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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 02:08 Uhr

Von Liensfeld nach Rio de Janeiro

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der 54-jährige Fregattenkapitän Volker Martin verlässt ein ländliches Dorf und wird Militärattaché in Brasilien / Die Familie kommt nach

von
erstellt am 19.Nov.2014 | 14:12 Uhr

Für Volker Martin aus Liensfeld gibt es künftig Feijoada-Eintopf unterm Zuckerhut in Rio de Janeiro statt Matjes mit Speck beim Original Liensfelder Lottoclub. Der 54-jährige Fregattenkapitän und mittlerweile eingefleischte Liensfelder wird Militärattaché in Brasilien. Dort lässt er künftig beim Karneval tausende bunt gekleidete Tänzerinnen an sich vorbei ziehen – in Liensfeld waren es bisher nur aufwendig restaurierte, alte Güldner- oder Deutz-Traktoren.

Volker Martin sitzt bereits auf gepackten Koffern. Heute heißt es Abschied nehmen. Der Offizier wird Diplomat.

Berufssoldaten und ihre Familien haben meist ein schweres Los: Sie müssen flexibel sein, alle zwei bis drei Jahre umziehen und den Wohnsitz ihrem Dienstort anpassen. Das mussten auch Volker Martin und seine Ehefrau Katja mit den Kindern Johanna Faye (17) und Jonathan Fritz (15) mehrfach. Doch als der Marineoffizier im August 2005 aus dem kleinen Wormersdorf bei Bonn als Lehrgruppenkommandeur A an die Marineunteroffiziersschule nach Plön versetzt wird, änderte sich das.

Die Familie kam nach
Liensfeld in der Gemeinde Bosau und bezog ein schmuckes Haus samt Pferdekoppel. Es war für zwei Jahre als Wohnsitz geplant. Doch trotz vieler Verwendungen – unter anderem in Genf, Hamburg, London und ein Einsatz im Nahen Osten – sind Volker Martin und seine Familie Liensfeld treu geblieben.

„Wir wurden hier 2005 sehr freundlich aufgenommen“, strahlen Katja und Volker Martin. Schon zwei Tage nach dem Einzug nahmen sie am Treffen des Sparclubs teil: „Moin, Moin, wir sind die Neuen“. Fünf Monate später zählte Katja Martin schon die wöchentlichen Einnahmen im Sparclub, später wird sie dessen Vorsitzende. Und Volker Martin wird im März 2006 gleich zum Dorfvorsteher als Nachfolger von Kerstin Schrameier gewählt.

„Ich dachte mir: 250 Einwohner hat Liensfeld. Das ist ja so viel wie die Besatzung einer Fregatte. Das kann ich schaffen“, schmunzelt Seefahrer Volker Martin.

Dann geht es ganz schnell: Ehefrau Katja tritt in die Freiwillige Feuerwehr Liensfeld-Kiekbusch ein, die beiden Kindern in die Jugendwehr. Die Pfadfindergruppe kommt hinzu. Volker Martin wird auch Feuerwehrmann. Beim Gemeindefeuerwehrfest in Braak-Klenzau fehlt den beiden Gruppen aus Liensfeld und Kiekbusch ein Mann. Als ständiger Zuschauer springt Volker Martin selbstverständlich ein, absolviert sogar noch einen Atemschutz-Lehrgang und versäumt kaum einen Übungsabend. Hinzu kommen Mitgliedschaft im Schützenverein oder das Amt als „Fregattenkapitän“ im Original Liensfelder Lottoclub.

„Wir sind hier total mit dem Dorf und seiner schönen Gegend verbunden“, gesteht Katja Martin. Sohn Jonathan Fritz sieht als Neu-Liensfelder schon als kleiner Butje die Geburt von Schweinen und Schafen oder rutscht mit der neuen Hose über den Misthaufen. Die Martins sind in Liensfeld „sesshaft“ geworden.

Dennoch entscheidet sich der Rat der Familie Martin für Brasilien. „Volker wollte sich von jedem Liensfelder persönlich an der Haustür verabschieden“, verrät Ehefrau Katja Martin. Sie organisierte vor einer Woche im Feuerwehrhaus eine Abschiedsparty, auf der reichlich Tränen flossen.

Doch jetzt sind die Koffer gepackt. Vier Jahre wird Volker Martin in Brasilien als Militärattaché bleiben. Seine Familie kommt im Sommer 2015 nach, weil Johanna Faye und Jonathan Fritz dann voraussichtlich ihre Schulabschlüsse in Eutin erreicht haben. In Brasilien werden sie an einer deutschen Schule die portugiesische Sprache lernen.

„Vor mir liegt in Rio de Janeiro ein zweimonatiger Vorbereitungskurs für eine sich anschließende achtmonatige Akademieausbildung“, blickt Volker Martin auf die brasilianische Flagge auf dem Tisch. Diese Ausbildung müssten alle künftigen Funktionsträger in hohen Verwendungen absolvieren. Dafür lernt Volker Martin auch Portugiesisch.

Es ist die Vorbereitung auf seine Arbeit in der Deutschen Botschaft in Brasiliens Hauptstadt Brasilia, die dort am 1. Januar 2016 beginnt und am 1. Januar 2019 endet. „Brasilien ist ein wachsender Markt. Es wurde dort Erdöl gefunden“, weiß der 54-jährige Fregattenkapitän, der in Brasilia vermutlich zum Kapitän zur See befördert wird.

Und wo ist Volker Martin im Frühjahr 2019? In Liensfeld? Da will sich der gebürtige Angeliter nicht festlegen.

Das Haus soll erst einmal vermietet werden. So haben die Martins im fernen Brasilien auf jeden Fall immer noch ein Standbein in Liensfeld. Und wer weiß: Vielleicht zieht es sie doch wieder zurück nach Liensfeld. Ein Traum von Volker Martin: Nach der Verwendung in Brasilien zum Ende seiner Laufbahn noch einmal Schulkommandeur der Marineunteroffiziersschule in Plön zu werden.

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