zur Navigation springen

Viele Vorschläge für einen großen Wurf

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gemeindevertreter David Kardell hat sich Gedanken über Malentes Zukunft gemacht. Er will neuen Wohnraum schaffen, Bahnhofstraße und Lenter Platz aufwerten

Es ist schon ein Jahrzehnt her, dass Malente sein Gesicht aufgefrischt hat. Seit der Sanierung von Kurpark, Diekseebucht oder Kellerseepromenade fehlt es an Mitteln und einem Zukunftskonzept. Doch mit einem Mal scheint sich das Blatt zu wenden. Ideen soll der Zukunftsprozess „Malente 2030“ liefern, der auf der Teilnahme am bundesweiten Modellprojekt für Kleinstädte „Exwost“ und dem „Integrierten Gemeindeentwicklungskonzept“ (Igek) basiert. Erhebliche Fördermittel könnten aus dem Städtebauprogramm kommen.

Doch gelingt der große Wurf? Gemeindevertreter David Kardell (Grüne) ist mit den bisherigen Ergebnissen des Igek-Prozesses nicht recht zufrieden. Mit einem mehrseitigen Papier will er eine Diskussion anstoßen – und hat dabei bewusst die finanzielle Schere im Kopf beiseite gelegt.

Der Architekt und Café-Betreiber will den Verkehr im Zentralort der Gemeinde neu ordnen und zunächst dort – nicht auf den Dörfern – neuen Wohnraum schaffen. „Viele Einzelmaßnahmen, wie zum Beispiel eine Leerstandsbörse, erledigen sich von selbst“, ist Kardell überzeugt. Je mehr Bad Malente-Gremsmühlen wachse, desto positiver wirke sich das auf Schulstandort, Attraktivität der Bahnhofstraße, Ansiedlung neuer Fachärzte und Einnahmesituation der Gemeinde aus.

Drei Standorte für neue Wohngebiete hat Kardell ausgemacht: Das Schrebergartengelände, den benachbarten Parkplatz am Krützen und den Sportplatz an der Ringstraße. „Auf dem Schrebergartengelände würde ich eine Vorzeigesiedlung entstehen lassen mit Energiekonzept aus erneuerbaren Energien – energetisch autark mit Erdwärme und Photovoltaik“, schlägt er vor. Rund 300 Wohnungen in Reihen- und Mehrfamilienhäusern seien möglich.

Seine Idee für den Krützen: Eine Randbebauung an den Straßen Sebastian-Kneipp-Straße und Godenbergstraße, der Parkplatz soll als Tiefgarage unter der Erde verschwinden. Auf der Ringstraße stellt sich der Malenter eine Wohnanlage gemäß historischen Plänen vor. „Denkbar ist für mich eine Reihenhausbebauung auf der Südseite, mittig eine für jedermann nutzbare Grünfläche, außen Einfamilienhäuser.“

Völlig umkrempeln will Kardell den Verkehr im Ortszentrum: „Ich möchte gerne die Bahnhofstraße zur Einbahnstraße Richtung Kurpark zwischen den Einmündungen Dammstraße und Kurpark umbauen – mit Tempo 30 und Aufpflasterungen.“ Dies, so Kardell, würde den Verkehr auf einen Schlag halbieren. Idealerweise werde diese Maßnahme mit einer Einbahnstraße in entgegengesetzter Richtung auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke nach Lütjenburg kombiniert. Bis das verwirklicht sei, solle der Verkehr über die Lindenallee fließen. In der Bahnhofstraße könnten die Autos wie früher im 45-Grad-Winkel schräg auf der Nordseite parken. Die Parknischen auf der Südseite könnten begrünt, mit Bänken oder Wasserspielen versehen werden.

Um aus dem Lenter Platz einen echten Marktplatz zu machen, schlägt Kardell vor, diesen leicht anzuheben und einheitlich zu pflastern. „Als Autofahrer muss man das Gefühl haben, über einen Platz zu fahren. Die Straße wird gestalterisch dem Platz untergeordnet.“ Außerdem könnte die Gemeinde das Bahnhofsgebäude erwerben, um hier die Tourist-Info unterzubringen. Die Gemeinde könnte sich beim Land dafür werben, hier eine dauerhaft besetzte Polizeistation unterzubringen – auch um Vandalismus einzudämmen. Beim Thema Schule plädiert Kardell wie Bürgermeisterin Tanja Rönck für eine Bündelung von Schulen, Sportstätten und Kindergärten an einem Ort.

Weitere Ideen: Die Gremsmühle könnte in Kooperation mit dem Heimat- und Verschönerungsverein als Museum genutzt werden. In der architektonisch erhaltenswerten Grundschule Malente könnte die von der Bürgermeisterin ins Spiel gebrachte Fachhochschule für medizinische Berufe und ein Kneippzentrum untergebracht werden. „Was die Fielmann-Akademie in Plön für Optiker bundesweit ist, sollte Malente in Ausbildung speziellen Personals im Gesundheitswesen und in Sachen Kompetenz zur Bäderkultur werden.“

Auch Kardell ist klar, dass die Umsetzung seiner Ideen einiges kosten würde. Eine gemeindeeigene GmbH für Grundstücksverwertung und Wohnungsbau könnte aus seiner Sicht finanzielle Spielräume schaffen. Außerdem müsse die Gemeinde ihre Einnahmemöglichkeiten ausschöpfen, etwa durch die Bewirtschaftung von Parkplätzen oder Stromerzeugung auf gemeindeeigenen Dachflächen. Um ein Zeichen zu setzen, plädiert er dafür, dass die Gemeindevertreter ihre Sitzungsgelder deckeln.

„Malente hat es verdient, wieder eine führende Stellung im Land einzunehmen“, sagt Kardell mit Blick auf die Blütezeit der Kneippkultur im Ort. Sein Appell: „Es liegt an uns, ob der Ort weiter dahinvegetiert oder ob dem Kneippheilbad neues Leben eingehaucht wird.“

Weichen stellen könnte die Gemeinde bereits morgen. Dann wollen sich Gemeindevertreter, Mitarbeiter der Verwaltung und die mit der Igek-Begleitung beauftragte Agentur „Ernst Basler + Partner“ (EBP) in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte mit dem Stand des Igeks befassen und über das weitere Vorgehen beraten.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Jul.2017 | 16:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen