttchen ist ein Vollprofi, erste Wahl, etwas Besseres kann uns nicht passieren in Malente“, sagt der 52-Jährige. Obwohl sein Stellvertreter und er „wie Feuer und Wasser“ seien, habe er mit Guttchen immer gleichberechtigt zusammengearbeitet, sagt Hansen, der offen einräumt, dass sein Führungsstil nicht immer bei allen gut angekommen sei. „Viele sind froh, wenn sie mich loswerden, viele werden das aber vielleicht auch noch mal bedauern“, sagt er.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Hansens Verhältnis zu Gemeindewehrführer Bernd Penter angespannt ist. Guttchen will die Lage beruhigen, ohne zurückzustecken: „Ich werde versuchen, unsere Belange in Gemeindewehr, Verwaltung und Politik sach- und fachgerecht durchzusetzen. Wenn dazu ein gepflegter Streit gehört, werden wir das hoffentlich ohne persönliche Vorwürfe austragen.“ Die Ortswehr solle sich wieder auf Aus- und Fortbildung konzentrieren und auf die Kameradschaft besinnen können.

Während seiner 24-jährigen Amtszeit sei die Ortswehr zu einer der angesehensten und schlagkräftigsten im Kreisgebiet geworden, sagt Hansen. Dafür habe er die Weichen gestellt, umgesetzt hätten es die Mitglieder. Jetzt freut sich Hansen auf mehr Freizeit, die er zusammen mit seiner neuen Lebensgefährtin genießen will.

Eines liegt Hansen aber noch am Herzen. Er will mit der Ortswehr die Stufe 5 plus bei der Leistungsbewertung „Roter Hahn“ erringen. Dafür will er sich auch nach seiner Zeit als Feuerwehrchef als Ausbilder zur Verfügung stellen.

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