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Eröffnung der Orgelwochen : Von schwebender Tonalität und massigem Pfeifenklang

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Leipziger Organist Stefan Engels eröffnete die 26. Internationalen Orgelwochen in der Eutiner St.-Michaelis-Kirche. Auf dem Programm standen Werke von Sigfrid Karg-Elert und Johann Sebastian Bach. Nicht immer konnte Engels überzeugen.

Ein Meister seines Faches spielte im ersten Konzert der diesjährigen, nunmehr 26. Internationalen Orgelwochen Eutin in der Kirche St. Michaelis. Stefan Engels aus Leipzig eröffnete am Mittwochabend mit Musik von Sigfrid Karg-Elert und Johann Sebastian Bach den Reigen von fünf Konzerten.

Als ausgewiesener Karg-Elert-Experte ist Engels für diesen, 1933 verstorbenen Tonkünstler, momentan das Maß aller Dinge. Er spielt alle Orgelwerke auf CD ein, wovon derzeit bereits zehn veröffentlicht wurden. Aus den 66 in den Jahren 1909 bis 1910 geschriebenen Choral-Improvisationen op. 65 stellte Engels nun neun Improvisationen vor, die in Farbe, Form und textdeutender Ausgestaltung handwerklich und satztechnisch ausgereift erscheinen. Harmonisch entfernt sich Karg-Elert gerne von den Grundharmonien, lässt die Tonalität schweben und damit den nach Halt suchenden Hörer lange im Ungewissen. Indes kam manches, trotz phantasievoller Einfälle über die vorgegebenen Melodien, jedoch sehr papiertheoretisch und gewollt daher, so, als ob er – zumindest in einigen Improvisationen – die freie Entfaltung der Musik der satztechnischen Strenge untergeordnet hätte.

Nach der Pause zog Engels mit Bach alle Register seines Könnens: zunächst in der toccatenähnlichen Fantasie G-Dur BWV 572, mit welchen er sich an die französischen Pièce d’orgue und mit den nicht häufig benutzten Satzbezeichnungen an bestimmte Gattungstraditionen gelehnt hatte. Engels registrierte die drei Sätze sehr robust, vollgriffig und brachte die schnellen Partien zum Teil virtuos zu Gehör. Präludium und Fuge d-Moll BWV 539 gestattete ihm dagegen kleine Ruhepunkte, als ob Engels tief Luft holen wollte vor dem Höhepunkt, dem finalen Stück. Doch zuvor wird dem einen oder anderen Hörer das markante Fugenthema bekannt gekommen sein, da Bach es bereits in der g-Moll-Sonate für Violine Solo BWV 1001 verwendete. Zuletzt erklang seine einzige Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582. Wer aber nun glaubte, Engels beginnt meditativ mit dem gewaltigen, achttaktigen Fugenthema im zwerchfellbebenden, brummenden 16-Fuß-Pedal, sah sich enttäuscht. Gekoppelte Oktaven mit Trompeten wie zum Jüngsten Gericht schmetterten, auch der Rest erschien bis auf wenige Stellen beinahe durchweg überregistriert und wehte sehr massig durch den Kirchenraum mit einem relativ raschen Tempo. So wirbelte der Leipziger Orgelprofessor das gesamte Werk akkurat und technisch überzeugend in nur einer guten Viertelstunde durch, wofür andere etwa 20 Minuten benötigen.


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erstellt am 23.Aug.2013 | 15:23 Uhr

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