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Vor Gericht: Schülerin erhält „Drogengeld“ zurück

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Manchmal offenbaren sich in Gerichtsverfahren abseits der Hauptsache Kleinigkeiten, die Kopfschütteln hervorrufen. Etwa gestern vor dem Eutiner Amtsgericht: Da weist die Amtsanwältin die Richterin in weiser Voraussicht extra daraufhin, sie solle die Zeugin vielleicht belehren, dass diese sich nicht selbst belasten müsse. Die Richterin erklärt der Zeugin daraufhin ausdrücklich, dass sie schweigen dürfe, wenn sie sich sonst selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen würde. Und was macht die Zeugin, eine 19-jährige Schülerin? Sie erklärt völlig arglos, sie habe dem Angeklagten 60 Euro gegeben, damit dieser ihr Marihuana besorge. Erst später dämmert der jungen Eutinerin, dass das vielleicht nicht so klug war. Besorgt fragt sie, ob ihr nun ein Verfahren drohe.

Die 60 Euro sind auch Auslöser des Gerichtsverfahrens. Der 23-jährige Angeklagte besorgt der Zeugin dafür zwar in Kiel Marihuana, raucht dies aber mit ein paar Freunden gleich selbst. Drogen weg, Geld auch. Daraufhin entwickelt sich zwischen den Beteiligten auf „Facebook“ ein heftiger Streit, der so weit eskaliert, dass die Zeugin mit ihrem Freund und einem weiteren befreundeten Pärchen bei dem Angeklagten zu Hause in der Plöner Straße auftaucht. Das passiert im Januar 2014, nachts gegen 23 Uhr.

Die angerückte Truppe traktiert den Schuldner so lange mit Anrufen, Klingeln und ans Fenster geworfenen Kieselsteinchen, bis er endlich rauskommt: Und zwar mit seinem 50-jährigen Vater, einem Dreher. Bewaffnet sind beide mit einem abgeschraubten Tischbein und einem Besenstiel – angeblich haben die Gegner Elektroschocker dabei, was diese vor Gericht bestreiten. Es kommt zu Handgreiflichkeiten, die Vater und Sohn auf die Anklagebank bringen – wegen gefährlicher Körperverletzung.

Gut zwei Stunden und sechs Zeugenvernehmungen dauert es, dann steht fest: Die Anklage lässt sich nicht erhärten. Zuerst stellt Amtsrichterin Katrin Leinen das Verfahren gegen den 23-Jährigen ein. Denn der sitzt zurzeit ohnehin eine dreieinhalbjährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Neumünster ab. Da würde das zu erwartende Strafmaß nicht weiter ins Gewicht fallen. Dann stellt das Gericht auch das Verfahren gegen seinen Vater ein. Sein Anwalt hätte sonst auf Freispruch bestanden, auch die Amtsanwältin ist für eine Einstellung.

Jenseits der juristischen Fragen bringt die Verhandlung aber doch ein klares Ergebnis: Die junge Zeugin, die um ihr Rauschmittel gebracht wurde, hat jetzt ihre 60 Euro wieder. Noch während der Verhandlung lässt es der angeklagte Sohn der Zeugin übergeben. Die zögert allerdings, das Geld anzunehmen. Der Verteidiger des Vaters hat ihr Angst gemacht. Schließlich handele es sich hier um „Drogengeld“. Ob der Schülerin noch strafrechtliche Konsequenzen drohen, bleibt indes offen.

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erstellt am 17.Mär.2015 | 12:49 Uhr

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