Malente : Verunsicherung um Sportplatz-Verkauf

Die Elternvertreterinnen Bettina Runge und Yvonne Fischer, Christian Harms und Schulhausmeister Andreas Ochs beklagten im Winter die marode Sportanlage.
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Die Elternvertreterinnen Bettina Runge und Yvonne Fischer, Christian Harms und Schulhausmeister Andreas Ochs beklagten im Winter die marode Sportanlage.

Sieversdorf: Bürgermeisterin Tanja Rönck zieht Vorlage wegen neuer Erkenntnisse über Entsorgungskosten für alten Asphalt zurück.

shz.de von
14. April 2018, 15:00 Uhr

Schon länger drängt der TSV Dörfergemeinschaft Holsteinische Schweiz auf eine Lösung für den maroden Sportplatz an der Sieversdorfer Grundschule. Er hat der Gemeinde angeboten, den Platz zu kaufen und zu sanieren. Im Gegenzug will er, dass die Gemeinde Strom und Wasser zu dem Platz legt und die Abwasserentsorgung sicherstellt. Doch der Versuch von Planungs- und Hauptausschuss, das Thema bei einer gemeinsamen Sitzung voranzutreiben, blieb in dieser Woche im Ansatz stecken.

Grund: Bürgermeisterin Tanja Rönck zog zu Beginn der Sitzung ihre Verwaltungsvorlage zurück. Sie berichtete von einem Schnelltest, mit dem einen Tag vor der Sitzung der auf der Sportanlage verbaute Asphalt unter die Lupe genommen worden sei. Entgegen der bisherigen Annahmen sei man dabei nicht auf Verunreinigungen durch Teer gestoßen, erklärte Tanja Rönck. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich um reinen Asphalt handelt – also kein Sondermüll“, schilderte sie. Bis dahin sei die Verwaltung davon ausgegangen, dass eine Entsorgung mehr als 20 000 Euro kosten würde. Diese Summe hat offenbar der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Ostholstein der Gemeinde genannt. Das Angebot einer renommierten Fachfirma, das der Verein eingeholt und der Verwaltung vorgelegt hatte, ging sogar von nochmals wesentlich höheren Kosten aus. Die Entsorgungskosten dürften sich maßgeblich auf den Grundstückspreis auswirken.

„Damit können wir im Grunde wieder von vorne anfangen“, kommentierte Jürgen Redepenning (SPD), Vorsitzender des Planungsausschusses, die neue Situation. Es entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in die sich kurzzeitig Wahlkampftöne zu mischen schienen. Dagmar Nöh-Schüren brandmarkte den angestrebten Verkauf des Sportplatzes als Schritt zur Aufgabe der Sieversdorfer Grundschule. Das wies CDU-Fraktionschef Uwe Potz als „Unverschämtheit“ zurück. „Wir verkaufen doch nicht den Schulhof“, schimpfte der Hauptausschuss-Vorsitzende. Jürgen Redepenning wollte ebenfalls keinen Nachteil für die Schule sehen: „Das Gegenteil ist der Fall“, hielt er Dagmar Nöh-Schüren entgegen.

Obwohl seine Fraktion nicht gegen einen Verkauf sei, machte Holger Bröhl, Fraktionschef der Freien Wähler, Bedenken geltend. Er warnte vor rechtlichen Fehlern. „Der angedachte Verkauf für einen Euro dürfte bei der Kommunalaufsicht auf Unverständnis stoßen“, warnte er. Denn die Gemeinde müsse ihre Grundstücke zum tatsächlichen Vermögenswert veräußern. Grundsätzlich seien die Freien Wähler aber nicht gegen den Verkauf.

Tanja Rönck sprach von einer „Win-win-Situation“, die durch den Verkauf des Sportplatzes an den Verein angestrebt werde. „Der Verein soll den Sportplatz in besserem Zustand halten“, erklärte sie. Aus Sicht der Verwaltung sollen sowohl Schule und Gemeinde profitieren, die einen Erhalt des Sportplatzes nicht leisten kann, als auch der Verein, der durch einen Verkauf wieder eine funktionierende Sportanlage erhält.

Für die Sanierung rechne der TSV Dörfergemeinschaft mit Kosten in Höhe von 240 000 Euro, erläuterte Vereinschef Christian Harms. Mit dieser Summe begründete er auch den auf neun bis elf Jahre taxierten Sanierungszeitraum, der Dagmar Nöh-Schüren aufgestoßen war. „Das können wir nicht in einem Jahr finanzieren“, sagte Harms. Er wies auch Bedenken von Dagmar Nöh-Schüren zurück, die Grundschule Sieversdorf sei in die Überlegungen nicht einbezogen. „Wir sind ständig mit der Schule in Kontakt.“

Der TSV Dörfergemeinschaft habe seit 1970 rund 130 000 Euro in die Pflege der Sportanlage gesteckt, rechnete Harms vor. Der Verein müsse die Sportanlage aber nicht kaufen. „Wenn Sie das nicht wollen, ziehen wir uns gerne zurück“, machte er deutlich. Soweit will es die Politik nicht kommen lassen. Potz forderte, der Verein müsse „zu ordentlichen Konditionen“ unterstützt werden. Jürgen Redepenning warnte vor den Folgen, wenn sich der Verein zurückziehe. „Wenn die Gemeinde das macht, kostet das einen Haufen Geld“, erklärte er angesichts der erforderlichen Pflege des Sportplatzes. Das solle die Politik im Hinterkopf behalten. Diese beauftragte die Bürgermeisterin, nun wieder Verhandlungen mit dem Verein aufzunehmen.

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