zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 03:58 Uhr

Vom Polizeichef zum Drehorgelspieler

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Harald Kripgans und seine Frau Carola aus Malente erfüllten sich einen Traum

Als einer der ranghöchsten und angesehensten Polizeibeamten in Schleswig-Holstein drehte Harald Kripgans viele Jahre am großen Rad. Bis zu seiner Pensionierung 2012 war der 64-Jährige sogar stellvertretender Chef des Landespolizeiamtes in Kiel. Seit eineinhalb Jahren dreht der ehemalige Schutzpolizist nun die kleine Kurbel einer Drehorgel. Mit dem Kauf dieses Musikinstruments erfüllten sich Kripgans und seine Ehefrau Carola im vergangenen Jahr einen Traum.

Bekleidet mit einer auffälligen knallroten Weste und weißem Hemd stellen sich die Malenter Eheleute mit ihrer schmucken, von einer Malerin nach ihren Vorgaben handbemalten Drehorgel für karitative Zwecke zur Verfügung, zuletzt anlässlich der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Eutiner Tafel (der OHA berichtete).

Im Januar vergangenen Jahres kauften sich beide die 50 Kilogramm schwere Drehorgel des am Bodensee ansässigen Herstellers „Raffin“. Nach den Jahrzehnten bei der Polizei mit unzähligen Belastungen und Konflikten, die Kripgans in seiner Führungsfunktion habe tragen und lösen müssen, sei es ihm wichtig gewesen, im Ruhestand genau das zu tun, was ihm Freude mache. Eine schwere Erkrankung des ehemaligen Leiters der PD AFB unmittelbar nach seiner Pensionierung habe jedoch zunächst alle Pläne des Ehepaars über den Haufen geworfen. Nach dem diese jedoch überwunden worden war, konnten die Pläne mit der Drehorgel dann doch endlich erfüllt werden.

Eine Fernsehsendung über alte Handwerke, bei der auch die Drehorgelmanufaktur des Orgelbaumeisters Josef Raffin gezeigt worden sei, habe vor einigen Jahren das Interesse des Ehepaars an dem vor allem in Berlin, im Süden Deutschlands und der Schweiz verbreiteten Musikinstrument geweckt. Es folgte eine Besichtigung der Herstellerfirma in Überlingen und der Besuch eines Promenaden-Konzerts des ehemaligen Firmenchefs. „Der unglaubliche schöne Klang dieser Orgel ließ uns seither nicht mehr los“, erzählt der ehemalige Leitende Polizeidirektor begeistert.

„Es ist erfüllend für uns, wenn wir anderen Menschen mit unserer Musik Freude schenken und ihren Alltag und Sorgen vergessen lassen“, beschreibt Harald Kripgans die Gefühls- und Motivationslage der beiden bei ihren gemeinsamen Auftritten.

Zu festen Regelterminen gehören inzwischen Besuche der Altenpflegeheime Ruhleben in Bösdorf und des DRK in der Eutiner Waldstraße. Die warmen, schwebenden und schwingenden Klänge ihrer Drehorgel zeigten gerade hier oft überraschende Wirkungen. „Meine Frau und ich sind immer gerührt, wenn wir erleben, dass sogar Demenzkranke aufmerksam den Klängen unserer Musik lauschen, mit den Füßen wippen oder sogar mitsingen“, erklärt Kripgans.

Bislang waren es rund 30 Auftritte, die Carola und Harald Kripgans mit der alles in allem rund 15  000 Euro teuren Original-Konzert-Drehorgel, die über 80 Tonstufen und 78 Pfeifen verfügt, absolvierten. Und das Musikrepertoire ist fast grenzenlos: Von Kirchen- über Volks-, Wander- und Weihnachtslieder bis hin zu klassischer Musik, Serenaden, Schlagern, Walzern und Stimmungsliedern.
Besonders wichtig: Die beiden Eheleute spielen mit ihrer Drehorgel grundsätzlich unentgeltlich und überwiegend für wohltätige Zwecke. Wo es angebracht sei, würde jedoch für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit dem Spendenschiffchen gesammelt, so Kripgans.

„Bis zum Jahresende werden es insgesamt um die 50 Veranstaltungen sein, die wir besucht haben werden“, berichtet der 64-Jährige dem OHA. Dazu gehören auch sieben Darbietungen bei der Landesgartenschau am „Garten am frischen Wasser“ des Kirchenkreises Ostholstein. Für Zusammenkünfte jeglicher Art von sozialen und gemeinnützigen Vereinen und Organisationen, christlichen Kirchen und ihre Einrichtungen sowie in Krankenhäusern oder Heimen, aber auch zu privaten Anlässen, können Carola und Harald Kripgans gebucht werden.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen