„Vorreiter einer ganzen Entwicklung“

Dieses Team hatte 1994 jede Menge zu tun: (v. re.) Peter Klenke, Dirk Feldhoff, Hans-Otto Witt und Frank Kröger waren die Männer der ersten Stunde bei der Übernahme des Stromnetzes.
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Dieses Team hatte 1994 jede Menge zu tun: (v. re.) Peter Klenke, Dirk Feldhoff, Hans-Otto Witt und Frank Kröger waren die Männer der ersten Stunde bei der Übernahme des Stromnetzes.

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30. Juni 2014, 16:53 Uhr

Der Strom kommt aus der Steckdose, heißt es im Volksmund auf die Frage, woher Volt und Co. eigentlich stammen. In Eutin lässt sich die Frage aber gründlicher beantworten. Denn vor genau 20 Jahren begann in Ostholsteins Kreisstadt ein neues Zeitalter in der Energieversorgung: Seit dem 1. Juli 1994 beziehen alle Eutiner Haushalte ihren Strom nicht mehr von einem überregionalen Unternehmen, sondern von den Eutiner Stadtwerken.

Nach siebenjähriger Vorbereitung, zähen Verhandlungen mit der damaligen Schleswag AG in Rendsburg und einmütigem Streben aller Fraktionen der Stadtvertretung begann damit eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. In seltener Eintracht feierten die Kommunalpolitiker seinerzeit die Übernahme der Stromversorgung als „historisches Ereignis“. Willy Wardeck (CDU), Heinz Welbers (SPD), Ralf Radloff (Grüne) waren die maßgeblichen Stadtvertreter bei den Verhandlungen; Peter Broer als Kämmerer spielte ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die Kommunalpolitiker revidierten damit einen Beschluss aus dem Jahr 1934, der immer stärker als „Fehlentscheidung“ kritisiert worden war. Lag nämlich die Belieferung mit Energie seit der Elektrifizierung Eutins um die Jahrhundertwende noch in Händen der Stadtwerke, hatten die Politiker die Stromsparte in den dreißiger Jahren an den Landesverband des Fürstentums Lübeck verkauft. Und zwar mit der Begründung, damit den Schuldenberg abzutragen, der sich als Folge der Weltwirtschaftskrise aufgetürmt hatte. Doch später wurde klar, dass der Stadt etliche Millionen Mark an Konzessionsabgaben verloren gingen – und so traten die Stadtvertreter in den späten 1980er Jahren den Kampf um den Rückkauf an. Einigkeit herrscht über alle Parteien hinweg darüber, dass die erstmals 1987 in der Eutiner Stadtvertretung präsenten Grünen den entscheidenden Anstoß dazu gegeben haben.

Der 1994 gerade einmal 29 Jahre alte Elektromeister Peter Klenke hatte seinen Dienst beim damaligen städtischen Eigenbetrieb nur drei Monate zuvor angetreten, da stand er schon vor einer riesigen Aufgabe: „Wir haben in einem Vierteljahr die gesamte Netztrennung vollzogen, die Zählerumstellung sichergestellt, Spezialwerkzeuge beschafft und Fahrzeuge besorgt“, berichtet der Mann der ersten Stunde heute nicht ohne Stolz. Die Stadtwerke hatten Klenke als Sachbereichsleiter für die Übernahme der Stromversorgung eingestellt, und er erledigte diese Aufgabe mit Bravour. „Wir hatten aber auch ein gutes Team“, betont er und berichtet gemeinsam mit Dirk Feldhoff, Hans-Otto Witt und Frank Kröger von jenen ebenso arbeitsreichen wie interessanten Tagen. Diese vier Männer waren seinerzeit in vorderster Linie an der Umstellung beteiligt – und sie alle arbeiten noch heute für die Stadtwerke Eutin GmbH (SWE).

Besonders stolz sind Klenke und seine Mitstreiter darauf, dass es ihnen in kurzer Zeit gelungen ist, die vorgefundenen Einrichtungen zu modernisieren: „So haben wir beispielsweise 15 Kilometer an Freileitungen im Stadtgebiet übernommen, von denen längst nichts mehr zu sehen ist. Oberirdische Leitungen sind immer ein Risikofaktor, weil sie Witterungseinflüssen ungeschützt ausgesetzt sind, also haben wir auf Erdkabel umgestellt.“ Damit längst nicht genug. Inzwischen verfügen die Stadtwerke über eine hochmoderne Warte, von wo aus alle Abläufe in Echtzeit kontrolliert werden können – Fehlerortung inklusive.

„Unser oberstes Ziel ist die Gewährleistung der Versorgungssicherheit“, sagt SWE-Geschäftsführer Marc Mißling. Durch kontinuierliche Investitionen in das Netz konnte die SWE einen hohen Standard erreichen, so Mißling. Nach dessen Einschätzung hat das Unternehmen 1994 den richtigen Weg eingeschlagen: „Es ist beeindruckend, was unsere Mitarbeiter damals als Vorreiter einer ganzen Entwicklung geschaffen haben.“ Heute werde das Thema einer Rekommunalisierung der Energieversorgung global diskutiert. „Wir haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten bewiesen, dass es hervorragend funktionieren kann“, sagt Mißling.

Und so wollen die Stadtwerke auch in Zukunft „auf breiterer Basis das fortsetzen, was unsere Vorgänger begonnen haben – auch wenn damit harte Auseinandersetzungen mit den Branchenriesen verbunden sein sollten“, sagt Mißling.

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