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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 01:22 Uhr

Hasselburg : Vorbildliche Denkmalpflege belohnt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Herrenhaus auf Gut Hasselburg wurden Constantin Stahlberg und Vera Detlefsen mit dem Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet

shz.de von
erstellt am 05.Mär.2015 | 13:17 Uhr

„Ein Denkmal zu besitzen und es fachgerecht in Stand zu setzen, dazu braucht es Mut, Flexibilität und finanziellen Einsatz“, sagte Landeskonservator Michael Paarmann am Donnerstag auf Gut Hasselburg bei der Verleihung des Preises für Denkmalpflege. Weil Constantin Stahlberg und Vera Detlefsen in den Augen der Jury das Motto des Preises „Bauen und Bewahren“ unter allen Bewerbern am besten umgesetzt haben, wurden sie gestern im festlichen Ambiente vor rund 100 Gästen mit dem ersten und zweiten Platz geehrt.

Vera Detlefsen hat das „Kleine-Leute-Haus“ (Paarmann) an der Kleine Altefähre 17 in Lübeck zu neuem Leben erweckt. Eine kleine Anzeige in der Zeitung ließ die Architektin auf das Haus, in dem einst Schiffsingenieure und Stewards lebten, aufmerksam werden. Detlefsen: „Als ich es besichtigt habe, habe ich gesehen, dass es völlig verbaut war, aber so viel daraus zu machen ist.“ 2010 kaufte sie es mit ihrer Familie, 2011 stellte sie den Bauantrag „und 2013 zogen wir ein“. Was bedeutet es, in einem Denkmal zu leben? „Wir haben keine geraden Fußböden aber Originale, keine rechten Winkel, in den oberen Geschossen entsprechen die Deckenhöhen nicht der DIN-Norm. Aber wir haben Wandmalereien freilegen können, bemalte Deckenbalken entdeckt, alte Kochgefäße gefunden und Spielgeld aus Napoleons Zeit“, sagt sie mit strahlenden Augen. Viel Geld und Zeit sei in das Haus geflossen, parallel erforschte sie die Geschichte ihrer heutigen Bleibe. Detlefsen: „Als Haus ist es 1309 erstmals erwähnt, ab 1326 habe ich alle EIgentümer nahtlos ausfindig machen können.“ Auch beim Herunternehmen des Putzes an der Außenfassade konnten viele Veränderungen aus den verschiedensten Zeiten (Gotik, Renaissance und Klassizismus) wieder erkennbar gemacht werden, so Detlefsen. Der Landeskonservator lobt die Architektin, die heute mit ihrem Mann und Sohn darin lebt: „Ich habe es wirklich selten gesehen, dass sich die Besitzer ihrem Haus so unterordnen, wie sie es tun.“

Constantin Stahlberg hat sich mit dem Torhaus auf Gut Hasselburg (großes Foto)eines der größten und prächtigsten Torhäuser des Landes angenommen, wie Paarmann feststellte. Wo einst Pferde mit ihren Hintern die Balken schmal wetzten, können heute Besucher im Café bei einem Stück Kuchen Geschichte erleben. Paarmann: „Sie haben die Hasselburg zu einem Kulturgut gewandelt, die große Reetdachscheune als einen Konzertsaal wieder hergerichtet und gezeigt, dass unternehmerisches Denken und Denkmalschutz sehr wohl zusammen passen können.“ Constantin Stahlberg von der Stahlberg-Stiftung bedankte sich singend für den Preis – melodisch in Anlehnung an das neue Musical Cyrano, dass ab Sommer vor Ort präsentiert wird. Er kennt Hasselburg seit 25 Jahren – vor vier Jahren, so erzählt er, habe er dann angefangen sich für die Instandsetzung zu interessieren. „Als wir gemerkt haben, was alles zu tun ist, stand es kurz auf der Kippe, aber der Pflaumenkuchen von Heikedine Körting-Beurmann hat mich letztlich überzeugt“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Die Fundamente mussten nahezu alle ausgetauscht werden, die Feuchtigkeit durch
Paraffin-Verfahren aus dem alten Gemäuer von 1763 verbannt werden. „Durch die schlechten Fundamente waren die Mauern ganz schief, kein Balken im einstigen Pferdestall trug noch etwas. Wir brauchten eine komplett neue Statik“, sagt Stahlberg. Der Preis sei
eine Anerkennung für das, was er und andere geleistet haben, sagt Stahlberg.

 

 

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