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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 16:31 Uhr

Vogelgrippe: Habeck ermahnt Sager

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Keine Wildvogel-Probe aus Ostholstein ist bisher im Landeslabor gelandet / Das Umweltministerium reagiert schriftlich und verständnislos

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 13:45 Uhr

Seit Anfang November hat die Geflügelpest Schleswig-Holstein fest im Griff. Noch immer gibt es zehn Sperr- und sechs Beobachtungsgebiete für Wildvögel im Land. Kreise und kreisfreie Städte aus dem ganzen Land schickten in den vergangenen Wochen insgesamt 600 Proben von Wildvögeln zur Untersuchung an das Landeslabor – mit Ausnahme des Kreises Ostholstein.

Anlass genug für Umweltminister Robert Habeck, Landrat Reinhard Sager schriftlich an die Pflichten des Kreises zu erinnern: „Sehr geehrter Herr Landrat, ich bitte Sie, Ihren Beitrag zu leisten, um auf Grundlage aktueller Untersuchungsergebnisse eine Bewertung der getroffenen Maßnahmen durchführen zu können und eine einheitliche Linie in der Geflügelpestbekämpfung umzusetzen.“ Die Bekämpfung des Virus H5N8 fordere alle Beteiligten in hohem Maße, betonte Habeck in seinem Brief an den Landrat. Die Mitarbeiter der Kreise und kreisfreien Städte leisteten „mit Können und Ausdauer seit Monaten sehr gute Arbeit und setzen die Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung um, die auf einem europäischen Rechtsrahmen basiert.“

Warum hat der Kreis Ostholstein bislang keine Proben von Wildvögeln zum Landeslabor nach Neumünster gesendet? – Fehler in der Umsetzung des ministeriellen Erlasses seien der Grund gewesen, erklärte Carina Leonhardt, Pressesprecherin des Kreises Ostholstein. Die so genannte Beprobung der aufgefundenen Tiere sollte zu Beginn der Ausbreitung der Geflügelpest – so die Erklärung von Carina Leonhardt – „nur bei vermehrter lokaler und zeitlicher Häufung von Totfunden“ geschehen. Auffällige Häufungen seien Funde von Vögeln in großer Zahl, die auf eine infektiöse Todesursache hindeuteten. Die Pressesprecherin betonte, dass einzelne verendete Tiere, wie sie jahreszeitlich bedingt auftreten, nicht dazu zählten – ebenso wie „Fälle, die auf ein Verunfallen eines Tieres schließen lassen“. Darum habe das Schreiben des Umweltministers den Kreis, so Leonhardt, überraschend erreicht. „Es wurde umgehend auf das Schreiben des Ministeriums reagiert und die Ordnungsämter informiert, entsprechend vorzugehen und alle gefundenen, verendeten Wildvögel zur Beprobung anzumelden.“

Anlass zur Diskussion über den Umgang mit der Vogelseuche hatte Kreisveterinär Dr. Wolf Vogelreuter Anfang Februar bei einer Versammlung des Bauernverbandes geliefert (wir berichteten). Hier hatte Vogelreuter Zweifel an der Zweckmäßigkeit von Sperr- und Beobachtungsgebieten als sinnvolle Bekämpfungsinstrumente der Vogelgrippe angemeldet. Einen Beobachtungsradius von bis zu drei Kilometern um den Fundort eines infizierten Wildvogels zu ziehen, ist aus Sicht des Kreisveterinärs eine kurzsichtige Schutzmaßnahme, hätten diese Tiere immerhin unter Umständen bereits mehrere tausend Kilometer Flug hinter sich.

In seinem Brief reagiert Robert Habeck auf die von Vogelreuter geäußerten Einwände: „Den Äußerungen des Kreises Ostholstein zur Einschleppung des H5N8-Virus sowie der Bildung von Restriktionszonen nach Feststellungen bei Wildvögeln liegen unzutreffende fachliche Annahmen zu Grunde“, heißt es in dem Schreiben an Landrat Reinhard Sager. Außerdem: „Die in den letzten Tagen über die Medien wiedergegebene Meinung des Kreises Ostholstein über Zweifel an der Bekämpfungsstrategie stellt die engagierte Tierseuchenbekämpfung in den anderen Kreisen und kreisfreien Städten in Frage und verunsichert die Tierhalter und die Bevölkerung.“ Carina Leonhardt sagte dazu, der Kreis Ostholstein vertrete keine andere Auffassung als das Land in Bezug auf die Bekämpfung der aktuellen Situation und die entsprechenden Anordnungen. Es habe auch keine anderslautende Anordnung seitens des Kreises gegeben, die eine Erprobung von verdächtigen Fundtieren untersagt hätten, versicherte Leonhardt.

Und auch Kreisveterinär Wolf Vogelreuter äußerte sich im gestrigen Kreis-Sozialausschuss nochmals zum Thema: „Es tut mir persönlich sehr leid und sehr weh, dass dem Kreis Ostholstein unterstellt wird, er würde sich gegen
die Bekämpfungsmaßnahmen des Landes stellen.“ Vogelreuter stellte klar, er habe während seines Vortrages vor dem Bauernverband lediglich an der Verständlichkeit der Regularien von Sperr- und Beobachtungsgebieten gezweifelt: „Die Regeln sind sehr komplex und unterschiedlich ,je nachdem, ob es sich um einen Wildvogel- oder Nutzgeflügelbestand handelt. Das ist schwer nach außen zu vermitteln.“

Für das weitere Vorgehen des Kreises kündigte die Pressesprecherin an: „Es sollen jetzt auch Einzeltierfunde bestimmter Arten beprobt werden.“ Dazu zählten Wasservögel, Schwäne, Möwen, Greifvögel, Rabenvögel sowie wilde Hühnervögel – etwa Fasane.„Die Proben sollen das gesamte Kreisgebiet abdecken und einen repräsentativen Charakter haben“, sagte Leonhardt.

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