Vom Stamme „Nimm“

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11. April 2014, 15:48 Uhr

Arztbesuche und der damit verbundene Aufenthalt im Wartezimmer sind selten ein Vergnügen. Was mir neulich widerfahren ist, wäre indes eine gute Vorbereitung auf eine schmerzhafte Behandlung gewesen.

Im Raum: Außer mir nur zwei ältere Damen. Beide seit vielen Jahren in Ostholstein wohnend, ursprünglich aber aus Berlin und dem Rheinland stammend – was ich im lautstarken Dialog erfahre, wegen des Akzents aber auch so gewusst hätte. Im Duell „Wer kann länger reden, ohne zu atmen“ scheitert mein Versuch, mich auf die Lektüre in einem Magazin zu konzentrieren. Das Duell der Worthülsen gewinnt unterdes eindeutig das Rheinland-Gewächs.

So darf ich die halbe Lebens- und Krankheitsgeschichte erfahren („Mein Mann setzt mich immer nur ab und holt mich wieder; er sagt, er hat so viel Zeit im Krankenhaus verbracht, dass er mich nicht mehr begleiten will“), bevor es an die unvermeidliche Politik geht: Alle Politiker taugten nichts. In der Regierung säßen nur alte Menschen. Da müssten doch mal jüngere ran, nicht nur die „alten Säcke“. Die Kanzlerin sei eine „Sabbeltante“. Und weiter: „Wir werden nur noch von Leuten aus dem Osten regiert.“ Ja, man habe auch entfernte Verwandtschaft im Osten. Und die, so die Dame aus dem Rheinland bestimmt, „haben immer dem Stamme Nimm angehört, wissen Sie, was ich meine?“

Was für eine Erlösung, als es heißt „Der nächste bitte“ – und ich damit gemeint bin.

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