Eutin : Voß-Gymnasium bietet eine neue Theaterklasse an

Der Ausdruck von bestimmten Gefühlen kann auf Kommando abgerufen werden. In dieser Szene spielen die Schüler Angst vor den neutralen Requisiten.
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Der Ausdruck von bestimmten Gefühlen kann auf Kommando abgerufen werden. In dieser Szene spielen die Schüler Angst vor den neutralen Requisiten.

Nach den Musical- und Theatergruppen wird ab Sommer auch Darstellendes Spiel als Unterrichtsfach angeboten.

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24. Februar 2020, 11:21 Uhr

Eutin | Vier Theater- oder Musical-AGs hat die Johann-Heinrich-Voß-Schule bereits im Angebot, nun gibt es neu auch Darstellendes Spiel als Unterrichtsfach. In diesem Jahr startete der erste Wahlpflichtkurs in der 8. Klasse, im nächsten Schuljahr soll eine der 5. Klassen als Theaterklasse angeboten werden.

Bisher konnten die werdenden Fünftklässler bei der Anmeldung am Voß-Gymnasiums entscheiden, ob sie in die Musik- oder Naturforscherklasse wollen. In diesem Jahr haben sie erstmals eine weitere Wahlmöglichkeit: Die Theaterklasse. „Keines der Zusatzangebote muss gewählt werden, aber dadurch ist die Betreuung der Kinder jeden Tag bis 13 Uhr gewährleistet“, erklärt Schulleiterin Tanja Dietrich. Der Unterrichtsumfang beträgt in den fünften Klassen eigentlich nur 28 Wochenstunden, durch die zwei zusätzlichen Stunden, die immer in den letzten beiden Stunden am Freitag liegen, werden Eltern zusätzlich in der Betreuung entlastet.

Aus Leidenschaft zur Bühnenarbeit bildete sich die Biologie- und Chemielehrerin

Für Janina Herrmuth sei die Bühne ein Stückchen Heimat, sagt sie. Seit 2010 leitet sie die Theater-AG der Schule, im Schuljahr 2015/16 kam erstmals das Theater-Projekt für die ältesten Schüler hinzu. Diese Erfahrungen bewogen die Biologie- und Chemielehrerin dazu, die Fortbildung zur Lehrerin für Darstellendes Spiel (DSP) zu machen. „Die Schule hat mich dabei sehr unterstützt, das wäre sonst gar nicht möglich gewesen. Außerdem fördert das Land Schleswig-Holstein das Fach DSP inzwischen mit viel mehr Plätzen in den Fortbildungen“, sagt Herrmuth. „Wir sind froh, DSP jetzt auch bei uns an der Schule anbieten zu können“, ergänzt Dietrich. Schritt für Schritt solle das Angebot bis zur Oberstufe ausgeweitet werden. In Hamburg kann DSP an einigen Schulen inzwischen sogar als Abiturfach gewählt werden.

Darstellendes Spiel erstmals als Wahlfpflichtfach

In diesem Schuljahr startete der erste Wahlpflichtkurs DSP für die 8. Klassen – statt der dritten Fremdsprache können die Schüler auch Rechtskunde oder DSP wählen. Ailina Thun hat sich für die neue Option entschieden und ist begeistert. „Es macht viel Spaß und hilft mir, mehr Selbstbewusstsein zu bekommen“, erzählt die Achtklässlerin. Sie ist auch in der Theater-AG und hat so den direkten Vergleich zwischen Unterricht und Freizeit: „Im Unterricht spielen wir weniger Theater, und machen eher darstellerische Übungen.“

Genau darin liege auch der Unterschied zwischen Theaterspielen und Darstellendem Spiel, bestätigt Herrmuth: „Es geht weniger darum, eine Rolle einzustudieren, als vielmehr darum, Hemmschwellen und Kontaktängste abzubauen, aufeinander zu achten und zu reagieren, Selbstsicherheit zu gewinnen, sich auf einer Bühne bewegen und ausdrücken zu können.“ Oft täten sich auch Schüler ganz besonders hervor, die sonst im Unterricht eher zurückhaltend sind, sich nun aber kreativ ausdrücken können.

Schüler lernen selbstbewussteres Auftreten, aufeinander Acht zu geben

Ein großer Vorteil der Voß-Schule für dieses Schulfach ist die Aula mit der großen Bühne. „Wer sich dort natürlich bewegen kann und wohlfühlt, wird auch im Alltag viel selbstbewusster“, so Dietrich. Am Ende eines Schuljahres soll es für interessiertes Publikum Werkschauen geben, in denen sich Mitschüler und Eltern ansehen können, was die DSP-Schüler in diesem Bereich so alles lernen.

Vorwissen oder die Teilnahme an Theater-AGs in der Grundschule sind nicht erforderlich. „Wir wollen, dass die Kinder ganz unbefangen an das Fach herangehen, die einzige Voraussetzung ist Interesse daran“, sagt Herrmuth. Dabei wird der Zusammenhalt in der Gruppe maximal gefördert: Die Kinder sollen spielerisch an die Bühne und an Theater herangeführt werden, sich ausprobieren und in der Gruppe gemeinschaftlich kreativ aktiv sein.




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