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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 05:12 Uhr

Winter : Voller Einsatz gegen glatte Straßen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rolf Schlünzen vom Eutiner Winterdienst ist in dieser Woche besonders gefragt – jederzeit kann er zur Arbeit gerufen werden

Es ist 18.25 Uhr. Ich befinde mich auf dem Rückweg von einem Ausschuss-Termin in Malente und freue mich auf den nahenden Feierabend, als es plötzlich auf meinem Smartphone klingelt. „Unser Kontrolleur hat Glätte festgestellt. Ich muss nochmal rausfahren“, ertönt es am anderen Ende der Leitung. Es ist Rolf Schlünzen vom Eutiner Winterdienst, der mich an diesem Abend auf seine Tour mitnehmen wird. An Feierabend ist jetzt nicht mehr zu denken. Statt direkt nach Hause zu fahren, steuere ich den Bauhof im Meinsdorfer Weg an, wo der Winterdienst seine Depots hat. Unterwegs trete ich beim Losfahren an einer Ampel etwas stärker aufs Gas, die Reifen drehen durch – es ist tatsächlich glatt.

Angekommen auf dem Bauhof erwartet mich Schlünzen schon. Er trägt ein orangene Arbeitsjacke mit Reflektoren, durch die er schon von Weitem gut zu sehen ist. „Wir fahren gleich alle Hauptstraßen, Buslinien und die Ein- und Ausfallstraßen in Eutin ab“, sagt der 62-Jährige. Sein Räumfahrzeug hat Schlünzen bereits in Position und betankt es vor einem weißen Silo mit flüssiger Lauge. „Sie sorgt dafür, dass das Trockensalz besser auf der Straße haftet“, erklärt er. Innerhalb weniger Minuten ist der Tank gefüllt, gekonnt wickelt der Räumfahrer den Schlauch auf. Es kann losgehen.

„Ich hatte es mir gerade auf dem Sofa bequem gemacht, da rief mich unser Kontrolleur an“, sagt Schlünzen. In seinem Beruf ist Flexibilität gefragt, der Winterdienst kann zu jeder Uhrzeit ausgerufen werden. Er arbeitet deshalb im Schichtsystem und wechselt sich jede Woche mit einem Kollegen ab, um genug Erholungszeiten zu haben. Diese sind auch dringend notwendig, schließlich kann ein Arbeitstag bei dichtem Schneetreiben und Eisglätte gerne auch einmal 15 Stunden dauern. „Ich war heute morgen bereits von 4 bis 13.30 Uhr unterwegs.“ Konzentrationsschwächen kann sich Schlünzen in seinem Beruf nicht leisten. Mit Ladung wiegt das Fahrzeug bis zu 18 Tonnen, der breite Schneepflug erschwert das Fahren zusätzlich.

„Ich muss immer im Rückspiegel gucken, ob der Streuer richtig arbeitet“, sagt Schlünzen. Bereits seit 23 Jahren arbeitet er für den Eutiner Winterdienst. „Ich bin zuerst mit der Fußtruppe unterwegs gewesen und dann langsam aufgestiegen.“ Sein Fahrzeug kennt er mittlerweile ganz genau, enge Straßen und Wendekreise bereiten ihm schon lange keine Probleme mehr. Da kein Schnee gefallen ist und die Straße lediglich gestreut werden muss, dauert die Tour heute nur halb so lang. „Ich schätze zwei bis drei Stunden“, sagt Schlünzen. Mit normalem Tempo fährt er durch die Straßen Eutins, schaut immer wieder in den Rückspiegel und stellt mit der rechten Hand an einem kleinen Computer den Streuradius ein.

Auch nach über 20 Jahren bereitet ihm die Arbeit im Winterdienst noch viel Freude. „Sonst würde ich das auch nicht machen.“ Keinen Hehl macht er jedoch daraus, dass die vergangenen Winter an die Substanz gegangen sind. „Die letzten Jahre waren schon sehr extrem.“ Besonders die Arbeit in den frühen Morgenstunden hätte es in sich. „Wenn um 4 Uhr das Telefon klingelt, ist man richtig erstarrt und steht senkrecht im Bett.“ Dann heißt es: Kurz waschen, schnell anziehen und ab zur Arbeit. Spätestens um 5.30 Uhr, wenn der Berufsverkehr langsam einsetzt, müssen die Straßen weitestgehend frei sein.

Ein mulmiges Gefühl hat Schlünzen immer dann, wenn Eisregen herrscht. „Da driftet man auf schrägen Straßen schnell ab.“ Doch es gibt auch die schönen Seiten, welche die Arbeit mit sich bringt. „Hier saß im vergangenen Winter eine Frau mit ihrem Wagen fest“, erklärt Schlünzen und bahnt sich mit dem Räumfahrzeug langsam den Weg durch die Bergstraße. Mit einem Hand-Schneefeger habe er ihr den Weg freiräumen müssen. Der Plan ging auf, nach einigen Mühen konnte die Frau ihre Fahrt fortsetzen. „Das war schon toll“, erinnert er sich.

Inzwischen haben die Temperaturen etwas angezogen. Die Anzeige in Schlünzens Fahrerkabine weist Plusgrade aus. Der Bauhof ist nicht mehr weit entfernt. Schon in wenigen Stunden könnte der Mann vom Winterdienst wieder in seiner Fahrkabine sitzen, um die Straßen in Eutin sicher zu machen. „Das wird noch eine arbeitsreiche Woche“, ist sich Schlünzen sicher. Der Wetterbericht sagt auch für die kommenden Tage Schnee und Eis voraus. Nach 54 Kilometern und zwei Stunden endet unsere Tour wieder am Depot. Ich habe nun endgültig Feierabend und Schlünzen auch – bis der Kontrolleur wieder klingelt.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 00:33 Uhr

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