Vor dem Tintenfraß gerettet

Dr. Maike Manske von der Landesbibliothek (rechts) und Silke Gehring von der Voß-Gesellschaft mit einem Brief von Ernestine Voß. Die beiden Tischbein-Gemälde zeigen Johann Heinrich Voß und Ehefrau Ernestine. Das kleine Foto zeigt einen restaurierten Brief von Johann Heinrich Voß. Fotos: Dieter Suhr
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Dr. Maike Manske von der Landesbibliothek (rechts) und Silke Gehring von der Voß-Gesellschaft mit einem Brief von Ernestine Voß. Die beiden Tischbein-Gemälde zeigen Johann Heinrich Voß und Ehefrau Ernestine. Das kleine Foto zeigt einen restaurierten Brief von Johann Heinrich Voß. Fotos: Dieter Suhr

Briefe des Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voß und seiner Frau Ernestine wurden vor dem drohenden Verfall bewahrt

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14. August 2018, 16:15 Uhr

Seit 25 Jahren gibt es die Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft in Eutin. Das Vierteljahrhundert ist ein Grund zum Feiern. Aber es ist nicht der einzige Grund: In Zusammenarbeit mit der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek wurden jüngst knapp 300 Briefe des Philologen, Dichters und bedeutenden Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voß (1751–1826) und seiner Ehefrau Ernestine, geborene Boie, vor dem Tintenfraß gerettet.

Voß wurde nahe Waren an der Müritz geboren. Er hatte neben Stationen wie Göttingen, Wandsbek, Otterndorf oder auch Jena und Heidelberg von 1782 bis 1802 in Eutin gelebt und gewirkt, wobei die Jahre in Eutin laut dem Internet-Lexikon Wikipedia seine produktivste Zeit waren.


Wertvoller Nachlass

„Das Boie-Voß-Familienarchiv ist eines der ältesten und wertvollsten Nachlassbestände der Landesbibliothek“, wie Dr. Maike Manske von der Handschriftenabteilung erläuterte. Mit insgesamt 50 Archivkästen hält es deutschlandweit die größte Sammlung an Autographen der Familie Voß bereit. Kernstück sind die über 300 Braut- und Ehebriefe von Voß und seiner Gattin.

Silke Gehring, Vorsitzende der Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft, nannte die Sammlung „einen Schatz“, sowohl hinsichtlich des zeitlichen Umfangs und der Themenbereiche als auch der Intensität. Der Briefwechsel zwischen den Eheleuten Voß, aber auch der mit deren Kindern, geben nicht nur Einblicke in die Lebenssituation und Familienverhältnisse, sie sind auch eine wahre Fundgrube sowohl für Historiker als auch für Botaniker oder Meteorologen, wie Gehring betonte.


Tinte frisst Papier

Der Erhalt dieser historisch bedeutenden Briefe war durch den Tintenfraß seit Jahren bedroht, wie Maike Manske sagte. Tintenfraß entsteht bei der seinerzeit gebräuchlichen Eisengallustinte. Bei Reaktion des in der Tinte enthaltenen Eisenvitriols mit Luftinhaltsstoffen entsteht Schwefelsäure, die das Papier zerstört. Rückgängig machen kann man den Tintenfraß zwar nicht, aber man kann ihn durch waschen des Papiers mit demineralisiertem Wasser, durch puffern mit Calciumcarbonat, glätten und schließen der Löcher stoppen.

Vorgenommen wurden die Arbeiten durch den Lübecker Restaurator Boguslav Rades. Finanziert hat die Restaurierung, die mit 6000 Euro zu Buche schlug, größtenteils die Landesbibliothek Schleswig-Holstein. 1000 Euro steuerte die Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft aus Spendengeldern bei.

„Das besondere an Eutin war für Voß, dass er dort 20 Jahre eine gesicherte Stellung als Rektor der Schule hatte“, sagte Martin Grieger, stellvertretender Vorsitzender der Voß-Gesellschaft. Er führte an der Schule das wissenschaftliche Arbeiten ein und war auch der Erste, der im Unterricht das Nibelungenlied behandelte.

Für seine Zeit also war er durchaus als fortschrittlicher Lehrer zu bezeichnen, „der aber auch seine Grenzen kannte“, wie Grieger betonte. Und sowohl Voß als auch seine Ehefrau und ihre beiden Söhne schrieben Briefe – Briefe, die heute wertvolle und unwiederbringliche Einblicke in längst vergangene Zeiten geben.

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