Eutin : Vier Tage Probezeit – Teenager im Elternstress

Elternsein üben Sofie und Finja (v.l.) im Kurs mit Daniela le Grand und Mieke mit Arne.
Elternsein üben Sofie und Finja (v.l.) im Kurs mit Daniela le Grand und Mieke mit Arne.

Achtklässler der Wilhelm-Wisser-Schule nehmen an einem Projekt mit Baby-Simulatoren teil.

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02. Juni 2015, 16:45 Uhr

„Oh nein, es schreit!“, sagt Mieke (14) leicht verzweifelt, als das Baby auf ihrem Arm plötzlich Laute von sich gibt, während sie sich für ein Foto positioniert. Mieke und ihr Freund Arne sind seit gestern „Eltern auf Probe“. Zusammen mit fünf anderen Paaren müssen sich die Achtklässler der Wilhelm-Wisser-Schule bis einschließlich Donnerstagmittag um die Baby-Simulatoren kümmern – rund um die Uhr.

„Wir wollten einfach mal schauen, wie es wäre, jetzt schon ein Kind zu haben“, sagen die beiden. Eine Option sei es jetzt jedoch nicht, sie wollten nur Erfahrungen sammeln. Und genau das sei es, worum es beim Projekt „Eltern auf Probe“ geht, erklärt die Leiterin Daniela le Grand. „Es geht hier nicht um die Abschreckung vor einem Kind, sondern darum, ein realistisches Bild zu vermitteln, was es bedeutet, ein Kind zu haben, und was alles dazu gehört.“ Serien von Teenie-Müttern und -Eltern zu sehen, kläre noch lange nicht über die Verantwortung auf, die Menschen ein Leben lang für das Kind hätten.

„Was passiert, wenn man nicht schnell genug beim Baby ist?“, will ein Mädchen wissen. „Wenn du länger als drei Minuten brauchst, um das Bedürfnis deines Babys zu befriedigen, zeichnet der Simulator das auf“, erklärt le Grand. „Drei Minuten klingen erst einmal wenig, aber glaube mir, es ist lang genug“, versichert die Projekt-Leiterin. „Hobbys und Termine werden in den nächsten Tagen schwierig sein, habt ihr etwas vor, müsst ihr euch absprechen oder das Baby mitnehmen“, sagt Daniela le Grand.

Den Jugendlichen dämmert langsam, dass es nicht nur Vorzüge haben kann – das Wiegen und Beruhigen des Baby-Simulators kann bis zu 45 Minuten dauern, das Füttern eine halbe Stunde. Aber fast alle haben die schwerste Einstellung gewählt. „Wir wollen halt schauen, wie es wirklich ist“, sagt Finja (14) mit „Jake“ auf dem Arm. Sie sind gespannt, haben Respekt vor den Nächten und Angst, etwas falsch zu machen. Fehler werden im „Baby“ gespeichert und in der Schule ausgelesen. Bis Donnerstag dreht sich für die zwölf alles um das Thema Kind, Verhütung, Verantwortung und Hilfe.

Das Fazit lesen Sie am Freitag.

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