Viele Menschen fühlen sich unzureichend informiert

Am Podium: (von rechts) Hans-Friedrich Möller, Volker Bräutigam, Achim Krauskopf und Dr. Grieser.
Am Podium: (von rechts) Hans-Friedrich Möller, Volker Bräutigam, Achim Krauskopf und Dr. Grieser.

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18. Juni 2014, 11:25 Uhr

Obwohl die Medien in den vergangenen Monaten sehr umfangreich über die Ukraine berichtet haben, fühlen sich offenbar viele Menschen nicht umfassend und neutral informiert. Die Frage „Wie seriös sind die Berichte über die Krise in der Ukraine?“ löste zumindest unerwartetes Interesse aus: Trotz bestem Grillwetter kamen Dienstagabend 80 Menschen zu einer Veranstaltung des Friedenskreises und der Kreisbibliothek.

Nach Referaten von drei Experten am Podium entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die streifte nicht nur Fälle von tendenziöser, falscher oder unzureichender Berichterstattung, sondern auch die Frage, wie sich die westliche Welt in dem Konflikt verhalten sollte.

Befeuert wurde die
von OHA-Redakteur Achim Krauskopf moderierte Debatte durch Volker Bräutigam. Der Journalist mit Erfahrung aus der „Tagesschau“-Redaktion hatte beim NDR-Rundfunkrat Beschwerde wegen einer „desinformierenden Berichterstattung“ eingelegt. Vor allem machte Bräutigam an unzureichend beschriebene Massenmorde an prorussischen Kräften fest, aber auch an den Berichten über ausländischen Militärbeobachter, die durch prorussische Kräfte festgehalten wurden. In westlichen Medien seien sie als Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bezeichnet worden. Tatsächlich seien es Nato-Ofiziere ohne echtes Mandat gewesen.

Beispiele für anrüchige Aktivitäten in finanzieller und personeller Art durch Nato-Länder listete Hans-Friedrich Möller von der Deutschen Freundschaftsgesellschaft West-Ost auf. Zum Beispiel sei in den Medien verschwiegen worden, dass Spezialkräfte westlicher Militärs oder ein privater US-
Sicherheitsdienst in der Ukraine agierten.

Prof. Dr. Helmut Grieser, Experte für deutsch-russische Beziehungen der Kieler Universität, spannte den historischen Bogen von der Gründung der Ukraine 1917, der vom Westen als Schritt zur Schwächung Russlands begrüßt worden sei, bis zum „Umfassenden Vertrag“, den Deutschland nach der Vereinigung 1990 mit Russland geschlossen habe. Diese umfangreiche Vereinbarung verpflichte beide Länder zur Neutralität, wenn das jeweils andere in Konflikte gerate. Diesem Gebot der Neutralität folge die Regierung in Berlin indes nicht.

Durch die mit triftigen Gründen erfolgte Absage von Dr. Svetlana Dallmann und Oksana Stahlberg fehlte am Podium die Perspektive unmittelbar betroffener Menschen. Das wurde in der Diskussion durch zwei Gäste, die jahrelang in der Ukraine gearbeitet haben, aufgefangen, die der stringenten, teilweise überspitzten Argumentation von Bräutigam und Möller widersprachen. Vor allem bei jungen Leuten sei der Blick Richtung Europa weit verbreitet, sagte ein Zuhörer mit umfangreicher Erfahrung aus der Ukraine.

Lutz Tamchina und Wolfgang Schiller vom Friedenskreis appellierten an die Menschen, gegen einseitige Berichterstattung zum Beispiel durch Beschwerden beim Rundfunkrat aktiv zu werden. Und Moderator Achim Krauskopf betonte, dass es kein Informationsmonopol mehr gebe, sondern durch das Internet eine noch nie gekannte Fülle an Informationsquellen.

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