Von wegen ewige Ruhe

Fast 100 Menschen waren zu der Gedenkstunde gekommen.
Fast 100 Menschen waren zu der Gedenkstunde gekommen.

Arbeitskreis 27. Januar in Eutin warb am Sonntag für die Aufwertung des Ehrenfriedhofs an der A 1

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26. November 2018, 13:36 Uhr

Das Problem ist unüberhörbar. Ganz besonders in dem Moment, als gerade einige Minuten des Schweigens gehalten werden und es doch nicht leise wird, weil sich der Lärm vorbeibrausender Autos ins Bewusstsein drängt. Auch die Regionalbahn ist schon durch. Auf dem Ehrenfriedhof für die 1128 Toten der „Cap Arcona“ und der „Thielbek“ in Haffkrug-Neukoppel scheint der Begriff der ewigen Ruhe nicht recht zu passen. Direkt an der A 1 gelegen, führt die Abfahrt zur B 76 um das Areal herum und auch das Bahngleis der Strecke Lübeck–Puttgarden ist in Sichtweite.

Der Arbeitskreis 27. Januar in Eutin, der sich die Erinnerung an die vielen Opfer des Nationalsozialismus zur Aufgabe gemacht hat und sich für mehr Geschichtsbewusstsein einsetzt, will etwas gegen den Krach unternehmen und warb am Sonntag für eine Aufwertung des Ehrenfriedhofs.

Vieles deutet daraufhin, dass sich die Lärmbelastung auf dem Ehrenfriedhof künftig eher noch erhöhen wird. Denn im Zuge der geplanten Festen Fehmarnbeltquerung sind zusätzliche Gleise für den Güterverkehr geplant, die ganz nahe am Friedhof verlaufen sollen. Deshalb formuliert Helmut Kurth, ehrenamtlicher Dorfvorsteher von Haffkrug und Mitglied im Arbeitskreis, eine klare Haltung: „Wir wenden uns in erster Linie gegen den schon bestehenden Lärm und dass noch weiterer Lärm auf die Ruhenden zukommt“, erklärte er am Rande einer Feierstunde, die unter dem Titel „Zukunft braucht Erinnerung“ auf dem Friedhof stattfand. Fast 100 Menschen waren gekommen, um an diesem Ewigkeitssonntag der Toten der Schiffskatastrophe zu gedenken und den Forderungen des Arbeitskreises Nachdruck zu verleihen.

Pastor i. R. Lutz Tamchina hatte zu Beginn der Gedenkstunde die Forderungen des Arbeitskreises formuliert, so etwa Lärmschutzmaßnahmen und ein „Pavillon der Stille“ mit Informationen zur Schiffskatastrophe. Außerdem setze sich der Arbeitskreis für einen größeren Parkplatz am Friedhof und aussagekräftige Hinweisschilder im Umfeld sowie bessere Zugänge für Fußgänger zum Friedhof ein.

Dr. Peter Wendt, Präses der Synode des Kirchenkreises Ostholstein, würdigte in den Einsatz des Arbeitskreises für eine lebendige Erinnerungsarbeit. „Diese soll uns davor schützen, wieder politischen Radikalismen anheim zu fallen“, so Wendt.


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