Von Toleranz und bunten Meeren

Streng voneinander getrennt sind in Manfred Schlüters Buch das gelbe, rote und das blaue Meer.
Streng voneinander getrennt sind in Manfred Schlüters Buch das gelbe, rote und das blaue Meer.

Der Autor Manfred Schlüter las in der Süseler Grundschule aus seinem Buch „Der Die Das und Kunterbunt“

shz.de von
13. März 2017, 11:09 Uhr

Beinahe wäre der Autor und Zeichner Manfred Schlüter gar nicht dazu gekommen, den 46 Kindern vorzulesen. Erst löcherten die Erst- und Zweitklässler der Grundschule Süsel den Dithmarscher mit Fragen zu seinem Beruf. Und dann verirrte sich auch noch eine Blaumeise in den Klassenraum. Doch nachdem der kleine Vogel unter viel Anteilnahme gerettet worden war, ging es endlich los.

Dabei konnte sich Schlüter auf die gute Erinnerung
der Zweitklässler verlassen. Denn bereits im vergangenen Jahr war der Autor auf Vermittlung des Friedrich-Bödecker-Kreises in Süsel zu Gast und hatte damals ebenfalls aus dem Buch „Der Die Das und Kunterbunt“ gelesen. Also fragte er die Kinder immer wieder nach Details. Und die wussten noch, dass die roten Kreise im roten Meer besonders gut hören, die blauen Quadrate im blauen Meer besonders gut sehen und die gelben Dreiecke im gelben Meer besonders gut riechen können. Jeder lebt in seinem Meer und hat nur vor den andersartigen Angst. Alles hat seine Ordnung, eine Mischung ist nicht erwünscht. Doch dann verirrt sich ein kleines Blaues ins gelbe Meer, findet neue Freunde und wandert mit dem kleinen Roten und dem kleinen Gelben schließlich ins kunterbunte Meer aus.

„Es ist ein wunderschönes Meer, das in allen Farben leuchtet und in dem niemand Angst hat“, schilderte Schlüter. Außerdem sehe eine solche Welt auch viel fröhlicher aus, warb er für eine offene Gesellschaft voller Mitgefühl, Freundschaft und Toleranz.

Auf einen Jungen hatte Schlüters Besuch aus dem vergangenen Jahr offenbar nachhaltigen Eindruck gemacht: „Ich habe mir eine von den Zeichnungen abgeguckt“, berichtete er dem Autor und Zeichner, der bereits mit Michael Ende und Boy Lornsen arbeitete. Schlüter wurde kurz ernst, reichte dem Jungen die Hand und erwiderte: „Wir sind trotzdem Freunde.“ Aber wenn er so etwas mache, dann könne er schnell Ärger wegen eines Plagiates bekommen, erklärte er den Kindern hinterher.

Viele der Kinder könnten in einigen Jahren Schlüters Konkurrenz sein. Jedenfalls berichteten viele der Kinder sehr aufgeregt, dass sie auch schon eigene Bücher schrieben oder gerne Bilder zeichneten.

Mit dieser Unterstützung fiel es Schlüter auch nicht schwer, noch ein letztes Abschiedsbild zu zeichnen. Mit nur drei Farben und mit Beteiligung der Kinder entstand ein bunter Regenbogen, auf dem eine kleine Maus herunterrutscht.

Denn wie hatten die Süseler Grundschüler gerade erst gelernt: Kunterbunt ist wunderschön und viel fröhlicher.

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