Vorsicht beim Blick aufs Handy

Teilnehmer des 37. Fielmann Akademie Kolloquiums auf Schloss Plön diskutierte diesmal auch über das kindliche Sehen

von
27. März 2017, 11:07 Uhr

Kinder wollen die Welt entdecken und begreifen. Dazu sind alle Sinne erforderlich. Zu Beginn der Entwicklung stehen Greifen und Tasten und Schmecken im Vordergrund. Später aber wird Sehen zur wichtigsten Wahrnehmung. Über 180 Augenoptiker und Augenärzte aus ganz Deutschland trafen sich kürzlich zum 37. Fielmann Akademie Kolloquium auf Schloss Plön, um über kindliches Sehen zu diskutieren.

Bereits ab der Geburt können Babys Lichtreize wahrnehmen. Neugeborene sehen zwar noch sehr unscharf, aber bereits im ersten Lebensjahr kommt es zu einem enormen Anstieg der Sehschärfe. „Babys erweitern zunehmend ihren Wahrnehmungsbereich“, berichtet Marlies Mahnke. Die Augenoptiker-Meisterin hat sich seit Jahren auf die Sehentwicklung bei Kindern spezialisiert. In den ersten Monaten spielt sich alles im Greifbereich des Kindes ab. Bald aber schon werden auch fernere Sehreize wahrgenommen: Das Mobile an der Decke fesselt die Aufmerksamkeit und die Mutter wird erkannt, wenn sie ins Zimmer kommt.

„Wie das Greifen mit den Händen, so muss auch das visuelle Greifen gelernt werden“, so Mahnke. Beide Augen müssen lernen, gemeinsam zu schauen und sich genau auf den betrachteten Gegenstand auszurichten. Das klappt im ersten Lebensjahr immer sicherer. Die Sehentwicklung geht Hand in Hand mit der Ausbildung von gezielten Bewegungen, körperlicher Geschicklichkeit und Balance.

Störungen in einem dieser Bereiche können sich entsprechend auch auf die Gesamtentwicklung des Kindes auswirken. „Achten Sie darauf, ob das Baby im Kreuzgang krabbelt“, so Mahnke. Bereits hierbei könnten sich Störungen bei der Vernetzung beider Gehirnhälften zeigen, die auch das Sehen betreffen können.

Augen und Gehirn müssen bis ins Grundschulalter hinein trainieren, um optimal Sehen zu lernen. „Unterbrechungen in der Sehentwicklung müssen frühzeitig erkannt und therapiert werden“, mahnt Mahnke.

Schielen ist nur ein Beispiel einer solchen Störung. Das abweichende Auge wird vom Gehirn quasi abgeschaltet, um Doppelbilder zu vermeiden. Wird nicht umgehend und konsequent behandelt, droht eine lebenslange Sehschwäche auf einem Auge. Ist erst das Schulalter erreicht, wird eine Therapie immer schwieriger oder ist gar nicht mehr möglich.

Leider werden frühkindliche Sehprobleme oft nicht erkannt. „Das liegt daran, dass die Bedeutung regelmäßiger Sehkontrollen nicht ernst genug genommen wird“, berichtet Mahnke. Selbst für Babys und Kleinstkinder gibt es Tests, die erfahrenen Spezialisten viel über die Sehfähigkeit verraten. Dabei sollten die teils sehr speziellen frühen Sehtests unbedingt beim Augenarzt durchgeführt werden.

Auch im Schulalter müssen die Augen weiter kontrolliert werden. Immer mehr Kinder entwickeln dann Kurzsichtigkeit. Besonders wenn es in die weiterführenden Schulen geht, schauen die Augen beim Lernen lange Zeit in die Nähe. In der Freizeit ist der Blick oft aufs Handy gerichtet. Auf Dauer kann das zu ansteigender Kurzsichtigkeit führen.

Wissenschaftler haben es mittlerweile nachgewiesen: Kinder, die viel im Freien spielen, sind weniger anfällig für Kurzsichtigkeit. Auch hier hat Marlies Mahnke Tipps. „Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu nah ans Heft oder das Handy ran geht“. Die richtige Sitzposition lässt sich leicht ermitteln. „Ellenbogen im Sitzen auf die Tischplatte aufstützen und die Faust an die Stirn legen. Dann passt der Abstand“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen