Eutin : Von der Bewegung zur Meditation

Linkes Bein heben, rechten Arm strecken und umgekehrt: Mirjam Michaelis macht die Übungen vor und gibt Haltungstipps.
Linkes Bein heben, rechten Arm strecken und umgekehrt: Mirjam Michaelis macht die Übungen vor und gibt Haltungstipps.

Mit Yoga auf dem Stuhl hat Mirjam Michaelis schneller Erfolg, als die Scharbeutzerin erwartet hat.

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15. Oktober 2018, 17:01 Uhr

Einatmen – und wieder ausatmen. Das Atmen sei beim Yoga das A und O, sagt Mirjam Michaelis. Die Yoga-Lehrerin unterrichtet seit April Senioren in der Indischen Gesundheitslehre. Dafür ist die gelernte Altenpflegerin in Kliniken, Reha-Einrichtungen und Sportvereinen unterwegs. Ihre Angebote kämen an. Nach noch nicht einmal einem Jahr habe sie bereits das Zwei-Jahres-Ziel erreicht, sagt Michaelis, die der Erfolg selbst überrascht.

Yoga-Kurse gehören inzwischen zu den Klassikern von Gesundheitsangeboten. Die von Mirjam Michaelis verbinden allerdings eine Besonderheit: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brauchen keine Matte und kein Kissen für ihre Übungen. Die älteren Frauen und Männer absolvieren alle Übungen auf einem Stuhl sitzend.

In ihren Kursen für ältere Menschen gehe es nicht um Hochleistung und möglichst große Dehnung oder viele Wiederholungen. „Die Menschen sollen sich wohlfühlen und nach den Übungen besser bewegen können“, sagt Mirjam Michaelis. Ihrem Anspruch wird die 41-Jährige Ostholsteinerin anscheinend gerecht. Sie habe bereits viele positive Reaktionen erhalten. Die Menschen kämen wieder.

Zu ihnen gehört Heidi Nölte. Die 77 Jahre alte Eutinerin besucht zum dritten Mal ein Angebot in der Tagesklinik des St.-Elisabeth-Krankenhauses in Eutin. „Ich finde es entspannend. Danach geht es mir, trotz meiner Schmerzen, gut“, sagt sie und ergänzt, dass man sich konzentrieren müsse. An dem Vormittag überwiegt der Anteil der männlichen Besucher. Fast alle machten in den Wochen zuvor schon mit.

Es gehe beim Yoga um Achtsamkeit, die Selbstliebe. Die fänden die Teilnehmer nur entspannt und in Ruhe. Das große Interesse an ihren Kursen erklärt Mirjam Michaelis: „Das Leben ist so schnell geworden, dass wir Dinge brauchen, die uns beruhigen.“ Yoga verbinde Entspannung mit körperlicher Betätigung. „Das trägt zum Ruhig werden bei.“ Der Wechsel von Anspannung und Entspannung in der Bewegung sei Meditation.

Mirjam Michaelis fand wegen einer persönlichen Krise zu ihrer neuen Beschäftigung. Ihre Erfahrung als Altenpflegerin sei von Vorteil, unabhängig davon habe sie von jeher einen guten Draht zu älteren Menschen. Noch könne sie von ihren acht Kursen wöchentlich nicht leben, peile das aber an. Ob Yoga auf dem Stuhl dabei die einzige Einnahmequelle bleiben wird, wisse sie noch nicht. „Mit ihm bin ich in der Kürze der Zeit erfolgreicher geworden, als gedacht. Ich hoffe, dass es so weitergeht.“

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