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Toleranz zu Weihnachten : Viel mehr als Knöllchen im Gepäck

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Eutiner Verkehrsüberwacher haben einen Tag lang bei leichten Vergehen mahnende Hinweise statt Strafzettel verteilt. Künftig soll bei allen Zweifelsfällen Gnade vor Recht ergehen.

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erstellt am 23.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Es liegt in der Natur der Sache, dass sie alles andere als beliebt sind: Wenn die drei Eutiner Verkehrsüberwacher tätig werden, geht es meistens Autofahrern an den Geldbeutel. Bis zu 35 Euro werden fällig, wenn sich jemand nicht an die Parkregeln hält.

Simon Jahn, Matthias Straußfeld und Daniel Bröker können aber auch anders: Am Freitag zum Beispiel legten Jahn und Straußfeld einen „vorweihnachtlichen Aktionstag“ ein: Statt Knöllchen gab es bei leichten Verfehlungen eine „schriftliche Verwarnung“ mit der Überschrift „heute drücken wir nochmal ein Auge zu!“ und „Sie haben Ihr Fahrzeug nicht vorschriftsmäßig abgestellt“. „Unser Kollege hat das mal in Ravensburg gesehen und als Idee mitgebracht“, erzählt Simon Jahn. Die farbigen Zettel mit dem erhobenen Zeigefinger sollen künftig nicht nur an Aktionstagen, sondern auch in Zweifelsfällen verteilt werden – wenn zum Beispiel ein Auto größtenteils an einem erlaubten Platz steht und nur ein Stück in das Parkverbot ragt.

Ohnehin haben die drei Verkehrsüberwacher nicht nur Knöllchen im Gepäck: „Besonders beliebt vor allem bei Touristen sind unsere Stadtpläne“, berichtet Matthias Straußfeld. Auf den postkartengroßen Blättern sind alle Parkmöglichkeiten in der Stadt samt Hinweis auf Gebührenfreiheit, Parkscheiben- und Gebührenpflicht verzeichnet. Außerdem sind 16 wichtige Punkte und Sehenswürdigkeiten markiert.

Und: Die Verkehrsüberwacher haben Parkscheiben. Denn nicht selten liege einfach nur ein Zettel mit einer Ankunftszeit hinter der Windschutzscheibe; oder
rosafarbene Parkscheiben. „Beides ist offiziell nicht zulässig“, betont Simon Jahn, „vorgeschrieben sind blaue Parkscheiben.“ In Eutin lasse man aber – im Gegensatz zu anderen Städten – Toleranz walten und händige sogar noch richtige Parkscheiben aus.

„Ich weiß gar nicht, was die Leute gegen die Jungs haben, die sind so nett und freundlich“, sagt Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz über die drei Knöllchen-Schreiber, die – so hat Simon Jahn über eine Internet-Suchmaschine herausgefunden – auch Politeur genannt werden können. Das ist die Abwandlung der allgemein sehr viel bekannteren weiblichen Form Politesse.

Doch ob freundlich oder nicht: Manche Zeitgenossen reagieren selbst alles andere als freundlich, wenn sie ein Knöllchen an ihrem Auto und den verursachenden Verkehrsüberwacher entdeckten. Jahn: „Einer hat mir mal gedroht: Ich kann Dir auch die Brille von der Nase schlagen. Ich habe ihm geantwortet: Wenn Sie eine Anzeige kassieren wollen. Zum Glück hat er sich umgedreht und ist gegangen.“

Bislang sei es aber noch nie zu einem körperlichen Angriff gekommen. Verbale Attacken sind hingegen an der Tagesordnung, besonders Überredungsversuche mit tausend verschiedenen Ausreden. Und ganz oben auf der Beliebtheitsskala: „Wissen Sie überhaupt, mit wem Sie es zu tun haben?“ Und: „Wissen Sie, dass ich den Bürgermeister sehr gut kenne?“

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