VHS Eutin war bei allem die erste

Alle aktuellen ujnd ehemaligen VHS-Kolleginnenverabschiedeten ihre Chefin: (von links) Claudia Mohns, Antje Bunse, Kirsten Scheuch, Birte Petersen, Annette Rudolph und Johanna Schütz.
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Alle aktuellen ujnd ehemaligen VHS-Kolleginnenverabschiedeten ihre Chefin: (von links) Claudia Mohns, Antje Bunse, Kirsten Scheuch, Birte Petersen, Annette Rudolph und Johanna Schütz.

Bei einer Abschiedsfeier wurde die Arbeit von Antje Bunse für die Volkshochschule Eutin über 35 Jahre hinweg gewürdigt

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24. März 2018, 19:02 Uhr

Sie habe viel Glück gehabt, stellte Antje Bunse fest, verriet aber auch, dass sie in jedem der 35 Jahre als Leiterin der Volkshochschule (VHS) Eutin nach der Veröffentlichung der neuen Kursangebote von einer Furcht geplagt worden sei: „Du machst ein Programm und niemand meldet sich an.“

Diese Angst war immer unbegründet, es gab seit 1983 kaum ein Jahr, in dem bei der VHS Eutin nicht die Teilnehmerzahl wuchs. Die vielfach bemerkenswerte Entwicklung dieser kommunalen Bildungseinrichtung wurde Freitagabend bei einer Feier zur Verabschiedung von Antje Bunse in den Ruhestand nachgeeichnet.

Vor rund 100 geladenen Gäste im Torhaus merkte Bürgermeister Carsten Behnk an, dass mit Bunses Dienstzeit nicht nur Jahrzehnte ins Land gegangen, sondern sogar ein Jahrhundert und ein Jahrtausend übersprungen worden seien. Enorm verändert habe sich die VHS, seitdem Bunse als erste hauptamtliche Kraft die Leitung der VHS übernommen habe, 1983 zunächst als Halbtagskraft mit einem kleinen Büro unter dem Dach im Rathaus. Damals seien mit 15 Kursleitern insgesamt 40 Angebote gemacht worden, im vergangenen Jahr seien es 550 Angebote von 115 Kursleitern gewesen. Allerdings sei auch der Etat in dieser Zeit von 50 000 DM auf rund 700 000 Euro gewachsen.

Antje Bunse habe es aber immer verstanden, zusätzliche Finanzquellen zu finden, und sie habe nicht zuletzt mit ihrem Engagement auf Kreis- und Landesebene ein riesiges Netzwerk geschaffen. Im Übrigen habe es nie eine Rolle gespielt, für wie viele Stunden sie bezahlt worden sei, sie habe immer das erledigt, war zu erledigen war.

Die Entwicklung der VHS Eutin, die bis 1983 ehrenamtlich vom Kulturbund organisiert wurde, zu einer Einrichtung mit drei hauptamtlichen Kräften in der Verwaltung schließe die Übernahme der Volkshochschulen Ahrensbök und Malente mit ein. Die VHS sei ein Forum der Begegnung geworden, ein interkulturelles Zentrum, und ihre Angebote seien erschwinglich.

Die Veränderungen im Lauf der Jahrzehnte zeichneten auch Monika Peters, ehemalige Direktorin, und Werner Hutterer, ehemaliger Vorsitzender des Landesverbandes der Volkshochschulen, nach. Peters bezeichnete die 1980er Jahre als die Phase tiefgreifender Veränderungen, und Hutterer ergänzte die Liste neuer VHS-Angebote, die es im Lauf der Jahrzehnte gegeben habe: Berufsorientierte Weiterbildung, Gesundheitskurse, ausbildungsbegleitende Hilfen, Legasthenie-Kurse, Alphabetisierung und zuletzt Deutschkurse für Flüchtlinge. Die VHS Eutin habe dank Antje Bunses Engagement und vorbildlicher Vernetzung immer zu den ersten im Land gehört, die neue Wege gegangen sei, betonte Hutterer. Eine Einschätzung, die Kirsten Scheuch teilte: „Während Zauderer noch überlegt haben, warum etwas auf keinen Fall funktionieren kann, hattest Du es längst umgesetzt“, berichtete Scheuch. In einer sehr humorvollen Rede verriet die Leiterin der VHS-Geschäftsstelle einige Interna aus zwölf Jahren bei der VHS, darunter auch die Phasen großer Nervosität bei Antje Bunse jedes Jahr nach der Veröffentlichung neuer Programme.

Scheuch erinnerte sich, dass sie gewarnt worden sei, als sie sich um eine Stelle bei der VHS beworben habe: Antje Bunse sei nicht einfach. „Nach neun Jahren fast täglich gemeinsam in einem Büro muss ich sagen, die hatten recht: Antje ist nicht einfach – sondern klasse.“ Es gab kaum eine positive Eigenschaft, die Scheuch ihrer scheidenden „tollen Chefin“ nicht bescheinigte: Bunse sei eine Vorgesetzte, die ihre Kolleginnen kraftvoll führe, sie nehme aber auch aufrichtig Anteil am Befinden anderer Menschen. Ihre einzige Schwäche sei Ungeduld, aber ohne die wäre vieles in der VHS nicht verwirklicht worden.

Vier Bürgermeister waren Antje Bunses Vorgesetzte, außer dem verstorbenen Friedrich Knutzen waren Carsten Behnk, Gernot Grimm und Klaus-Dieter Schulz, diezur Verabschiedung gekommen waren. Und alle ehemaligen und aktuellen Kolleginnen aus der VHS beteiligten sich mit einem Sketch am Programm, bei dem sie in die Rolle von Reinigungskräften und Kursteilnehmerinnen schlüpften: Kirsten Scheuch und Birte Petersen, die neue VHS-Leiterin Annette Rudolph, die aber von 2000 bis 2006 in der VHS tätig war, sowie Claudia Mohns (1990 bis 2004) und Johanna Schütz (2004 bis 2009).

Zum Programm trugen auch die Kreismusikschüler Lea Bublitz (Gesang) und Bo Boj Klupp (Klavier) bei, außerdem der VHS-Dozent Prof. Peter von Viebahn. Er leitet einen Stepptanz-Kurs in Ahrensbök.

Viele Menschen hätten zu ihrem glücklichen Lebensweg beigetragen, sagte Antje Bunse, alle Bürgermeister hätten sie immer gewähren lassen, und über die Arbeit bei der VHS habe sie viele Freunde gewonnen. Das schönste Abschiedsgeschenk aber sei, dass Annette Rudolph ihre Nachfolgerin geworden sei.

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