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Eine spannende Führung : Von Fledermäusen und Piraten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fremdenverkehrsverein Schönwalde öffnete den sagenumwobenen Fledermauskeller in Mönchneversdorf für Feriengäste

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2013 | 00:33 Uhr

Wenn Wilfried Hamer und Monika Grebien von einem Schloss mit einer im Keller eingemauerten Frau und einem Geheimgang erzählen, werden Kinderaugen größer. Aber keiner denkt daran, gleich das zweitgrößte Fledermausquartier im Land zu sehen.

Genau dazu lud der Fremdenverkehrsverein Schönwalde zum zweiten Mal in diesem Jahr nach Mönchneversdorf ein. Gekommen waren rund 70 Feriengäste und Vermieter. Bevor es in das Dunkel des alten Gewölbes hinunter ging, gab es ein paar Hintergründe, die den Abstieg noch gruseliger erscheinen ließen.

Bis 1932 gab es in Mönchneversdorf einen Gutshof von 500 Hektar Größe. Er lag auf einer Insel, die von zwei Seiten erreichbar war und in deren Mitte das Schloss stand. In dessen Gewölben endete damals der heute unmittelbar an der Landesstraße gelegene Kellereinstieg.

Im 17. Jahrhundert wurde im Schlosskeller eine allzu lebenslustige Schwester des Gutsherrn eingemauert, berichtet Wilfried Hamer über eine belegte Geschichte. Es war eine Strafe für ihr lasterhaftes Verhalten. Ihr Ehemann hatte jedoch 40 Mark im Jahr für ihre Versorgung in dem Verlies zu zahlen.

Nach dieser Erzählung fiebern die Kleinsten unter den Besuchern darauf, dass die Eisentür den Abstieg in den Fledermauskeller freigibt. Monika Grebien hat die Erlaubnis der betreuenden Oldenburger Kreisjägerschaft, zwischen März und Oktober Besucher durch das Winterquartier von geschätzten 200 Fledermäusen zu führen. Eine kalte, aber frostfreie Unterkunft ist selten und somit heiß begehrt bei den fliegenden Säugetieren.

Mit einer Lichtschranke zählen die Fachleute von der Arbeitsgruppe Fledermäuse des Naturschutzbundes (Nabu) Bad Segeberg die Aktivitäten am Einflugloch. In Mönchneversdorf finden sich Wasserfledermaus, Fransenfledermaus und Braunes Langohr.

An dem Abend kreiste eine einzelne Fledermäuse nur wenige Zentimetern über den Köpfen der Besucher. Den Keller, weit unter der Erde des Kronsberg, verdanken die Fledermäuse dem großen Durst nach Bier vergangener Generationen. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Mönchneversdorf Bier gebraut. Als der Keller des Schlosses nicht mehr groß genug war, grub man sich in den Berg. 1840 gebaut, brach der Absatz kurz darauf ein und aus dem Bierkeller wurde ein Eiskeller. Heute ist er voller Nisthilfen für die kleinen Säuger, die die ersten acht Wochen an der Mutterbrust verbringen, wie Monika Grebien erzählt. Im folgenden Sommer haben sie Zeit, die erfolgreiche Jagd mittels Ultraschall zu lernen.

Der Kronsberg ist seit 1995 im Besitz der Initiative „Pronatur“ des Landesjagdverbandes. Den Ursprung der Siedlung legten 1231 Mönche des Lübecker St.-Johannes-Klosters. Aus dieser Zeit stammt auch die Legende, die Wilfried Hamer zum Besten gab: Es soll rund 100 Jahre später einen Pakt zwischen den Mönchen und dem Seeräuber Störtebeker gegeben haben. Der Freibeuter habe einen Teil seines Schatzes in Mönchneversdorf versteckt und dafür Bier bekommen. Zwischen Hohwachter Bucht und Mönchneversdorf soll es einen unterirdischen Gang gegeben haben.

Hamer betont, er kenne einen Gang, der im Keller begonnen und Richtung Norden geführt habe. Nach wenigen Metern sei er aber mit Findlingen versperrt gewesen. Der Schwiegervater von Monika Grebien habe Steine mit einer Seilwinden herausgezogen, das Ende aber nicht erreicht, weil immer wieder neue den Weg versperrt hätten. Der Versuch, mit einem Bagger Zugang zu bekommen, sei wegen Einsturzgefahr abgebrochen worden.

Auf dem Truppenübungsplatz Putlos gebe es einen Keller, der auch einen Zugang zu einem versperrten Gang habe, erzählt Hamer...

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