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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 18:38 Uhr

Villa weicht sozialem Wohnungsbau

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Birgit und Ralf Runge wollen auf dem Grundstück der ehemaligen Villa Bade bis Herbst 2018 elf Wohnungen für Bedürftige bauen

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 14:57 Uhr

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, der Bestand an Sozialwohnungen in den vergangenen Jahren landesweit stark gesunken. Das sieht auch in Malente nicht anders aus, weiß Birgit Runge, Inhaberin von „Immobilien Runge“. „Es gibt so gut wie keinen sozialen Wohnungsbau im Ort“, sagt die Maklerin. Rund 250 eigene und fremde Wohnungen verwalte ihr Unternehmen, Sozialwohnungen seien nicht darunter. Doch das soll sich ändern. Denn dort, wo bis vor wenigen Tagen die sogenannte Villa Bade stand, sollen spätestens bis Herbst 2018 elf neue Sozialwohnungen entstehen – in der Hindenburgallee in unmittelbarer Nachbarschaft zum Firmensitz und direkt an der Schwentine.

„Von der Politik wird immer gesagt, es müsse bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, da haben wir gesagt, das gehen wir jetzt mal an“, sagt die 50-Jährige, die das Projekt privat gemeinsam mit ihrem Bruder Ralf Runge stemmt. Nachgefragt würden Sozialwohnungen nicht nur von Hartz-IV-Empfängern, sondern auch von Rentnern, Menschen mit geringem Einkommen oder Alleinerziehenden.

Das Grundstück sei durchaus ansprechend. „Die Leute finden die zentrale Lage attraktiv, wir hätten das auch normal vermieten können.“ Rund 1,7 Millionen Euro investieren die Geschwister in das Projekt, das die Investitionsbank Schleswig-Holstein mit einem zinsgünstigen Kredit fördert. In der Summe enthalten sind der Kaufpreis des Grundstücks, der Abriss der Villa und eine bereits erfolgte Waldanpflanzung in Neversfelde. Die war notwendig als Ausgleich für die Rodung des üppigen Baumbestands auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück. „Dafür mussten wir das Doppelte wieder aufforsten“, berichtet Birgit Runge.

Das Gebäude, das vom Malenter Unternehmen „Dose und Sohn“ errichtet wird, soll nicht viel größer als die Villa Bade werden, abgesehen von einem Seitentrakt. Geplant sind drei Vollgeschosse mit Walmdach. Die Fassade wird weiß mit grauen Nuancen verblendet, für die Fensterrahmen ist ein dunkles Grau vorgesehen. Die Größe der Wohnungen liegt zwischen 39 und 75 Quadratmetern, geplant sind fünf Single-Wohnungen sowie zwei Wohnungen für mindestens zwei und vier für mindestens drei Personen. Alle Wohnungen seien mit Balkon oder Terrasse ausgestattet, betont Birgit Runge. Das sei im sozialen Wohnungsbau vorgeschrieben, ebenso wie etwa eine automatische Be- und Entlüftungsanlage, eine Solaranlage und dreifach verglaste Fenster. Die Wohnungen im Erdgeschoss seien barrierefrei, die im ersten und zweiten Stock per Fahrstuhl zu erreichen und barrierearm, womit ebenfalls eine Anforderung des sozialen Wohnungsbaus umgesetzt werde.

Im Gegenzug zur Förderung ist die Miethöhe für 35 Jahre begrenzt. In den ersten vier Jahren liege die Kaltmiete bei 5,20 Euro pro Quadratmeter, danach dürfe sie alle drei Jahre um sechs Prozent steigen. Damit sei das Bauvorhaben nichts für eine kurzfristig hohe Renditeerwartung. „Wenn die Mietpreisbindung ausläuft, bin ich 85“, sagt Birgit Runge lachend. Das sei eher etwas, von dem ihre Tochter einmal profitieren werde, die jetzt elf Jahre alt sei.

Die Villa Bade gehörte einst dem Arzt Dr. Peter Bade (1872  -  1956), der sich durch seine Leistungen auf dem Gebiet der Orthopädie einen Namen gemacht hatte. Das marode Gebäude zu erhalten, sei keine Option gewesen, sagt Birgit Runge. „Man hätte unverhältnismäßig viel investieren müssen, und das hätte auch keine Bank finanziert.“ Und Sozialwohnungen hätten sich in der Villa auch nicht verwirklichen lassen.

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