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Viele Ferienwohnungen in Wohngebieten sind illegal

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landkreise wollen härter gegen Urlauberquartiere vorgehen, die baurechtlich nicht abgesichert sind

Die Kreisverwaltungen wollen konsequenter als bisher Urlauberquartiere verbieten, die sich in Wohngebieten befinden und daher illegal sind. Viele Ferienwohnungen sind damit von der Schließung bedroht. „Wenn den Kreisen in Schleswig-Holstein eine rechtswidrige Nutzung von Gebäuden zugetragen wird, dann werden sie dagegen vorgehen“, kündigt Landkreistagschef Jan-Christian Erps unserer Zeitung an. Es sei nicht hinzunehmen, „dass rechtswidrig agierende und gewerblich orientierte Hauseigentümer machen, was sie wollen“.

In Mecklenburg-Vorpommern haben die Behörden nach Beschwerden von Anwohnern bereits viele Urlauberunterkünfte geschlossen. Allein im Ostseebad Rerik sind zwei Drittel der Quartiere betroffen. Landesweit sind in Mecklenburg-Vorpommern nach Schätzung der Grünen fast 9000 Wohnungen in Gefahr.

Bei den Vermietungsverboten berufen sich die Kreise auf ein bisher wenig beachtetes Urteil des Oberverwaltungsgerichts Greifswald von 2007: Das hatte bekräftigt, was in der Baunutzungsverordnung des Bundes steht: Ferienwohnungen in Wohngebieten seien unzulässig. Selbst die weit verbreitete Vermietung von Ferienwohnungen in Häusern, in denen der Eigentümer selbst lebt, ist nur dann erlaubt, wenn die Gemeinde das im Bebauungsplan ausnahmsweise zugelassen hat.

Auch in Schleswig-Holstein könnten Schätzungen zufolge Tausende Unterkünfte illegal sein. Ferienwohnungen in Wohngebieten seien „ein generelles Phänomen in allen Ferienregionen“, sagt Tourismusverbandspräsident Jörn Klimant. Bisher werden sie meist geduldet. Allerdings hat der Kreis Ostholstein kürzlich erstmals auf Fehmarn und auch in Grömitz und Heiligenhafen Verbote ausgesprochen. Weil der Fehmaraner Hauseigentümer Widerspruch eingelegt hat, muss das Verwaltungsgericht Schleswig entscheiden.

Ob sich die Kreise mit ihrem strikten Kurs allerdings durchsetzen, hängt auch von einem Treffen mit Innenminister Andreas Breitner (SPD) ab. Am 8. August wollen Tourismusverbände und Kommunen mit dem Ministerium über das Problem beraten. Die Städte und Dörfer sind im Zwiespalt – denn sie müssen zwischen den Interessen des Tourismus und der Anwohner abwägen. Der Geschäftsführer des Gemeindetages, Jörg Bülow plädiert daher zwar für einen Vorstoß des Landes zur Änderung der Baunutzungsverordnung, damit künftig Ferienwohnungen in Wohngebieten entstehen können. Andererseits räumt er ein: „Es gibt auch Fälle, wo es wichtig bleibt, zu begrenzen.“ Jörn Klimant sagt: „Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass die Vermietung von möglichst vielen Ferienhäusern erlaubt bleibt.“ Breitner legt sich noch nicht fest. Seite 11





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erstellt am 02.Aug.2014 | 18:23 Uhr

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