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Rückblick: Historisches Wahrzeichen brennt ab : Voss-Haus ist seit zehn Jahren weg

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Am 30. Januar 2006 fochten 21 Feuerwehren einen vergeblichen Kampf um die Rettung des historischen Gebäudes in Eutin.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 04:00 Uhr

„Feuer raubt Eutin das Voss-Haus“ stand groß auf der Titelseite des Ostholsteiner Anzeigers in einer Ausgabe, in der über vier Seiten eine Tragödie geschildert wird: Die Vernichtung eines 330 Jahre alten Wahrzeichen Eutins. Dieses historische Ereignis ist heute auf den Tag genau zehn Jahre her. Und genau so lange war die Hoffnung auf einen Hotelneubau auf dem Grundstück, das sich zwischen Voßplatz und Stadtbucht erstreckt.

Es war Sonntag, 29. Januar 2006, 23.20 Uhr, als Nachbarn Rauch wahrnahmen, der aus dem Hotelgebäude drang. Gäste waren keine da, Eigentümer und Mitarbeiter hatten eine Stunde zuvor im Restaurant Feierabend gemacht.

Die ersten Einsatzkräfte der Eutiner Wehr brachen die Eingangstür auf, kamen aber nicht weit: „Die Hitze war zu groß“, berichtet später Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt. Der Brand breitete sich im Dachgeschoss des verwinkelten Fachwerkhauses schnell aus und gefährdete auch die Nachbargebäude. Ein Großeinsatz, an dem 21 Feuerwehren beteiligt waren, verhinderte ein Übergreifen – das Voss-Haus selbst indes war nicht zu retten.

Seither trauern die Eutiner um den Verlust einer historischen Stätte, von der allein eine unansehnliche Grube mit Trümmerresten geblieben ist, deren aktuell notdürftig mit einem Bauzaun und daran hängenden Fotos verbrämt wird. In dem Hotel, dessen Ruhm der Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß begründet hatte, der dort 1784 bis 1802 wohnte, waren fast alle berühmten Besucher der Stadt eingekehrt, von Kaiserin Auguste Victoria über Bundeskanzler Willy Brandt bis zu dem weltberühmten Jazz-Musiker Miles Davis.

Zwei Hoffnungen blieben bislang unerfüllt: Der Polizei gelang es nicht, den Brandstifter zu ermitteln, den es gegeben haben muss. Und Pläne der Eigentümerfamilie, die Baulücke mit einem Hotel garni wieder zu füllen, sind ebenfalls noch nicht verwirklicht worden.

Dabei hatte die Stadt im Frühjahr 2008 mit dem Bebauungsplan 103 vergleichsweise schnell den städtebaulichen Rahmen gezimmert. Drei Jahre später erteilte der Kreis für einen Architektenentwurf auch eine Baugenehmigung. Doch damit verbundene Auflagen zum Brandschutz, zu Stellplätzen und Vereinbarungen mit der Eigentümergesellschaft der benachbarten Wohnanlage sorgten immer wieder für Konfliktstoff und Aufschübe.

Mitte 2014 hieß es dann, dass eine Einigung mit der Nachbargemeinschaft greifbar sei, die bei Stellplätzen und auch beim Zufahrtsrecht für die Feuerwehr im Brandfall notwendig sei. Doch eineinhalb Jahre später hat sich in der Baulücke am Voß-Platz immer noch nichts getan – aller Beteuerungen der Eigentümerfamilie, mit dem Bau zu beginnen, sobald die rechtlichen Genehmigungen vorlägen. Die Stadt hatte unterdes im Frühjahr 2014 schon die Frist für die Baugenehmigung mit April 2017 verlängert.


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