Vorentwurf für Hotel beschlossen

180-Grad-Blick auf das Gelände des ehemaligen Haus des Gastes an der Eutiner Stadtbucht.
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180-Grad-Blick auf das Gelände des ehemaligen Haus des Gastes an der Eutiner Stadtbucht.

Ein neunstufiges Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes für die Eutiner Stadtbucht ist im Ausschuss begonnen worden

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01. Februar 2018, 12:36 Uhr

Mit einer Mehrheit von sieben gegen vier Stimmen hat der Ausschuss für Stadtentwicklung am Donnerstagabend die Bauleitplanung für ein Hotel an der Stadtbucht auf den Weg gebracht. Nach einer teilweise turbulenten Diskussion im Sitzungssaal des Bauamtes vor gut 40 Zuhörern passierte ein Vorentwurf für eine Änderung des gültigen Bebauungsplanes (B-Plan) 73 den Ausschuss. Zwei Gegenstimmen kamen aus der SPD-Fraktion, eine von FDP-Vertreter Jens-Uwe Dankert und eine vom Freien Wähler Heinz Lange.

Gegen den Vorentwurf waren die Freien Wähler Eutin (FWE) schon im Vorfeld zu Felde gezogen, weil er nach ihrer Überzeugung der Beschluss für den Bau eines überdimensionierten Hotelklotzes bedeuten würde. Die Mehrheit im Ausschuss akzeptierte dagegen die Erläuterungen des Bürgermeisters Carsten Behnk.

Das Grundstück, auf dem bis zum Sommer 2017 das Haus des Gastes stand, liege in einem sehr sensiblen Bereich, stellte Behnk fest. Sowohl Bestimmungen des Landschaftsschutzes als auch ein 50 Meter breiter Uferschutzstreifen seien neben städtebaulichen und naturschutzrechtlichen Vorgaben zu beachten.

Das mehrheitlich von der Stadtvertretung verfolgte und von einem Bürgerentscheid unterstützte Ziel, auf dem Gelände einen Hotelbau zu ermöglichen, setze eine Änderung des B-Planes 73 voraus. Und in einem ersten Schritt solle mit einem Vorentwurf ermittelt werden, welche Gestaltungs- und Baumöglichkeiten es überhaupt gebe. In diesem Vorentwurf seien deshalb Baudimensionen beschrieben worden, die niemals ausgeschöpft würden.

Aber dieser Plan biete die Möglichkeit, bei übergeordneten Behörden und anderen Trägern öffentlicher Belange auszuloten, was machbar sei. Behnk: „Wir wollten einmal abklopfen, welchen Wert dieses Grundstück im Baurecht hat, was da möglich ist.“

Die Höhe der Bebauung in der Nachbarschaft und der Bäume im Umfeld lieferten die Vorgaben für die Größe eines Hotelbaues auf dem Grundstück, schilderte der Autor dieses Vorentwurfes, Raimund Weidlich vom Lübecker Planungsbüros Prokom. Danach wäre auf der Seite zur Riemannstraße hin ein fünfstöckiger Gebäudeteil mit 19 Metern Höhe denkbar gewesen und zum Seepark hin ein vierstöckiger mit 16 Metern Höhe.

Weidlich führte weiter den Verfahrensweg mit neun Schritten aus: Wenn die Stellungnahmen zu diesem Vorentwurf eingegangen seien, werde es einen Entwurf als Basis für einen Planungswettbewerb geben, dessen Ergebnisse wiederum in die Änderung des B-Planes einfließen sollten. Ausschuss, Stadtvertretung und Öffentlichkeit würden jeweils drei Mal an diesem Verfahren beteiligt.

Die Frage, ob dieser Vorentwurf mit der Gesellschaft „Die Ostholsteiner“ abgesprochen sei, die für den Bau eines Hotels auf dem Grundstück bereit steht, verneinte der Bürgermeister. Mit dem Bebauungsplan wolle die Stadt einen Hotelstandort entwickeln und nicht die Planung für einen bestimmten Investor machen – auch wenn die „Ostholsteiner“ mit einem sogenannten Anhandgabe-Vertrag den Vorteil haben, dass sie ihr Projekt in diesem Jahr entwickeln können, ohne einen Konkurrenten fürchten zu müssen.

Bei der Abstimmung votierten die drei CDU-Vertreter, die beiden Grünen sowie Uwe Tewes und Karlheinz Jepp von der SPD für den Vorentwurf, nachdem auf Antrag von Heiko Godow (CDU) die maximale Geschosszahl auf vier und eine maximale Höhe von 14,5 Metern reduziert worden war.

Klaus Kibbel und Dr. Udo Klussmann von der SPD waren die Dimensionen im Vorentwurf offenbar nicht geheuer, sie stimmten gegen den Vorentwurf. Klaus Kibbel deutete ein mangelndes Vertrauen darauf an, dass im Vorentwurf festgeschriebene Zahlen später tatsächlich noch reduziert werden.

Jens-Uwe Dankert (FDP) stimmte ohne Erklärung gegen den Vorentwurf, obwohl er zuvor betont hatte, dass die FDP ein Hotel an der Stadtbucht befürworte. Und Heinz Lange (FWE) nannte diesen Standort schlicht ungeeignet für ein Hotel. Er machte dafür vor allem Bedenken bei der Erschließung geltend, es gebe keinen ausreichenden Platz für Lieferverkehr oder Busse. Den Hinweis, dass solche Details erst sehr viel später ein Thema würden, ließ er nicht geltend: „Vorausschauende Planung bedeutet, dass man solche Dinge von Anfang an beachten muss.“

Der FWE-Vorsitzende Malte Tech hatte bei dem Versuch, den Vorentwurf als Weichenstellung für einen Monsterbau an der Stadtbucht zu charakterisieren, für Stimmung gesorgt, vor allem die Hartnäckigkeit bei seiner Weigerung, eine Höhenlinie in dem Vorentwurf als Oberkante zu interpretieren. Tech wörtlich: „Für mich als Architekten ist dieser Plan eine Beleidigung.“

Im Gegenzug attackierte CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Rachfahl die FWE wegen ihrer harschen Kritik an dem Vorentwurf vergangene Woche (wir berichteten). Von Sigrid Jürs verlangte Rachfahl eine öffentliche Entschuldigung für ihre Aussage, die Hotelbefürworter hätten bei der Verfolgung ihrer Ziele „das Blaue vom Himmel gelogen“. Die anwesende FWE-Vertreterin kam dieser Forderung nicht nach.

Teile der Beratung waren nicht zuletzt durch das hartnäckige Agieren Techs aufgeheizt worden, der zwar in dem Ausschuss keinen Sitz, aber als Stadtvertreter ein Rederecht hat. Vom Sitzungsleiter Heiko Godow erntete er nach penetranten Zwischenrufen auch schon mal die klare Aufforderung „Sie halten jetzt den Mund“. Und zwischenzeitlich kam Godow mit Blick auf seine Aufgabe als Sitzungsleiter zu der Feststellung: „Das ist wie vierspänniges Kutschfahren.“

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