Votum für die Tourismus-GmbH

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16. März 2017, 20:23 Uhr

Gegen den Widerstand der CDU-Fraktion hat die Gemeindevertretung gestern Abend den Weg für die Gründung einer kommunalen GmbH für die touristische Vermarktung frei gemacht. SPD/Grüne, FWM und BfM stimmten für das Vorhaben, die FDP enthielt sich. Damit stimmten bei zwei Enthaltungen insgesamt 16 Gemeindevertreter für und zwölf gegen den Vorschlag, den eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe auf den Weg gebracht hatte.

Bereits zum Oktober sollen ein Geschäftsführer, eine Assistenz und ein Schalter-Mitarbeiter eingestellt werden, damit künftige Tourismus- und Service-GmbH Malente (TSM) ihre Arbeit aufnehmen kann. Die Verwaltung wurde beauftragt mit Stellenausschreibungen, der Bereitstellung von Mitteln zur GmbH-Gründung in einem Nachtragshaushalt und allen für die Gründung und Eintragung ins Handelsregister nötigen Maßnahmen. Zudem wurde eine außerplanmäßige Ausgabe in Höhe von 25  000 Euro für das nötige Stammkapital der GmbH bewilligt.

FDP-Fraktionschef Wilfred Knop beklagte erneut den Zeitdruck, unter dem die touristische Vermarktung nun neu geordnet werden müsse. Dieser sei durch „Freunde einer Kündigung“ des bisherigen Dienstleister GLC Glücksburg Consulting herbeigeführt worden. Fraglich sei nun, ob die Gemeinde bis Spätsommer 2017 tatkräftige Mitarbeiter bekomme, wie sie bezahlt werden sollten, wo sie mit noch anzuschaffender zeitgemäßer Ausstattung untergebracht werden sollten und ob die Gemeinde bis dahin von GLC die Daten erhalte, die sie brauchten, um arbeitsfähig zu sein. Eines ist aus Knops Sicht klar: „Es wird für die Gemeinde teurer als mit GLC.“ Ob sich auch ein wirtschaftlicher Vorteil für die Gemeinde und die Vermieter einstelle, sei offen.

CDU-Fraktionschef Uwe Potz warnte vor einem finanziellen Blindflug: „Man gründet ein Unternehmen, ohne zu wissen, was es kostet.“ Wie zuvor Knop kritisierte er, die „Kündigungsfreunde“ seien bei der Erarbeitung des neuen Konzepts „abgetaucht“. Bürgermeisterin Tanja Rönck hielt er vor, ihre Aussage, GLC sei gescheitert, sei „kühn und eigenwillig“.

Die CDU sei weiterhin für eine Ausschreibung der touristischen Dienstleistungen, erklärte Potz. Dem hatte Knop bereits zuvor widersprochen: „Wir waren uns in der Arbeitsgruppe übereinstimmend einig, dass ein Markt für Fremdanbieter derzeit nicht erkennbar ist.“ Wenn sich kein Anbieter finde, gebe es keinen „Plan B“, warnte Knop.

Als einzige Befürworterin des nun eingeschlagenen Wegs ergriff BfM-Fraktionschefin Dagmar Nöh-Schüren das Wort. Sie wies auf eine problembehaftete Zusammenarbeit zwischen dem privaten Dienstleister GLC und der Tourismus-Zentrale Holsteinische Schweiz hin, die sich für die Gemeinde um die überregionale Vermarktung kümmert. „Die Verträge griffen nicht ineinander. Das Konstrukt hat nicht funktioniert.“ Aller Voraussicht nach werde Malente künftig nicht mehr Ausgaben haben, prophezeite Nöh-Schüren. Denn es entstünden nicht nur Kosten, sondern auch Einnahmen.

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