Von Varieté bis Barbershop-Musik

Voller Witz und mit warmer Herzlichkeit: Das Quartett „Ringmasters“, Barbershop-Weltmeister, konzertierten in Hasselburg.  Fotos: Rosemarie Schrick
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Voller Witz und mit warmer Herzlichkeit: Das Quartett „Ringmasters“, Barbershop-Weltmeister, konzertierten in Hasselburg. Fotos: Rosemarie Schrick

Großes Musikerlebnis am Wochenende beim Musikfest auf Gut Hasselburg / Zwei Wermutstropfen

shz.de von
23. Juli 2018, 09:35 Uhr

Vielfarbigkeit im Klang ist ein Markenzeichen des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals. Im Großen wie im Kleinen. Und so traf dies auch auf das Musikfest auf Gut Hasselburg am Wochenende zu. Sonnabend wie Sonntag gab es drei jeweils einstündige Konzerte junger Künstler, dazwischen eine Pause von knapp einer Stunde, in der draußen ein Picknick genossen werden konnte.

Den Auftakt machte das „Neo Slug Duo“: Leo Lorenz und Augustin Lipp, beide schon seit Kindertagen mit ihren Instrumenten vertraut und wiederholt ausgezeichnet, spielten an zwei Marimbas, darunter Stücke von Keiko Abe, die das Marimbaphon so veränderte, dass der entstandene größere Klangumfang auch ermöglicht, Bach zu interpretieren. Selten werden Solostücke auf diesem Instrument präsentiert und es scheint nicht leicht, die Spannung immer zu halten.

Violetta Khachikyan interpretierte am Flügel einfühlsam die Aufs und Abs der Stimmungen in den Humoresken von Kirchner und Schumann. Ihr Spiel bezauberte das Publikum mit einem Klang, der mal kraftvoll und ausdrucksvoll die Zuhörerschaft mitzog, dann wieder wie ein leichtes, weiches Tuch das Publikum zärtlich einhüllte.

Die „Ringmasters“ sind ein schwedisches Männerquartett, dessen Instrumente ausschließlich ihre schon früh geschulten und hervorragenden Stimmen sind, wenn man von dem Charme und dem Humor absieht, mit denen sie ihre perfekte Performance würzen, hatte vor Jahren beschlossen, Weltmeister im Barbershop-Gesang zu werden. Was für eine Idee! Es ist ihnen verdientermaßen gelungen. Ernsthaft im dunklen Anzug verbreiten Rasmus Krigström, Emanuel Roll, der all die Töne singt, die die anderen nicht singen, Jakob Stenberg und Martin Wahlgren mit den sehr speziellen Harmonien des Barbershop, die obendrein nicht einfach zu singen sind, eine Mischung aus guter Laune und Hochachtung. Tiefste Tiefe, hohe oder längste Töne singen sie mit solchem Vergnügen und ganzem Herz, dass man im Raum spüren kann, wie berührt die Zuhörer sind. Abends gab es dann noch Varieté, auf das schon ein Zauberer und eine Hula-Hoop-Artistin aufmerksam gemacht hatten.

Den Sonntag eröffneten die Brüder Wassily und Nicolai Gerassimez die Konzertreihe mit Cello und Flügel. Eigene Kompositionen spielt Wassily am liebsten und so genoss das Publikum die Experimentierfreude der beiden, als Nicolai dem Flügel mittels eines hölzernen Kleiderbügels und Büroklammern ganz neue Klänge entlockte, die man keinem Klavier zugeordnet hätte, oder Wassily sein Cello plötzlich quer wie eine Gitarre nahm. Sehr persönliche Stücke gab es, und die Freude am Zusammenspiel sprang auf das Publikum über, das von den beiden wunderbar veranlasst wurde, mit dem Applaus zu warten, bis wirklich der letzte Ton
ganz und gar verklungen war.

Mariam Batsashvili spielte am Flügel mit traumwandlerischer Sicherheit und Brillanz, dabei mit unnachahmlicher Präzision die schwierigsten Passagen. Besonders die Fantasie von Franz Liszt über Themen von Mozart und seine ungarische Rhapsodie ließen atemlos staunen.

Die siebenköpfige Klezmer-Gruppe „Yxalag“, andersherum gelesen Galaxy, fingen das Publikum mit fetzigem Rhythmus, den vor allem die drei Violinistinnen forcierten, der Klarinette, die so wehmütig klingen kann und so übermütig vergnügt und langes Halten eines Tones in verschiedenen Höhen und Tiefen ein. Gerne wurde am Ende mitgeklatscht.

Zwei Wermutstropfen gab es, die aber nicht in der Verantwortung der hervorragenden Musiker lagen. Eine Bitte für das nächste Mal wäre, es Rollstuhlfahrern zu ermöglichen, sich einen Kaffee oder etwas anderes an den dafür vorgesehen Ständen holen zu können. Eine andere gilt dem Publikum, das – so reich beschenkt mit so viel wunderbarer Musik und der Darbietung so großen Könnens – vielleicht genug Dankbarkeit entwickeln kann, um großzügig genug zu sein, nicht auf der Besetzung der Plätze durch Schals und ähnliche Platzhalter zu bestehen. Das würde das großartige Fest nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich perfekt machen.

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